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Neue WM-Helden (5): Siphiwe Tshabalala:Der Sofafußballer

Können die Gastgeber bei der WM mehr sein als nur Beiwerk? Siphiwe Tshabalala ist die Überraschung im Kader Südafrikas und hat es nicht weit zum Stadion Soccer City: Er ist im Township Soweto aufgewachsen.

Siphiwe Tshabalala hängt mehr auf seinem Stuhl, als dass er sitzt. Seinen linken Fuß stützt die Lehne davor, nebenbei plaudert er lässig mit einem südafrikanischen Zeitungsreporter. Tshabalala ist gerade bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen. Interviews gehören nicht dazu. "Wenn ich nicht Fußball spiele, lege ich am liebsten die Beine auf dem Sofa hoch", sagt der 25-Jährige später. Zur Not eben auch ohne Sofa.

Siphiwe Tshabalala beim Testspiel der Südafrikaner gegen Guatemala (5:0).

(Foto: afp)

Im Team des WM-Gastgebers sind die Rollen klar verteilt: Erst Steven Pienaar, dann der Rest. Der Mittelfeldspieler des FC Everton aus der englischen Premier League ist für Fans und Medien in Südafrika der unumstrittene Star. Doch das Spiel der Mannschaft von Trainer Carlos Parreira prägt dessen Nebenmann mit den Dreadlocks und dem klangvollen Namen ebenfalls entscheidend. Für Eck- und Freistöße von der rechten Seite ist der nur 1,70 Meter große Tshabalala zuständig. Seine Einsatzbereitschaft, die dynamischen Dribblings und der bei seinen Kollegen weniger ausgeprägte Zug zum Tor machen ihn besonders wertvoll für das Team. Das gilt auch für den aus Sicht der Torhüter unangenehmen Effet, den sein linker Fuß und tiefer Körperschwerpunkt den Schüssen und Flanken verleiht.

"In der Form meines Lebens"

Tshabalalas Glück ist auch, dass Parreira die Bafana Bafana im Herbst zum zweiten Mal übernommen hat. Der Trainer räumt offen ein, dass der Profi zu seinen Lieblingen zählt: "Wir in Brasilien mögen Spieler, die etwas am Ball können. Manchmal wird das in den Klubs nicht honoriert. Wir tun das, und deswegen ist Tshabalala im Team."

Bei den Kaizer Chiefs, dem populärsten Verein in Südafrika, war das in der abgelaufenen Saison nicht so. Dort erlebte Tshabalala eine durchwachsene Saison. Häufig war er nur Ergänzungsspieler, Verletzungen warfen ihn zurück. "Jetzt bin ich in der Form meines Lebens", sagt er. Die seit Anfang März andauernde Vorbereitung mit Trainingslagern in Brasilien, Deutschland und Südafrika hat ihn auf ein neues Niveau gehoben.

Angesichts der geringen Spielanteile in seinem Klub könnte man fast sagen, Tshabalala kam vom Sofa zur WM. "Jetzt einer der Schlüsselspieler zu sein, bedeutet mir viel. Ich bin froh, dass der Trainer an mich glaubt", sagt Tshabalala. Mittlerweile hat ihn auch die Werbung entdeckt. Und in den Medien wird bereits darüber diskutiert, zu welchem Klub in Europa er nach dem Turnier gehen wird. "Er ist der Nächste, der das schafft", meint Ed Aarons von der Zeitung The Citizen. Der Journalist hat lange in England gelebt und begleitet seit einiger Zeit die Bafana Bafana.

Auf den Straßen Sowetos

Mit einem Wechsel in die Premier League würde Tshabalala seinem Vorbild nacheifern, neben dem er nun den Rhythmus im Mittelfeld der südafrikanischen Nationalmannschaft gestaltet. Wie Pienaar wuchs auch Tshabalala in einer der Townships Johannesburgs auf. In einer Großfamilie, im Haus der Großeltern. Bis er entdeckt wurde, kickte er mit Freunden auf den unbefestigten Straßen. "Ich bin eigentlich ganz froh, dass ich in der Township groß geworden bin. Ich habe dort viel gelernt. Nicht nur über den Fußball, sondern auch über das Leben", meint er. In Soweto war das, der bekanntesten Township Südafrikas. Seine Familie lebt dort noch immer, und auch viele seiner Freunde.

Mit dem Besten aus jenen Kindheitstagen in Soweto führt er nun eine WG. Gleich nebenan, im Soccer City, wird Tshabalala am 11. Juni gegen Mexiko also ein Heimspiel haben. Ausnahmsweise hofft er, dass er während seiner ersten WM lange auf sein geliebtes Sofa verzichten muss.

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