bedeckt München 23°
vgwortpixel

American Football:Einer wird über die Ziellinie rollen

October 20, 2019: Philadelphia Eagles quarterback Carson Wentz (11) passes the ball during the first half of an NFL, Ame; Cowboys eagles

Wie Spargeltarzane beim Bodybuilder-Wettbewerb: Die Philadelphia Eagles mit Quarterback Carson Wentz und die Dallas Cowboys, hier bei einem Aufeinandertreffen im Oktober, sorgen für Spott.

(Foto: Shane Roper/imago)
  • Die Philadelphia Eagles und die Dallas Cowboys stehen sich am kommenden Sonntag im direkten Duell um die Teilnahme an der Ausschlussrunde gegenüber.
  • Das Rennen um einen Playoff-Platz verläuft grotesk.

Es hat nun wirklich genügend witzige Video-Vergleiche zum bizarren Rennen um diesen einen Playoff-Platz in der US-Footballliga NFL gegeben - stolpernde Hürdenläufer etwa, einen Spargeltarzan beim Bodybuilder-Wettbewerb und auch einen Boxer, der sich selbst haut -, und es hat genügend Lästereien über die Titelchancen dieser beiden Mannschaften gegeben, die außerhalb der beiden Städte auf jeweils knapp über null Prozent geschätzt werden. Nun also ist es so weit: Die Philadelphia Eagles und die Dallas Cowboys stehen sich am kommenden Sonntag im direkten Duell um die Teilnahme an der Ausschlussrunde gegenüber.

Sollten die Cowboys gewinnen, wären sie aufgrund zweier Erfolge im direkten Vergleich gegen die Eagles sicher qualifiziert. Sie hätten in der ersten Runde sogar Heimrecht, selbst wenn sie die letzte Partie der regulären Saison gegen die Washington Redskins verlören und ihre Bilanz (8:8) schlechter wäre als die von Vereinen, die ausscheiden würden (die Los Angeles Rams etwa stehen derzeit bei 8:6). Bei einem Eagles-Sieg wird es komplizierter, dazu später mehr.

Die Sieger der vier Divisionen sind automatisch qualifiziert

Die Konstellation entsteht wegen des Regelwerks der NFL und dadurch, dass die Liga aufgeteilt ist in zwei Conferences (AFC und NFC), die jeweils in vier regionale Divisionen mit jeweils vier Teams unterteilt sind. Das sollte einst die Reisekosten senken (mittlerweile trägt die NFL Partien in London und Mexiko City aus) und für interessante Derbys sorgen: Jeder Verein tritt pro Jahr jeweils zwei Mal gegen die Divisions-Konkurrenten an.

Die Regel für die Playoff-Teilnahme: Die Sieger der vier Divisionen sind automatisch qualifiziert, die beiden Teams mit der besten Bilanz haben dabei ein Freilos in der ersten Runde. Die anderen beiden treten am so genannten "Wild-Card-Wochenende" zu Hause gegen jene beiden Klubs in der Conference an, die ihre Division nicht gewonnen, aber die meisten Siege geschafft haben.

Stand jetzt würden die Cowboys (7:7) daheim gegen die San Francisco 49ers (11:3) antreten, und es gibt immer wieder mal Debatten darüber, ob das wirklich gerecht ist. Allerdings sorgen diese Regeln dafür, dass in der NFL jede Partie von Bedeutung ist, während anderswo, zum Beispiel in der Basketballliga NBA (es qualifizieren sich 16 von 30 Vereinen), die 82 Spiele der regulären Saison letztlich nur Vorgeplänkel der Action im Frühjahr sind. Die Amerikaner finden es ganz gut so, wie es ist.

Es gibt traditionell eher respektierte Divisionen wie zum Beispiel die NFC West, aus der sich in diesem Jahr sogar drei Teams für die Playoffs qualifizieren könnten: die San Francisco 49ers, die Seattle Seahawks (beide 11:3) und die bereits erwähnten Rams. Es gibt eher belächelte Mini-Ligen, und auch wenn das die Leute in Boston nicht gerne hören dürften: Die New England Patriots haben sich gerade zum zehnten Mal nacheinander qualifiziert (das ist die längste Serie der Liga-Geschichte), weil die Miami Dolphins und die New York Jets mal wieder derart schlecht gewesen sind, dass es bisweilen nach Absicht aussah - denn: Je schlechter die Bilanz, desto eher darf ein Verein bei der Talentbörse im Sommer wählen.

Zur SZ-Startseite