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Neymar:Zorn im Disneyland des Fußballs

Soccer-Juventus & Barcelona training sessions

Bald wieder vereint? Im Juli 2017 trainierte Neymar (l.) noch gemeinsam mit Luis Suárez und Lionel Messi (r.) im Dress des FC Barcelona – wenige Tage später wechselte er nach Paris, von wo er nun zu Barça zurückkehren möchte.

(Foto: Jewel Sand/AFP)
  • Fußballprofi Neymar will zum FC Barcelona wechseln, wo sie ihn aufnehmen wollen, sein aktueller Klub Paris Saint-Germain würde ihn gern loswerden. Dennoch scheint die Lage blockiert zu sein.
  • PSG bezahlte für Neymar 2017 die Rekordablösesumme von 222 Millionen Euro - und hat nun einen marktfernen Preis von 300 Millionen Euro aufgerufen. So viel Geld hat Barça nicht.
  • Eine Option wäre ein Tauschgeschäft, womöglich verbunden mit einer Leihe mit fixer Kaufoption.

Es ist nicht einfach zu dechiffrieren, was wirklich in Neymar Júnior, 27, vorgeht in diesen Tagen. Was ist gezielte Desinformation? Was Propaganda? Was so etwas wie die Wahrheit? Vor ein paar Tagen stellte Neymars Arbeitgeber Paris Saint-Germain ein Foto auf die Vereinshomepage, das einen begeistert lachenden Neymar zeigt, den Arm um Sturmpartner Kylian Mbappé, 20, gelegt. Das Bild wirkte, als wäre das Trainingsgelände von PSG so etwas wie ein Disneyland für kickende Millionäre. Doch niemand weiß, in welchem Kontext das Bild entstand, welcher Scherz voranging. Und wer weiß, ob sich hinter der Glückseligkeit nicht doch ein kleines Drama verbirgt. Das Drama der Ungewissheit.

Neymar, so viel steht fest, ist vor einer Woche gegen seinen Willen aus seiner brasilianischen Heimat nach Paris zurückgekehrt, nach einem eigenmächtig verlängerten Urlaub. Am Dienstag weilte PSG in Dresden zu einem Testspiel bei Dynamo, das der französische Meister mit 6:1 gewann, und PSG-Trainer Thomas Tuchel verriet anschließend, schon vor Beginn der Copa América, also vor mehr als einem Monat, gewusst zu haben, dass Neymar Paris verlassen wolle. Aus mehreren Quellen verlautet, dass Neymar sich am Ende der vergangenen Saison sogar verabschiedet habe - von Mitspielern und Mitarbeitern. Umso unangenehmer, sich nun wieder in Paris präsentieren zu müssen - vorerst, um nach seiner Verletzung Aufbautraining zu absolvieren. Und um inständig zu hoffen, dass sich ein Schwert findet, das den Knoten zerschlägt. Neymar will nach Barcelona, wo sie ihn aufnehmen wollen, Paris würde ihn gern loswerden. Dennoch scheint die Lage blockiert zu sein.

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Dass Neymar wegwill, dürfte sportliche und wirtschaftliche Gründe haben. Sein wichtigster Werbemarkt ist Brasilien; die Einnahmen, die er jenseits seines Gehalts erzielt, garantieren ihm Verdienste in ebenfalls zweistelliger Millionenhöhe. Aber: Seine Präsenz in der Heimat sinkt, was auch damit zu tun hat, dass Frankreichs Liga anders als die spanische in Brasilien nicht übertragen wird. Zahlreiche Affären haben zusätzlich an Neymars Image genagt - und die Geduld der katarischen Eigner von PSG aufgebraucht.

In Paris ist zu hören, dass bei PSG längst so etwas wie ein heiliger Zorn auf Neymar herrsche. Zumal der Brasilianer jüngst in der tiefsten Wunde der PSG-Geschichte wühlte. Sein schönstes Erlebnis als Fußballer sei das 6:1 mit Barça gegen PSG in der Champions League 2017 gewesen, hatte er in einem Interview mitgeteilt. Ein Affront, der allen gegenwärtig war, als der neue PSG-Manager Leonardo de Aráujo, ein früherer brasilianischer Nationalspieler, Neymar in der Kabine zurechtwies.

