Basketball:In der NBA bläht sich eine Spekulationsblase auf

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Während Kevin Durant von den Brooklyn Nets seine gerissene Achillessehne auskuriert, wird eifrig über seinen Wechsel spekuliert. (Foto: Ben Margot/dpa)

164 Millionen Dollar für Kevin Durant, 170 Millionen für Jamal Murray: In der Basketball-Liga werden gerade absurd hoch dotierte Verträge ausgehandelt. Um den überhitzten Markt muss man sich sorgen.

Kommentar von Joachim Mölter

Es muss sich jetzt niemand sorgen um den Basketball-Nationalspieler Maximilian Kleber, weil der sich mit den Dallas Mavericks auf eine Vertragsverlängerung geeinigt hat, die ihm in den nächsten vier Spielzeiten bloß 33 Millionen Dollar einbringen wird, rund 29 Millionen Euro. Auch mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 7,25 Millionen Euro kann man noch zurechtkommen, zumal wenn man so bodenständig ist wie der gebürtige Würzburger.

Der 27 Jahre alte Flügelspieler ist sogar sehr bescheiden im Vergleich zu dem Wahnsinn, der gerade in der nordamerikanischen Profiliga NBA ausgebrochen ist. Seit dieser Woche dürfen neue Verträge ausgehandelt werden, der Beginn ist minutiös geregelt, deshalb lässt sich alles nachvollziehen. Allein in den ersten sechs Stunden der Free Agency, wie diese Jahreszeit genannt wird, wurden Vertragsabschlüsse verkündet mit einem Gesamtvolumen von mehr als drei Milliarden Dollar; bereits nach dem ersten Tag wurden 13 Verträge gefeiert mit einer Dotierung in jeweils dreistelliger Millionenhöhe. Darunter befindet sich das Engagement des weltweit prominenten Kevin Durant, der in den nächsten vier Jahren 164 Millionen Dollar von den Brooklyn Nets kriegt, aber auch der Kontrakt des weitgehend unbekannten Jamal Murray, der in den nächsten fünf Jahren 170 Millionen Dollar von den Denver Nuggets kassiert.

Der am heftigsten umworbene Profi ist noch gar nicht eingestiegen in den Vertragspoker

Das Erstaunliche bei diesem Spektakel: Der am heftigsten umworbene Profi ist noch gar nicht eingestiegen in den Vertragspoker - Kawhi Leonard. Der hat die Toronto Raptors gerade zu ihrem ersten NBA-Titel geführt und ist dabei zum Most Valuable Player (MVP) der Finalserie gekürt worden, zum wertvollsten Spieler. Nie war dieser Titel treffender. Egal, was der 28-Jährige nun macht - ob er in Toronto bleibt oder zu einem Team in seiner Geburtsstadt Los Angeles geht, wie vermutet wird: Er wird mehr Geld dafür erhalten als vernünftige Menschen zu ihren Lebzeiten ausgeben können.

Mit Vernunft hat das diesjährige Wechselspiel freilich nichts mehr zu tun, es beflügelt nur die Fantasie der zahlenden Fans. Als die Los Angeles Lakers neulich die Verpflichtung des Centers Anthony Davies verkündeten, schnellten sie in den Wettbüros zum Titelkandidaten empor. Und als die chronisch erfolglosen Brooklyn Nets mit Kevin Durant aufwarteten, schossen deren Wettquoten in die Höhe. Dafür fiel beim Lokalrivalen New York Knicks der Aktienkurs von dessen Mutterkonzern, weil der Klub nicht bis zum Äußersten mitbot um Durant. Da der vermutlich das ganze erste Vertragsjahr ausfällt wegen eines Achillessehnenrisses, war das sogar vernünftig. Aber in der NBA bläht sich gerade eine Spekulationsblase auf. Und um diesen überhitzten Markt muss man sich sorgen, nicht um solche Profis wie Kleber.

© SZ vom 03.07.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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