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Neue WM-Helden (6): Aaron Lennon:Ein Blitz namens "Azza"

Noch ist er "Englands leiser Star", ein gläubiger Christ und schneller Stürmer. Doch bei der Fußball-WM kann der Hype um Aaron Lennon beginnen: Er tritt in die Fußstapfen von David Beckham.

Seit dem 2:1-Sieg im Testspiel gegen Japan vor einer Woche hat Aaron Lennon das vielleicht Wichtigste, was man als englischer Nationalspieler braucht: einen schmissigen Spitznamen. "Go on, Azza!", rief ihm Kapitän John Terry während der Partie in Graz immer wieder zu; "Aaron" klingt zu weich und dauert auch zu lange. "Azza" also.

Aaron Lennon

Der 23 Jahre alte Aaron Lennon (rechts) tritt im englischen Nationalteam die Nachfolge von David Beckham an.

(Foto: ddp)

Lennon, 23, steht mit diesem Kampfnamen - rein phonetisch - den Legenden Paul "Gazza" Gascoigne und Wayne "Wazza" Rooney schon sehr nahe. Mit nur 1,65 Metern Körpergröße ist er der kleinste Spieler in der Premier League, aber Azza, das ist ein sehr großes Versprechen: nach dem WM-Aus für den von Fabio Capello nicht berücksichtigten Theo Walcott (Arsenal) soll der Flügelstürmer von Tottenham Hotspur für jene Tempodribblings und scharfe Flanken sorgen, die das mitunter etwas behäbige Spiel der Engländer so dringend braucht.

Nur noch fünfte Wahl

Als Capello im Vorfeld des Freundschaftsspiels gegen die Japaner andauernd die Bedeutung von pace (Tempo) für sein Team unterstrich, war klar, dass Lennon gesetzt sein würde. Gegen die USA wird er am 12. Juni in Rustenburg ebenfalls mit Sicherheit starten. Zum ersten Mal bei einem großen Turnier.

Lennon, viele haben es vergessen, war schon vor vier Jahren in Deutschland mit dabei. Damals blockierte aber noch Pop-Ikone David Beckham das rechte Mittelfeld. Überzeugende Kurzeinsätze gegen Trinidad und Tobago sowie beim Viertelfinal-Aus gegen Portugal in Gelsenkirchen machten Hoffnung auf mehr, doch Lennon fiel zusammen mit den Spurs in ein Leistungsloch, das ihn vollkommen zu verschlucken drohte. Zwischenzeitlich war er nur noch die fünfte Wahl auf rechts, hinter "Becks", Walcott, Shaun-Wright Philips (Man City), David Bentley (Spurs).

Schnäppchen des Jahrzehnts

Dieses Quartett hat der Sohn eines Taxi-Fahrers aus Leeds in der abgelaufenen Saison eindrucksvoll hinter sich gelassen, genau wie unzählige Verteidiger. Lennon gelangen in 24 Spielen für Tottenham zwölf Torvorlagen und drei Treffer. Obwohl er ein Drittel der Spielzeit wegen hartnäckiger Leistenprobleme verpasste, war er entscheidend daran beteiligt, dass die Spurs Platz Vier, und damit die Qualifikation für die Champions League erreichten.

"Er läuft auf Leute zu und drängt Teams in die Defensive, seine Schnelligkeit ist unglaublich, dazu hat er auch noch ein Fußball-Hirn", sagt der ehemalige Leeds-Trainer Peter Reid, der dem 16-Jährigen Lennon sein Profidebüt an der Elland Road gab. Der Junge war schon mit neun Jahren zu dem Traditionsverein gekommen. Als der finanziell marode Klub in die zweite Liga abstieg, musste Leeds ihn 2005 für den Dumping-Preis von einer Million Pfund an die Spurs abgeben: Das Schnäppchen des Jahrzehnts für die Londoner.

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