Im ohrenbetäubenden Basketball-Tollhaus Madison Square Garden tanzte Taylor Swift zu DJ Ötzis Partyklassiker „Hey Baby“, und in den Straßen von Manhattan herrschte Ausnahmezustand: Die New York Knicks haben NBA-Geschichte geschrieben und sind nach dem größten Comeback in der Historie der Finals nur noch einen Sieg von der ersten Krönung seit 1973 entfernt. Mit 3:1-Siegen führen die Knicks gegen die San Antonio Spurs.
Sagenhafte 29 Punkte Rückstand holten Spielmacher Jalen Brunson und seine Kollegen beim dramatischen 107:106 im New Yorker Hexenkessel gegen die Gäste aus Texas auf. „Du brauchst ein bisschen Glück – im Leben, im Sport. Aber du kannst auch für dein eigenes Glück sorgen“, sagte Knicks-Trainer Mike Brown nach der fulminanten Aufholjagd seiner Profis. Über ein halbes Jahrhundert des Wartens könnte schon am Samstag beim Gastspiel in San Antonio enden. Matchwinner war OG Anunoby, der in dem Herzschlagfinale 1,2 Sekunden vor Ende den entscheidenden Tip-In verwandelte.
Auch die spontane Freude der jahrzehntelang geplagten Knicks-Fans war außergewöhnlich. Popstar Swift verschwand mit ihren Freundinnen in den Katakomben in einer Jubeltraube mit weiteren Fans, bevor sie strahlend aus der Arena entschwand. Im Innenraum erklang Frank Sinatras Kultsong „New York, New York“ und sorgte im ausverkauften Garden für Stimmung. Tickets waren vorab teilweise für mehrere hunderttausend Euro gehandelt worden. Einen Tag vor Beginn der Fußball-WM in den USA gibt es in New York nur ein Sport-Thema: die Knicks und ihr beispielloser Lauf mit inzwischen 14 Siegen aus den vergangenen 15 Playoff-Spielen. Ein weiterer fehlt, um 53 quälende Jahre der Titellosigkeit zu beenden und erfolgreich Revanche zu nehmen für die Final-Niederlage im Jahr 1999.

Ariel Hukporti, der bei New York nur eine Nebenrolle spielt, könnte als dritter Deutscher nach Dirk Nowitzki (2011) und Isaiah Hartenstein (2025) NBA-Meister werden. Die San Antonio Spurs hingegen erlebten einen in den Finals beispiellosen Kollaps. TV-Experte Charles Barkley urteilte gnadenlos über das Ensemble um Wunderknabe Victor Wembanyama: „Wir haben die dümmste Basketballmannschaft in der Geschichte der Zivilisation gesehen.“ Eine Serie von Fehlern, gepaart mit einer miserablen Trefferquote, brachte die Knicks zurück ins Spiel – und in den Schlussminuten übernahmen Brunson und Anunoby da, wo es Wembanyama nicht gelang.
Der 22 Jahre alte 2,24-Meter-Basketball-Riese Wembanyama aus Frankreich überzeugte zwar mit 24 Punkten und 13 Rebounds, leistete sich aber auch 16 Fehlwürfe und tauchte in der rasanten Schlussphase ab. Die Spurs brauchen beim Stand von 1:3 drei Siege nacheinander – das gelang in der Endspielserie zuletzt den Cleveland Cavaliers um LeBron James vor zehn Jahren. Weiter geht die Serie in der Nacht zum Sonntag (2.30 Uhr/MESZ), wenn San Antonio wieder in der eigenen Halle spielt. Das Duell zwischen dem Riesenmarkt New York und Ausnahmespieler Wembanyama begeistert die Zuschauer. Die Fernsehquoten im Spiel drei waren so gut wie seit Michael Jordan und seinen Chicago Bulls im Jahr 1998 nicht mehr.

