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NBA-Profi DeAndre Jordan:Transferkrimi in Houston

DeAndre Jordan

DeAndre Jordan, überraschend weiterhin Spieler der Los Angeles Clippers.

(Foto: dpa)
  • Die Los Angeles Clippers überreden den Center DeAndre Jordan mit einer filmreifen Aktion zum Verbleib.
  • Stuhl unter der Türklinke, Telefone aus, elf Stunden Quarantäne: Die Clippers rücken mit Besitzer, Trainer und drei Spielern an.
  • Dass Jordan zuvor beim Nowitzki-Klub in Dallas zusagte, bringt das Transfersystem in der NBA ins Wanken.

Nein, es gab an diesem Mittwochabend kein Erdbeben in Los Angeles - und doch fühlte es sich in der Stadt so an, als hätte die Erde ein bisschen gewackelt und als würden die Schockwellen nun die Westküste erreichen. Zumindest für Basketball-Fans. Im 2500 Kilometer entfernten Houston hatte sich DeAndre Jordan mit Verantwortlichen der Los Angeles Clippers getroffen und danach gleich einen neuen Vertrag bei dem Verein unterschrieben, dem er seit Beginn seiner Profikarriere vor sieben Jahren angehört hat. Das jedoch, obwohl er sich zuvor mit den Dallas Mavericks mündlich auf einen Wechsel verständigt hatte.

Es ist ein gewaltiges Rumpeln, das nicht nur die Mavericks und die Clippers durchrüttelt, sondern die komplette nordamerikanische Basketball-Liga NBA. Doch von vorne.

Den Regeln zufolge dürfen sich Spieler ohne vertragliche Verpflichtungen seit 1. Juli von Vereinen bezirzen lassen, einen Kontrakt indes erst seit Donnerstag unterzeichnen. Es gibt diesen Zeitraum, um zum einen die ohnehin verrückten Verhandlungen zu entzerren. Vor allem aber deshalb, weil die Liga erst am Mittwoch die Gehaltsobergrenze für die kommende Saison (70 Millionen Dollar pro Verein) und die Luxussteuern für das Überschreiten dieser Grenze festgelegt und verkündet hat - erst dadurch sind die finanziellen Details von Maximalverträgen wie dem von Jordan geklärt. In den Regeln ist unmissverständlich festgehalten, dass jede Form der Übereinkunft zuvor nicht verbindlich ist.

Drei Mitspieler fliegen nach Houston

Jordan, 26, hat sich juristisch korrekt verhalten, seine Zusage vom vergangenen Freitag war nicht mehr als ein Gentlemen's Agreement. Er hat den Clippers eine Woche später die Chance zu einem verbesserten Werben ermöglicht. Eigentümer Steve Ballmer und Trainer Doc Rivers flogen nach Houston zu Jordan, sie brachten Zugang Paul Pierce und die Starspieler Blake Griffin und Chris Paul mit, die beim ersten Treffen noch gefehlt hatten - vor allem das Verhältnis zwischen dem ehrgeizigen Paul und dem eher relaxten Jordan gilt als schwierig. Elf Stunden lang blieben die Clippers im Haus von Jordan, die Besprechung selbst dauerte nach Informationen aus dem Umfeld von Jordan weniger als eine Stunde.

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Danach spielten sie Karten, sie bestellten Essen, sie guckten gemeinsam fern - vor allem aber sorgten die Clippers durch ihre Präsenz dafür, dass Jordan keine Anrufe von Dallas-Spielern wie Chandler Parsons entgegennahm und dass sich kein Mavericks-Verantwortlicher der Villa näherte. Mavericks-Eigentürmer Mark Cuban etwa war in Houston, um das Angebot der Clippers noch einmal zu beantworten - Griffin veröffentlichte ein Foto, das einen unter die Haustürklinke geschobenen Stuhl zeigt.

Kurz nach Mitternacht unterschrieb Jordan einen Vier-Jahres-Vertrag, der mit etwa 88 Millionen Dollar vergütet wird. Pierce veröffentlichte sogleich ein Foto bei Twitter, auf dem Jordan bei der Unterzeichnung zu sehen ist. "Dafür haben sie mich geholt", schrieb Pierce. Jordan hat sicherlich nicht gezockt oder aus Geldgier in Los Angeles verlängert - aufgrund der fehlenden Besteuerung in Texas wären bei einem Engagement bei den Mavericks genau so viele Dollars auf seinem Konto gelandet. Er hat sich anders entschieden, auch Hedo Turkoglu (2009) und Carlos Boozer (2004) haben das gemacht, auch in anderen US-Sportarten ist das - wenn auch sehr selten - schon passiert.