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Rassismus-Vorwürfe von Neymar:Paris liefert ein trübes Schlachtgemälde

Ligue 1 - Paris St Germain v Olympique de Marseille

Neymar schimpfte und wütete gegen Alvaro Gonzalez von Olympique Marseille.

(Foto: REUTERS)

Erst die Keilerei auf dem Platz, dann im Netz: Während PSG sportlich abstürzt, beschimpft Neymar auf Twitter seinen Gegenspieler - der ihn zuvor beleidigt haben soll.

Von Oliver Meiler

Es gibt Fußballspiele, die haben das Zeug, eine ganze Saison fortzudauern. Dabei hat die Ligue 1 in Frankreich ja eben erst begonnen. "Le classique", der französische Klassiker zwischen Paris Saint-Germain und Olympique Marseille, auch als "Clasico" mit Betonung auf dem "o" bekannt, weil man sich gern mit den ganz großen Meisterschaftsduellen des Kontinents misst, hat am Sonntagabend so viele Geschichten in der Geschichte geboten, dass sie nun episodenweise aufbereitet werden dürften. Wie in einer anständigen Fernsehserie.

Aber zunächst zum Zählbaren: Marseille schlägt Paris mit viel taktischer Disziplin und fast ohne Fußball 1:0 - Tor von Florian Thauvin, 31. Minute, nach einem Standard. Zehn Jahre war der letzte Sieg her, insgesamt 20 Spiele. In der gesamten Ära von PSG in katarischem Besitz gelangen Marseille nur zwei Unentschieden. Der Serienmeister aus Paris, Finalist in der jüngsten Champions League, liegt nun nach zwei Spieltagen und zwei Niederlagen am Tabellenende, null Punkte, Tordifferenz minus zwei. Diese Momentaufnahme trägt die Stimmung Marseilles locker für ein paar Monate. Es schmeckt schließlich nichts süßer als das Unglück der Rivalen.

In der absehbaren Seifenoper nach diesem Spiel wird dann wohl oft zurückgedreht werden, zu den allerletzten Szenen, im Stile von: Was bisher geschah. Da gab es zum Beispiel in der 96. Minute ein gigantisches Gemenge in der Spielfeldmitte. Alle gegen alle, vor 5000 Zuschauern im Prinzenpark. Tritte und Schubser, ein trübes Schlachtgemälde. Und mittendrin der Ausnahmespieler Neymar, der zusammen mit Angel Di Maria nach überstandener Covid-19-Infektion gleich wieder 90 Minuten durchspielen musste, aus dem Stand gewissermaßen, weil PSG nach dem Flop in Lens zum Saisonauftakt (0:1) nicht noch einmal patzen sollte. Neymar also schlug seinem Gegenspieler, dem spanischen Verteidiger Alvaro Gonzalez, mit der Faust an den Hinterkopf. Mit einer Vorgeschichte allerdings, wie er später noch darstellen sollte. Der Schiedsrichter zog erst mal den Videobeweis heran und verwies Neymar des Feldes. Der klatschte höhnisch und ging von dannen. Am Ende gab es insgesamt 14 gelbe und fünf rote Karten.

Die Sportzeitung L'Équipe überschrieb ihren Kommentar zu den Vorkommnissen mit der kurzen und recht unumwundenen Zeile: "Imbéciles", Idioten: "Diese Idioten haben in sich drinnen doppelt so viel Testosteron wie Intelligenz und gesunden Menschenverstand." Sie hätten alles verdorben, die ganze Freude über dieses erste Spitzenspiel nach dem langen Stopp wegen der Pandemie. Die Ligue 1 hatte ja als einzige der fünf größten Meisterschaften Europas den Spielbetrieb im März ganz eingestellt und das Klassement eingefroren.

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