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Neuer Trainer des 1. FC Nürnberg:Mischung aus van Gaal und Stevens

Gertjan Verbeek

Gertjan Verbeek soll die nicht immer leicht erziehbare Club-Elf in den Griff bekommen

(Foto: dpa)

Nach zwei Wochen geht die Nürnberger Trainersuche zu Ende: Es kommt Gertjan Verbeek - ein sperriger Niederländer, der mehrmals bewiesen hat, dass er aus wenig viel machen kann. Allerdings besitzt der 51-Jährige kein Talent zum Politiker.

Am liebsten wäre es den Nürnbergern wohl gewesen, Marcel Koller wäre schon am vergangenen Donnerstag gekommen. Der Freitag wäre auch kein schlechter Tag gewesen, man hätte die Verpflichtung des österreichischen Nationaltrainers als kleinen Motivationstrick vor dem Auswärtsspiel in Frankfurt verkaufen können. Auch am Sonntag wäre Koller noch guten Gewissens präsentabel gewesen, einen Tag, nachdem der Übergangstrainer Roger Prinzen die Trainerdebatte dank eines 1:1 in Frankfurt etwas beruhigen konnte.

Der Montag? Wäre auch noch gegangen. Kollers Ruf ist ausgezeichnet, seine Anwerbung wäre allgemein als Erfolg gewertet worden, einen Tag mehr oder weniger hätte man da schon erklären können. Aber am Montag kam Marcel Koller auch nicht.

Es wird jetzt so sein, dass der 1. FC Nürnberg am Dienstag seinen neuen Trainer vorstellt. Und der neue Trainer heißt nicht Marcel Koller, sondern Gertjan Verbeek. Koller habe sich auch am Montag nicht entscheiden können, heißt es, ob er zum Club überlaufen oder in Österreich bleiben wolle oder ob er darauf spekuliere, nach der WM Nationaltrainer seines Heimatlandes Schweiz zu werden. Verbeek war dagegen sofort zu haben; sein Vertrag in Alkmaar war im September aufgelöst worden.

Gut gefüllter Trainermarkt

Am Montagabend endete eine Trainersuche, die sich von herkömmlichen Trainerfahndungen markant unterschied. Wenn Klubs Trainer entlassen müssen, ist der Trainermarkt meistens ziemlich leer, trotzdem geht es meistens schnell. Die Not ist ja immer groß, und man kann es sich nicht leisten, eine notleidende Mannschaft lang alleine zu lassen. Entweder es kommt dann halt einer der wenigen Freien, oder man holt sich einen Trainer aus der eigener Nachwuchsabteilung.

Die Nürnberger Trainersuche fiel da deutlich aus dem Rahmen: Erstens konnten sie schlecht in die Nachwuchsabteilung gehen, da kam ja erst Michael Wiesinger her, den sie vor zwei Wochen entlassen hatten. Zweitens war der Markt diesmal gut gefüllt mit Trainern, die sich für erstklassige Erstligatrainer halten. Labbadia. Schaaf. Babbel. Fink. Stanislawski. Meier. Und Magath sowieso.

Dass Nürnbergs Sportchef Martin Bader sich 14 Tage Zeit gelassen hat, lag nicht daran, dass er sich zwischen all den tollen Typen nicht entscheiden konnte. Er wollte nicht zwingend einen bekannten Trainer, er wollte den richtigen. Es musste ein Trainer sein, der genügend Autorität mitbringt, um die nicht immer leicht erziehbare Club-Elf sofort in den Griff zu bekommen - aber auch einer, der seine Autorität aus seinem Fachwissen bezieht, weniger aus Sprüchen oder einer Biografie als Ex-Nationalspieler. Nach einigen gescheiterten Sondierungsgesprächen, etwa mit dem ausschließlich autoritären Schweizer Christian Gross, hat sich Baders Aufmerksamkeit auf drei Kandidaten konzentriert - auf Koller und die beiden Niederländer Gertjan Verbeek und Rene Meulensteen.

Rücktritt in Rotterdam

Verbeek, 51, ist es nun geworden, und zumindest die Voraussetzungen sprechen dafür, dass es etwas werden könnten zwischen dem Traditionsklub aus Franken und dem Traditionscoach aus den Niederlanden. Verbeek ist eine Mischung aus van Gaal und Stevens, er gilt als sperriger Typ, der bestimmt nicht zu wenig, eher zu viel Autorität besitzt - gleichzeitig hat er sich auf fast all seinen Stationen in der Eredivisie den Ruf erworben, auch unter schwierigen Umständen hochwertige Arbeit abliefern zu können. In den vergangenen drei Jahren hat er AZ Alkmaar dreimal in einen internationalen Wettbewerb geführt - obwohl der Verein nach der Insolvenz der DSB-Bank von Klubeigentümer Dirk Scheringa am Rande des Konkurses stand.

Gertjan Verbeek kann das: aus wenig viel machen. Er kann mit jungen Spielern arbeiten, die ihm meist bereitwillig folgen, weil sie merken, dass sie von seinem Wissen und seinem taktischen Gespür profitieren. Von daher passt Verbeek gut zu diesem Club, der die besten Erfahrungen zuletzt mit dem knorrigen Dieter Hecking und dem kauzigen Hans Meyer gemacht hat.

Allerdings besitzt Verbeek, anders als der deutlich smartere Koller, kein Talent zum Politiker. Beim damals schwer kriselnden Traditionsklub Feyenoord Rotterdam (2008/2009) hatte sich der Disziplin- und Fitnessfreak bei alternden Helden wie Roy Makaay und Giovanni van Bronckhorst am Ende so unbeliebt gemacht, dass sich die Profis in einer internen Abstimmung mit großer Mehrheit gegen den Coach aussprachen und das Ergebnis der Abstimmung sicherheitshalber den Medien mitteilten. Verbeek trat daraufhin zurück.

Verbeek soll für zweieinhalb Jahre unterschreiben, am Dienstag soll er bereits das Training leiten. Am Freitag gibt er sein Debüt beim Spiel in Stuttgart, bei denen ebenfalls noch ein recht neuer Trainer auf der Bank sitzt. Thomas Schneider stammt aus der eigenen Nachwuchsabteilung.