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Neymar:Die teuerste Seifenoper des Weltfußballs

International Champions Cup 2017 - Real Madrid v FC Barcelona

Neymar - hier noch im Leibchen des FC Barcelona

(Foto: AFP)
  • Ein Mega-Transfer steht kurz vor dem Abschluss: Der Wechsel von Stürmer Neymar könnte Paris Saint-Germain bis zu 600 Millionen Euro kosten, auch der Vater will offenbar wieder abkassieren.
  • Barcelona stellte Neymar am Mittwoch bereits vom Training frei.

Egal, was man vom Sommertheater um Neymar Junior und dessen sich abzeichnendem Rekordtransfer vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain auch halten mag, eine Bewandtnis erstaunt besonders: Der junge Brasilianer hält dem immensen Druck aus der Öffentlichkeit mit geradezu aufreizender Ruhe stand und lächelt alle Fragen weg, die ihm überall zugebrüllt werden. In den vergangenen Tagen reiste er um die halbe Welt - New York, Washington, Miami, Shanghai -, und wo er auch auftrat, dort war es, als ginge ihn das ganze Hurra um seine Person nichts an, ja, als bereitete es ihm Spaß.

An diesem Mittwochmorgen aber, da erschien er in der Ciutat Esportiva Joan Gamper, dem Trainingszentrum des FC Barcelona im Süden der Stadt. Und ging wieder. "Neymar trainiert mit Erlaubnis des Trainers nicht mit", teilte Barça per Twitter mit. Laut spanischen Medien soll er sich bereits von seinen Teamkollegen verabschiedet haben. Auch die Vereinsspitze ist informiert.

Es scheint also, als wäre der Culebrón, die Seifenoper, bald vorbei. Der Epilog wird dann wohl in einigen Tagen auf einer prächtigen Bühne aufgeführt werden: auf der Esplanade des Trocadéro, in Paris, mit dem Eiffelturm als Kulisse. Gebucht soll der Platz schon sein. Die Pariser Sportzeitung L'Equipe schreibt, bis nächsten Montag sei alles klar.

Manchmal ist Schweigen beredter als Reden

Neymar will nun offenbar tatsächlich zu Paris Saint-Germain wechseln, einem Verein mit sehr reichen Besitzern aus Katar und einem schier zügellosen Hunger nach Größe. Gesagt hat er das zwar öffentlich noch nie. Doch manchmal ist Schweigen beredter als Reden, zumal wenn es über die Maßen lange dauert.

Barça, Verein und Mitspieler, bedrängten "Ney" in den vergangenen Tagen mit zunehmender Vehemenz und wachsendem Ärger, sich endlich zu äußern. Doch auch das kümmerte ihn nicht sonderlich. Die katalanische Zeitung Sport fragte bei ihren Lesern nach, was sie denn hielten von der Unentschlossenheit Neymars, und dabei kam heraus, dass ihn nur noch neun Prozent zurückhalten wollen. Dem Spieler gehe es doch nur ums Geld. Wobei "nur" in diesem Fall ein unpassendes Adverb ist.

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Neymar verärgert Barcelona

Weil der Stürmer offenbar mit Paris verhandelt, hält Barça ein versprochenes Millionen-Handgeld zurück. Holger Badstuber zieht es laut einem Medienbericht nach Stuttgart.

Noch nie ging es bei einem Deal im Fußball um mehr Geld. Die Operation hat das Zeug, das bisherige Geschäftsmodell zu sprengen. Um Neymar nach Paris zu holen, muss PSG die Ausstiegsklausel bezahlen, die vor einem Jahr in dessen neuen Vertrag bei Barça geschrieben wurde: 222 Millionen Euro. Dem Spieler soll zudem ein Nettogehalt von 30 Millionen Euro im Jahr angeboten worden sein, das wäre ungefähr doppelt so viel, wie er in Barcelona verdient. Außerdem wurde dem Vater und Agenten, Neymar Senior, angeblich eine Prämie von 40 Millionen Euro versprochen. In Spanien nennen sie ihn mittlerweile El Cobrador, den Kassierer, weil er jeden Vertrag von Junior in eine einträgliche Familienaffäre ummünzen kann.