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Neuer 1860-Präsident:"Wir haben leider einen Investor!"

Die Ultras hatten den Saal verlassen - wohl aus Protest, weil Sitzberger an dem von ihm gesponsorten Kunstrasenplatz auf einem Werbeplakat "gegen Rassismus und Pyrotechnik" zwei sehr unterschiedliche Dinge gleichsetze. Etwas hitziger wurden die Debatten vor der Wiederwahl von Vize Peter Helfer, der schon im Präsidium Gerhard Mayrhofer amtierte. Anders als Cassalette und Sitzberger konnte er schließlich, so dachten offenbar die Mitglieder, befragt werden über die vielen falschen Entscheidungen in diesem bewegten Jahr bei Sechzig.

Warum etwa Fröhling entlassen werden musste, obwohl es ja nun mit Benno Möhlmann auch nicht besser laufe? "Ich bin nicht gefragt worden, ich war nicht dabei, als der neue Trainer oder der neue Sportdirektor verpflichtet wurden", klagte Helfer. Ob das Präsidium also etwas abgeschnitten sei von so manchen Entscheidungen? "Es tut mit Leid, ich geb' dir vollkommen Recht, aber dann hätten wir unseren Verein nicht verkaufen dürfen. Wir haben leider einen Investor!"

Der scheidende Übergangspräsident Siegfried Schneider beteuerte also schnell, bestens eingebunden gewesen zu sein. Und das war er ja tatsächlich. Die Einstellung von Sportdirektor Oliver Kreuzer hatten er und Vize Heinz Schmidt abgesegnet. Das half nun aber Helfer nicht weiter, der mit dem Eingeständnis seiner Ohnmacht eine naheliegende Nachfrage erntete: Wofür braucht es dann einen dritten Vizepräsidenten? Gewählt wurde Helfer, der den Kollegen die zahlreichen Fanklubbesuche abnehmen soll, dann trotzdem; er erhielt 294 Ja-Stimmen und 88 Nein-Voten. Der Saal wurde immer leerer.

Cassalette plant die Gründung eines Arbeitskreises zum Turnhallenbau

Angesichts der Inhaltslosigkeit der Veranstaltung musste man das Schlimmste für den TSV 1860 befürchten, aber so düster ist die Lage doch nicht: Cassalette und seine neuen Kollegen verwiesen ja darauf, über die wichtigsten Themen lediglich noch nicht reden zu können: Gespräche mit der Stadt und Vermieter FC Bayern zu einem möglichen Auszug aus der Arena stünden ebenso noch aus wie die Gründung eines Arbeitskreises zum Turnhallenbau - sowie der Antrittsbesuch bei Investor Hasan Ismaik, der auch noch nie ein Milch gebendes Wollschwein war, weswegen sich Cassalette mit ihm irgendwann auf irgendwas einigen muss: Investitionen oder Anteilsverkauf.

Ein besorgtes Mitglied sah es als Sechzigs Kernproblem an, dass Ismaik als Jordanier aus einem anderen Kulturkreis stammt und schlug vor, den früheren Löwenprofi Erich Beer als Vermittler zu engagieren: "Der hat zum Ende seiner Karriere mal zwei Jahre in Saudi-Arabien gespielt." Cassalette merkte an, er könne jede Hilfe brauchen, sei sich aber nicht ganz sicher, ob Beer der geeignete Mann sei. Er selbst sei ja den Umgang mit verschiedenen Kulturen gewohnt. "Ich bin in meiner Karriere auch schon nach China gereist."

© SZ vom 16.11.2015/fued
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