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Neymar:Bänderriss zur rechten Zeit

Brazil v Qatar

Gestützter Weg aus dem Stadion: Neymar nach dem Testspiel der Seleçao gegen Katar.

(Foto: Getty Images)
  • Brasiliens Nationalspieler Neymar erleidet einen Bänderriss im Knöchel und fällt bei der Copa América aus.
  • Auf dem Platz quellen aus Neymars Augen Tränen - doch er entgeht auch einem wachsenden Medienrummel. Denn die Affäre um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn zieht immer weitere und verwirrende Kreise.

Inmitten eines medialen Gewitters um die Vergewaltigungsvorwürfe eines 26 Jahre alten Models hat Brasiliens Topstürmer Neymar Júnior, 27, am Mittwoch eine Verletzung erlitten, die ihn die Teilnahme an der Copa América im eigenen Land kostet. Beim Freundschaftsspiel in Brasília gegen Katar (2:0) musste Neymar nach 20 Minuten ausgewechselt werden, nachdem er bei einem Zweikampf mit dem rechten Fuß umgeknickt war. Aus seinen Augen quollen Tränen; er begab sich erst - dick bandagiert - in die Kabine, humpelte dann noch vor Ende der Partie auf Krücken in ein Fahrzeug, das ihn in ein Spital brachte.

In der Nacht zum Donnerstag teilte Brasiliens Fußballverband CBF mit, dass Neymar einen Bänderriss im Sprunggelenk erlitten habe. "Aufgrund der Schwere der Verletzung verfügt Neymar weder über die körperlichen Bedingungen noch über ausreichend Erholungszeit", um an der Copa mitzuwirken, schrieb die CBF, der vermutlich niemals eine Verletzung gelegener kam als diese. Denn die Affäre mit der Frau, die ihn der Vergewaltigung bezichtigt, zieht seit Tagen immer neue, verwirrende Kreise. Und lastet auf der Vorbereitung Brasiliens für die Südamerikameisterschaft wie Blei.

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Was für ein Schock für Brasilien: Eine Fußverletzung im Test gegen Katar zwingt Neymar zur Absage der Südamerika-Meisterschaft - weiterhin belasten ihn auch Vergewaltigungsvorwürfe.

Seit Mittwoch weiß das Land, wie die Frau heißt, die den Profi von Paris Saint-Germain eines Verbrechens beschuldigt: Najila Trindade Mendes Souza. In einem Interview mit dem TV-Sender SBT erneuerte sie ihre Vorwürfe: "Ich wurde Opfer einer Vergewaltigung. Eines körperlichen Angriffs und einer Vergewaltigung." Sie sei Mitte Mai aus Brasilien mit der Absicht nach Paris gejettet, sich "einen Traum zu erfüllen": eine Liebesnacht mit Neymar. Beim Treffen im Hotel in Paris sei es zum Streit gekommen - um ein Präservativ.

Weder sie noch er hätten ein Kondom dabeigehabt; sie habe sich daher weitergehende sexuelle Handlungen verbeten. Neymar sei darob in Rage geraten, habe sie in angetrunkenem Zustand geschlagen und schließlich vergewaltigt - was Neymar vehement bestreitet. Er sprach von einvernehmlichem Sex und machte später Auszüge aus der Kommunikation mit der Frau öffentlich. Sie hatte ihm unter anderem extrem freizügige Fotos zukommen lassen. Neymar behauptet zudem, sie habe versucht, ihn zu erpressen. Vor der Partie gegen Katar verbreitete sich ein rund einminütiges Video, das am Tag nach dem ersten Treffen in Paris entstand - und von einer verblüffend opportun platzierten Kamera aufgezeichnet wurde. Takte eines Pop-Klassikers sind zu hören ("Every Breath You Take" von The Police), Kussgeräusche, dann legt sich Neymar aufs Bett, die Frau wirft sich auf ihn. Plötzlich richtet sie sich auf und schlägt auf Neymar ein. Schließlich ist eine Frauenstimme zu hören: "Aber ich will dich schlagen. Und weißt du, warum? Weil du mich gestern angegriffen und allein gelassen hast." Es folgt ein Handgemenge, dann bricht die Aufnahme ab.

