Leverkusen in der Champions LeagueThiaw entkommt der roten Karte

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Malick Thiaw trifft Patrik Schick vor dem Strafraum. Der Schiedsrichter gibt erst Gelb und Elfmeter, ehe ihn der VAR korrigiert. Freistoß ist die Folge – aber aus unbekannten Gründen kein Platzverweis.
Malick Thiaw trifft Patrik Schick vor dem Strafraum. Der Schiedsrichter gibt erst Gelb und Elfmeter, ehe ihn der VAR korrigiert. Freistoß ist die Folge – aber aus unbekannten Gründen kein Platzverweis. (Foto: Anke Waelischmiller/Sven Simon/Imago)

Nach dem 2:2 gegen Newcastle ärgern sich Leverkusens Spieler und Verantwortliche über das Strafmaß für den Nationalspieler Malick Thiaw nach einem Foul an Patrik Schick.

Von Philipp Selldorf

Das perfekte Verbrechen ist der Traum aller passionierten Kriminellen. Am besten noch mit Publikum: Vor aller Augen das Gesetz brechen und davonspazieren, während die Polizei danebensteht. So ähnlich ist es am Mittwochabend in Leverkusen geschehen: Beim 2:2 im Champions-League-Match zwischen Leverkusen und Newcastle ließ Malick Thiaw vor 30 210 Augenzeugen in der Bayarena zwar nicht das perfekte Verbrechen, aber das perfekte Foul wahr werden. Der United-Verteidiger kam mit einer geringen Ordnungsstrafe statt mit dem fälligen Platzverweis davon, weil sich die polizeilichen Instanzen mehr mit technischen Beratungen als mit der Tat beschäftigten. Ein Phänomen, das im Fußball zunehmend oft vorkommt, seit der VAR die Debattenhoheit im Spiel übernommen hat.

Dass der TV-Richter in der 24. Spielminute beim Spielstand 1:0 für Bayer die Elfmeter-Entscheidung des niederländischen Schiedsrichters Serdar Gözübüyük revidierte, geschah mit Recht – DFB-Nationalspieler Thiaw hatte den enteilten Bayer-Angreifer Patrik Schick schon vor der Strafraumlinie festgehalten. Der Tritt gegen Schicks Knöchel, der den Stürmer im Strafraum fallen ließ, folgte später.

Allerdings war es dann eine heftige Ermittlungspanne, Thiaw lediglich mit einer gelben Karte auszustatten: wegen des Tatbestands der Notbremse und wegen der Schwere des Fouls. Die Verwarnung hatte Gözübüyük bereits gezeigt, als er den Strafstoß verhängte. Doch im Laufe der minutenlangen Beratung mit dem Fernsehkollegen und nach Rücknahme des Elfmeters versäumte es der Referee, die Strafe der Revision anzupassen. „Bei aller Liebe: Das ist völlig unverständlich. Allein wenn ich Patriks Knöchel sehe, ist es für mich eine klare rote Karte“, sagte Bayer-Kapitän Robert Andrich später. Und als hätte man ihn zum Zweck der Veranschaulichung hinzugebeten, kam in diesem Moment Patrik Schick des Weges. Von Gehen konnte allerdings keine Rede sein. Er humpelte schwerfällig und sichtlich unter Schmerzen, finster vor sich hin blickend. In der Pause war Schick ausgewechselt worden, sein Einsatz beim Nachbarschaftstreffen mit dem 1. FC Köln am Samstagabend steht infrage.

Mit dem 2:2 gegen die Gäste aus der englischen Premier League war Bayer 04 nicht unzufrieden, es lässt alle Möglichkeiten auf eine gute Platzierung in der Champions-League-Tabelle. Alejandro Grimaldo hatte erst kurz vor Schluss den Ausgleich in einem Spiel mit wechselnden Dominanzen erzielt. Die Leverkusener, deren Trainer Kasper Hjulmand aus privaten Gründen nicht im Stadion war, hatten auf sehr beachtliche Art die drohende Niederlage abgewehrt und durften sich dennoch ärgern: Die Spielleitung hatte Ursache und Wirkung aus dem Blick verloren, als sie im Fall Thiaw die potenzielle Schlüsselszene des Abends prüfte. In Rückstand und Unterzahl hätte ein anfangs indisponiertes Newcastle Probleme bekommen, noch mal ins Match zu finden. Der Schiedsrichter habe „das Momentum des Spiels“ zunichtegemacht, klagte Manager Simon Rolfes, „er musste Rot zeigen“.

Grimaldo gelingt der Ausgleichstreffer, Flekken verursacht einen Elfmeter

Ein weiterer Fall, der die Probleme bei der Verständigung der Instanzen beispielhaft belegt. Auch Serdar Gözübüyük war an diesem Europacup-Spieltag nicht das einzige Opfer des Konflikts zwischen der Natur des Spiels und der Technokratie: Bereits am Dienstagabend hatte ein übereifriger VAR beim Treffen von Inter Mailand mit dem FC Liverpool die Lupe angelegt und einen Verstoß gemeldet, der eine Bagatelle, aber kein Foul war. Der verunsicherte Schiedsrichter Felix Zwayer nahm den Vorfall trotzdem zum Anlass für einen Elfmeter-Entscheid. Liverpool ging daraufhin unverhofft in Führung und als Sieger vom Platz.

Einen Sieger gab es im Übrigen auch in Leverkusen. Bayer-Torwart Mark Flekken konnte das Haus dank Grimaldos Ausgleichstreffer doch noch mit einem Lächeln verlassen. Sein Fehler beim Versuch des Spielaufbaus hatte Newcastle kurz nach der Pause zu einem Elfmeter, zum 1:1 und in die Partie verholfen. „Die altbekannte Geschichte“, wie Flekken sagte, „wenn du als Torwart einen Fehler machst, geht es 19 von 20 Mal sehr schlecht aus.“ Diesmal trat auf einem späten Umweg doch noch Nummer 20 in Kraft.

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