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Neymar bei PSG:Immer tiefer rein in die Sackgasse

Neymar will wieder zu sich selbst finden.

(Foto: AFP)

Neymar treibt den Konflikt mit PSG auf die Spitze. Leidtragender der zermürbenden Transfer-Soap ist sein Trainer Thomas Tuchel.

Die Warnung, dass er sich in eine Sackgasse begibt, hat Neymar, 27, im Laufe seiner Karriere schon häufiger erhalten. Und doch vergeht kaum eine Woche, in der es der brasilianische Stürmer nicht doch schafft, sich noch tiefer hineinzumanövrieren. Die jüngste Episode: Der vor zwei Jahren für die Rekordablöse von 222 Millionen Euro von Barcelona nach Paris gewechselte Stürmer möchte von der Seine zurück ans Mittelmeer. Mag ihn PSG auch noch so üppig entlohnen - nach zwei Spielzeiten in Frankreich ist er davon überzeugt, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

Derlei kommt vor, der Wunsch nach einem Wechsel ist legitim. Doch nun hat Neymar den seit Monaten schwelenden Konflikt mit PSG auf die Spitze getrieben. Er verlängerte seinen Aufenthalt im milden Winter von Rio de Janeiro offenbar eigenmächtig. Und PSG winkt mit dem französischen Arbeitsrecht und kündigt eine "angemessene Strafe" an. Das Mitleid darf sich in Grenzen halten.

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Interessant ist, dass Neymar einzusehen scheint, dass der Zeitpunkt gekommen ist, zu sich selbst zurückzufinden. In den letzten Jahren wurde er zum Prototypen einer Industrie, in welcher der Sport im Zweifel periphere Bedeutung hat. Er ist in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit ein vom Geld zerfressener, von der Gier nach Ruhm getriebener Popstar geworden, dessen fußballerische Essenz und Existenz sich verflüchtigt haben.

Leidtragender ist Neymars Trainer Thomas Tuchel

Wie rasch man überflüssig werden kann, konnte Neymar bei der soeben beendeten Copa América von den Vip-Tribünen der brasilianischen Stadien beobachten. Um den medialen Lärm entlastet, der Neymar umgibt, holte die Seleção ihren ersten Südamerikatitel seit 2007. Mag Nationaltrainer Tite seinen fußballerischen Ziehsohn noch so eindringlich zu den Top-Drei der Welt zählen - mit seinem Wort, Neymar sei "unverzichtbar, aber nicht unersetzlich", behielt Tite Recht.

Die Entscheidung Neymars, Paris zu verlassen, darf zum jetzigen Zeitpunkt als irreversibel angesehen werden. Ob er den Absprung schafft, steht auf einem anderen Blatt. Im Fußballgeschäft sagt man heute dies und morgen das, "es ist unglaublich, aber es ist so", sagte PSG-Manager Leonardo.

Leidtragender der absehbar langen und zermürbenden Soap um Neymar ist in jedem Fall der deutsche PSG-Trainer Thomas Tuchel. Die Transfertätigkeiten von PSG stehen und fallen mit der Personalie Neymar. Sollte dieser am Ende doch in Paris bleiben müssen, läuft Tuchel Gefahr, einen unglaublich talentierten Spieler in der Kabine zu haben, der in seinem Inneren mit dem Projekt PSG abgeschlossen hat. Eine Zeitbombe. An der Forderung der PSG-Eigner an Tuchel, die Champions-League-Trophäe zu holen, wird das nichts ändern.

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