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Neue Tischtennis-Bälle:Das Kuhn-Patent

Jahre später, als das Patent bekannt wurde, gab es zwar Vorwürfe aus dem Präsidium, "aber ich habe die völlig unverfängliche Entwicklung dieser Geschichte offen und transparent erklärt". Heute, sagt Kuhn, sei er nicht sicher, welchen Wert das Patent habe. Ob es überhaupt relevant sei für die aktuelle Produktion.

Immerhin noch bis zum vergangenen Jahr glaubten Hain und seine Kollegen von den Ausrüsterfirmen, dass dieses Patent, das sie "das Kuhn-Patent" nennen, die Herstellung der neuen Bälle tangiere. Deshalb standen sie 2013 in Verhandlungen mit Yoos Firma International Project Management.

Es ist dort offenbar um die Zahlung einer hohen sechsstelligen Summe gegangen. Ein von der FIT in Auftrag gegebenes Gutachten ergab dann aber, dass die Produktion der zelluloidfreien Bälle in Shanghai das Würzburger Patent nicht verletze. Also wurde bis jetzt keine Gebühr bezahlt.

Der Weltverbandspräsident Sharara findet Kuhns Verhalten "nicht korrekt". Sharara sagte der SZ: "Alles, was Kuhn als Mitglied eines ITTF-Komitees geleistet hat, wenn auch im Ehrenamt, gehört der ITTF." Kuhn ist über den ITTF-Vizepräsidenten Thomas Weikert sogar aufgefordert worden, das Patent dem Weltverband zu überlassen. Kuhn hat dies jedoch abgelehnt mit dem Hinweis, das Patent gehöre ja nicht ihm, sondern seiner Frau und einem Freund: Wollheim.

Tischtennis Beginn des Plastikzeitalters
Neue Bälle beim Tischtennis

Beginn des Plastikzeitalters

Tischtennisbälle sind hochgiftig und brennen schnell. Deshalb soll nun mit Plastik statt mit Zelluloid gespielt werden. Für die Profis ist das eine schlechte Nachricht: Sie sprechen von der schwerwiegendsten Veränderung in der Geschichte ihres Sports.   Von Ulrich Hartmann

Sharara spielt die Bedeutung des Würzburger Patents seitdem herunter. "Jeder Ball wird anders produziert, mit unterschiedlichen Materialien." Insofern brauche man auf das Patent von Kuhns Gattin keine Rücksicht zu nehmen. "Wenn sich auch nur ein Ballproduzent entscheidet, eine Gebühr an Frau Yoo zu zahlen, dann macht er einen Fehler", sagt Sharara.

"Ich habe alle Produzenten angewiesen, auf keinen Fall zu zahlen - und sollte es eine Forderung von Dr. Kuhns Gattin geben, dann würde die ITTF alle finanziellen Erfordernisse auf sich nehmen, um ihre Produzenten zu schützen und diesen Fall vor Gericht zu gewinnen."

Vom Weltverband zugelassene Plastikbälle werden laut Adham Sharara mittlerweile in weltweit fünf Fabriken produziert: drei in China, eine in Japan und sogar eine in Deutschland: die Weener Plastik GmbH in Ostfriesland. Auch dort hält man die Patentrechtsfrage offenbar für noch nicht gelöst. Man wolle sich derzeit nicht zu dieser Thematik äußern, sagt das Unternehmen. Der Streit um die Bälle könnte die Tischtennis-Welt noch Monate, wenn nicht Jahre beschäftigen.