Am Freitag soll Neymar vor der Polizei aussagen. Es geht zunächst um die öffentliche Verbreitung des Chats mit der Frau

Der Film, der auch der Polizei vorliegt, stellt nur einen Ausschnitt des Vorfalls dar. Gleichwohl sah Neymars (gleichnamiger) Vater den Profi entlastet. Ihm zufolge attackierte die Frau seinen Sohn mit einer Weinflasche. Ihre Glaubwürdigkeit war zuletzt ins Wanken geraten: Sie kam zwei Vorladungen der Polizei nicht nach; der Anwalt, den sie ursprünglich kontaktiert hatte, legte das Mandat nieder, wegen Widersprüchen in den Aussagen seiner nunmehr ehemaligen Klientin - und weil er den Fall nicht als mögliche Vergewaltigung, sondern als Körperverletzung eingestuft hätte, die freilich aufgeklärt gehöre. Medienberichten zufolge sind gegen die Frau ein Räumungsbefehl sowie zwei Schuldenprozesse anhängig. Das würde zu Neymars Behauptung passen, man habe es auf sein Geld abgesehen. Andererseits kursieren Gerüchte, es gebe ein weiteres Video, auf dem zu sehen sei, wie Neymar die Frau prügelt. Es sollen auch Fotos vorliegen, die Blutergüsse auf dem Körper des mutmaßlichen Opfers dokumentieren. Angesichts des fast stündlichen Hagels an Mosaiksteinchen, die sich noch nicht zu einem klaren Bild zusammenfügen, wird immerhin verständlich, warum Brasiliens Fußballverband CBF so offensiv versuchte, Neymar zum Verzicht auf das am 14. Juni startende Turnier zu bewegen. "Er hat mental gar nicht die Voraussetzungen, eine Copa América anzugehen, sich einem Heer von Journalisten auszusetzen", sagte etwa CBF-Vizepräsident Francisco Noveletto - das war vor Neymars Blessur.

Die Befürchtung von Tostão, dem legendären Weltmeister von 1970, Neymar könne ausgebuht werden, bewahrheiteten sich beim Sieg gegen Katar zwar nicht. Es gab vielmehr Unterstützung für ihn, auch durch den faschistoiden Staatspräsidenten Bolsonaro. Der fuhr sogar vom Stadion ins Hospital, um sich mit Neymar ablichten zu lassen. Da hoffte Nationalcoach Tite noch, auf den Angreifer zählen zu können, nun muss er Ersatz benennen. Vinícius Júnior (Real Madrid) und Lucas Moura (Tottenham) gelten als Kandidaten.

In Frankreich wird derweil über eine mehrmonatige Pause Neymars spekuliert. Dessen Arbeitgeber Paris Saint-Germain hüllt sich zwar in Schweigen. Angeblich wäre PSG aber nicht abgeneigt, den 2017 für 222 Millionen Euro verpflichteten Brasilianer wieder zu verkaufen. Zwei Mal fehlte er dem Klub seitdem für mehrere Monate, jeweils wegen eines Mittelfußbruchs am nun wieder lädierten rechten Fuß. Und die Liste seiner Skandale ist mittlerweile lang. Neymar merkt zudem selbst, dass er längst nicht mehr als Sunnyboy durchgeht - und spürt allmählich geschäftliche Konsequenzen seines Tuns. Eine Kreditkartenfirma stoppte eine Werbekampagne in Brasilien, andere Partner zeigten sich "besorgt". Derweil bereitet sich Neymar auf das nächste Kapitel der Saga vor: Am Freitag soll er vor der Polizei aussagen. Es geht zunächst um die öffentliche Verbreitung des Chats mit der Frau und die mögliche Verletzung ihrer Intimsphäre. Doch die Affäre wird damit noch lange nicht beendet sein.

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