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NBA-Profi DeAndre Jordan:Äußerst bitterer Beigeschmack

Dennoch bleibt ein äußerst bitterer Beigeschmack: Mavericks-Boss Cuban hatte in der Euphorie der wahrscheinlichen Verpflichtung Jordans öffentlich zugegeben, bei einem Scheitern des Werbens um den Center die kommende Saison abschenken und absichtlich verlieren zu wollen. Dadurch könne er bei der nächsten Talentewahl eine günstigere Position bekommen und angesichts der wohl gewaltig steigenden Gehaltsobergrenze (auf bis zu 90 Millionen pro Team) aufgrund des neuen Fernsehvertrages gleich mal für finanziellen Spielraum sorgen, wenn Akteure wie Kevin Durant, Damian Lillard und Anthony Davis zu haben sein werden. Für diese Aussage wurde er mit einer Strafe von 25 000 Dollar belegt.

Der Vorgang ist jedoch auch von immenser Bedeutung für die komplette Liga, weil das Gefeilsche um vertragslose Akteure in der NBA nichts anderes ist als ein Dominospiel mit lebenden Figuren. Mündliche Zusagen werden gemeinhin als verbindlich interpretiert, sie beeinflussen weitere Entscheidungen von Vereinen und Spielern. Weil Jordan offensichtlich nach Dallas wechselte, ließ sich Roy Hibbert von den Indiana Pacers zu den Los Angeles Lakers transferieren, David Lee vom Meister Golden State Warriors verzichtete auf Verhandlungen mit den Mavericks und sagte den Boston Celtics zu.

Das war der Pfad der Dominos, durch das Erdbeben von Houston jedoch wurde dieser erste Stein wieder aufgerichtet und in eine andere Richtung geschubst.

Können die Mavericks klagen?

Die Frage ist: Was passiert jetzt? Der exzentrische Cuban dürfte nach einem Rumpelstilzchen-Wutausbruch zunächst die juristischen Möglichkeiten prüfen - bei den Verhandlungen zwischen den Clippers und Jordan war etwa Jordans Agent nicht anwesend. Weil er wohl keine Klage wird einreichen können, dürfte Cuban versuchen, andere mündliche Zusagen (die von Hibbert oder Lee etwa) zu revidieren, um doch einen brauchbaren Center nach Dallas zu locken.

Ab sofort gilt jede Vereinbarung bis zum Trocknen der Tinte als unsicher, die Schockwellen von Jordans groteskem Verhalten dürften in den kommenden Tagen überall in der NBA zu spüren sein. Und natürlich gibt es noch immer die Möglichkeit, dass Cuban den Kader mit unterdurchschnittlichen Spielern auffüllt und dafür sorgt, dass die Mavericks viele Spiele verlieren dürften. Dirk Nowitzki hätte zum Ende seiner Karriere gerne noch einmal um die Meisterschaft gekämpft - das scheint nun beinahe ausgeschlossen.

Cuban gilt als einer der einflussreichsten Besitzer der NBA, er dürfte darauf pochen, dass mündliche Zusagen künftig als verbindlich gelten oder die so genannte Moratorium Period abgeschafft wird. Auf Anfrage wollte sich bei den Mavericks zunächst niemand äußern. Aktuell kann Cuban kaum etwas unternehmen, ihm bleiben nur der gepflegte cholerische Anfall und sicherlich bald deutliche Worte zum moralisch verwerflichen Verhalten von Jordan. Oder Zynismus, in den sich etwa Chandler Parsons bei Twitter flüchtete: "Und ich dachte, ich könne gut antäuschen."

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