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NFL:Trump macht Prosteste für sinkende Quoten verantwortlich

Heiligabend, früher Nachmittag: Die Cleveland Browns verlieren. Mal wieder. Bereits am vorletzten Spieltag steht fest, dass die Bilanz (derzeit 0:15) die schlechteste der Liga sein wird. Mal wieder. Die Browns dürfen deshalb bald bei der Verpflichtung der talentiertesten Nachwuchsspieler zuerst wählen. Mal wieder. Dass dieses System, also Belohnung von Erfolglosigkeit verbunden mit gleichmäßiger Verteilung der Einnahmen auf alle Vereine, so ziemlich allen amerikanischen Wirtschafts-Prinzipien widerspricht, scheint beim Football niemanden zu stören.

Es führt freilich dazu, dass Vereine ohne Aussicht auf eine Playoff-Teilnahme verletzte oder angeschlagene Stars lieber für die kommende Saison schonen und deshalb Niederlagen in Kauf nehmen wie zum Beispiel die Indianapolis Colts (Spielmacher Andrew Luck) oder die Arizona Cardinals (Laufspieler David Johnson). Macht dieses System die Suche nach der besten Mannschaft gerechter? Oder erhöht es nur wegen der theoretischen Chancengleichheit das Interesse der Fans und damit die Einnahmen? Das Urteil fällt selbst.

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Heiligabend, Nachmittag: Die Einschaltquoten der NFL sind im Vergleich zur vergangenen Saison um neun Prozent gesunken. Trump behauptet, dass das an seinem Kampf für Hymne und Vaterland liegt. Die Quoten der Automobil-Rennsportserie Nascar, die vor allem Trump-Wähler verfolgen, sind im gleichen Zeitraum um elf Prozent gesunken. Dazu sagt Trump: nichts.

Es gibt viele Amerikaner, die sich nicht mehr für Football begeistern können, weil ihnen die Sportart zu brutal ist. In Trumps Weltbild sind das die Verweichlichten. Die NFL strebt danach, der gemeinsame Nenner für alle Amerikaner zu sein - und erreicht in einem Land, in dem es keinen gemeinsamen Nenner mehr geben darf, das Gegenteil. Für die einen ist Football eine grausame und gefährliche Disziplin - für die anderen verweichlicht sie zunehmend. Wer allen gefallen will, der gefällt am Ende niemandem mehr.

Heiligabend, Abend: Ezekiel Elliott von den Dallas Cowboys ist zurück. Er war nicht verletzt, sondern sechs Partien lang gesperrt, weil er im Jahr 2016 seine damalige Freundin angegriffen haben soll. Trump, der Pussygrabber-In-Chief, hat sich dazu nicht geäußert. Cowboys-Besitzer Jerry Jones, ein enger Trump-Freund, war über die Sperre derart erbost, dass er die Vertragsverlängerung mit NFL-Chef Roger Goodell, 58, verhindern wollte und sogar mit Klage drohte. Elliott blieb gesperrt, sechs Spiele lang.

Goodell ist ein guter Geldscheffler, er hat die Einnahmen der Liga (und damit auch der Klubbesitzer) in den vergangenen zehn Jahren von 6,54 Milliarden auf 14 Milliarden Dollar gesteigert - in weiteren zehn Jahren sollen es 25 Milliarden Dollar sein. Mittlerweile wurde der Vertrag von Goodell verlängert, die einzig harte Bedingung: Der Umsatz muss steigen. Sollte Goodell das schaffen, kann er in fünf Jahren 200 Millionen Dollar verdienen. Jones zog seine Klage zurück und nannte Goodell einen, "der dieser Liga sehr gut tut".

Die Cowboys verlieren eine schrecklich anzusehende Partie mit 12:21 gegen die Seattle Seahawks und haben deshalb keine Chance mehr auf die Playoffs.

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