Neymars schönstes Erlebnis? Ein 6:1 mit Barcelona - gegen Paris

Wie Zeugen berichten, habe Leonardo bestätigt, was zuvor durchgesickert war: Neymar werde für die einwöchige Verlängerung des Urlaubs die größtmögliche Geldstrafe erhalten, die das Reglement bereithält. Leonardo verbot zudem, Neymar in den sozialen Netzwerken "willkommen zurück" zu heißen; die Belegschaft sollte sich vielmehr vergegenwärtigen, dass Neymar sich freie Tage gegönnt habe, während der Rest des Teams eine Woche lang geschuftet habe. Das zum Ende der vergangenen Saison angespannte Klima dürfte sich dadurch nicht gerade verbessert haben. Die Trainingsarbeit ohne Neymar verlief, wie in Paris zu hören ist, zur großen Zufriedenheit des Trainerteams; das Resultat war beim 6:1 von Dresden zu begutachten. Dynamo ist zwar nur ein Zweitligist, in der Vorbereitung aber viel weiter als PSG - und wurde dennoch an die Wand gespielt und gelaufen. Vor allem Mbappé beeindruckte, der Mann also, der wohl der größte Profiteur des möglichen Neymar-Abschieds werden dürfte.

Sollte Neymar gehen, würden Mittel frei, um Mbappé mit Geld zu überhäufen - und um dessen mittelfristig absehbaren Wechsel zu einem anderen Spitzenklub zumindest so teuer wie möglich zu gestalten. Die spanische Zeitung El País schrieb am Freitag, dass Manchester Citys Trainer Pep Guardiola Kontakt zu Mbappé pflege. Die Diskrepanz zwischen den Verdiensten von Neymar und Mbappé ist enorm. Mbappé soll netto bei zwölf Millionen Euro jährlich liegen, Neymar verdient mehr als dreimal so viel. Bislang. Im Falle eines Wechsels zu Barça würde Neymar auf Geld verzichten.

Bliebe das Problem, wie Barça den Transfer stemmen soll. PSG bezahlte für Neymar 2017 die Rekordablösesumme von 222 Millionen Euro - und hat nun einen marktfernen Preis von 300 Millionen Euro aufgerufen. So viel Geld hat Barça nicht. Als der französische Weltmeister Antoine Griezmann (vormals Atlético Madrid) jüngst als Zugang vorgestellt wurde, erklärte Barça-Präsident Josep Maria Bartomeu, dass man die Ablöse von 120 Millionen Euro zusammenkratzen musste. Man forderte ausstehende Rechnungen ein (85 Millionen Euro) und nahm einen über sechs Monate laufenden Kredit (35 Millionen Euro) auf. Die implizite Botschaft dieser Transparenz: PSG! Wir haben kein Geld! Also nehmt Spieler!

Barcelona würde gerne Coutinho und Ivan Rakitic loswerden, doch das Interesse an den beiden bei PSG ist überschaubar, Barça sucht daher andere Käufer. Am ehesten würde ein anderer Spieler von Barça einen möglichen Ersatz für Neymar darstellen: Ousmane Dembélé. Tuchel kennt ihn aus Dortmunder Tagen so gut, dass er auch über seine Schattenseiten bestens im Bilde ist: seinen Mangel an Disziplin. Barça erklärt Dembélé zwar offiziell für unverkäuflich, bei Kontakten mit PSG brachten sie ihn aber vor wenigen Tagen erstmals als Tauschobjekt ins Spiel. Doch selbst dann wäre noch die zusätzliche Zahlung eines Betrags X fällig. Womöglich unter Anwendung einer Formel, die PSG im Fall von Mbappé genutzt hat. 2017 lieh der Klub den Stürmer von Monaco offiziell aus, mit einer verpflichtenden Kaufoption über 180 Millionen Euro. Bei Barça raunt man, die kommende Woche könnte entscheidend werden. Und Neymars Umfeld verbreitet Optimismus: Der Spieler sei sicher, dass er zu Barça wechseln werde. Eher früher als später

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