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Felix Neureuther:Neureuther will Peking 2022 "nicht ausschließen"

Die Rückkehr in den Schnee, die war dann auch so eine Sache. Neureuther war bis zu seinem Unfall von Kreuzbandrissen verschont geblieben, er fuhr ja nie diese extremen Radien, lieber mit extremem Gefühl. Er musste sich erst vorsichtig an das sportliche Fahren zurücktasten, unter Aufsicht von DSV-Trainer Hannes Wallner, der viele Profis nach Kreuzbandrissen zurückgeführt hatte. "Diese Geduld hatte ich in den letzten Jahren so eigentlich nie", sagt Neureuther, "aber das haben wir dann als Chance gesehen, einen neuen Weg zu finden." Wie eine ältere Maschine, die man auseinanderbaut, ölt, wartet und neu zusammensetzt, damit sie mit den jüngeren Modellen mithalten kann. "Man hat das von außen nie so gesehen, aber ich bin schon auch eher eine freche Linie gefahren", sagt Neureuther, "relativ gerade auf die Tore zu." Der neue Neureuther holt jetzt weiter aus, ist am Tor dafür geringeren Kraftspitzen ausgesetzt. Wie ein Formel-1-Auto, das eine Kurve von weiter außen anfährt und in der Kurve weniger Geschwindigkeit verliert. Wenn alles passt.

Dann kam der September, der Sturz. Und die Bänder hielten.

Neureuther ist trotz allem überzeugt, dass er wieder dort landen kann, wo er im vergangenen Winter aufgehört hatte: ganz vorn. "Wenn ich daran nicht glauben würde, würde ich nicht mehr fahren", sagt er: "Weil der Weg dahin nun mal so hart ist." Er hat nach seiner Operation viele Rennen am Fernseher verfolgt, das förderte die Vorfreude, aber auch die Erkenntnis: "Du musst konstanter sein, noch mehr aus dir rausholen, die Dichte da vorn ist noch größer geworden." Andererseits: Mit neuer Neigetechnik und der Erfahrung aus 15 Wintern im Weltcup könnte das schon wieder was werden, wenn auch wohl erst frühestens Mitte Dezember. Im DSV schwärmen sie jedenfalls noch heute, wie Neureuther bis zu seinem Unfall im Training allen um die Ohren fuhr - das war auch eine Referenzleistung, die den Kollegen in den Monaten danach fehlte. Vor ein paar Wochen verlängerte er den Vertrag mit seinem Skiausrüster bis 2022. Olympia in Peking, jetzt also doch? "Ich habe es im Hinterkopf", sagt er, "ich will das nicht ausschließen."

Neureuther hat in seiner Karriere aus allem Negativen meist noch etwas Positives gezogen, an Gelegenheiten dazu mangelte es ja nie, und so hatte auch die jüngste Auszeit etwas Gutes. "Man befasst sich natürlich mit dem Thema, wie das Leben aussieht, wenn es jetzt nicht weitergehen sollte", sagt der 34-Jährige: "Das habe ich gesehen. Und ich weiß, dass es wahnsinnig schön ist." Was wiederum die Vorfreude auf den Sport steigere, in einem gesunden Maß: "Man nimmt sich nicht mehr alles so zu Herzen, steckt Rückschläge besser weg." Wie eine neue Software, passend zur neu zusammengesetzten Rennmaschine.

Der geupdatete Neureuther ist jetzt allerdings auch erst mal mit einer Spezialschiene für den Daumen unterwegs, ob er Anfang Dezember wieder beim Riesenslalom in Beaver Creek mitwirken kann oder erst bei den folgenden Rennen in Europa - ungewiss. Es wird der nächste Stresstest, so oder so.

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