Los Angeles Lakers:Der doppelte Dennis 

Los Angeles Lakers: Erstes Spiel für die Lakers: Dennis Schröder (am Ball).

Erstes Spiel für die Lakers: Dennis Schröder (am Ball).

(Foto: Marcio Jose Sanchez/AP)

Beim Debüt von Dennis Schröder verliert der NBA-Champion gegen die Clippers. Doch der deutsche Profi zeigt, wie wertvoll er für seinen neuen Klub sein kann.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Dennis Schröder bekam bei seiner ersten Partie für die Los Angeles Lakers zwei wichtige Fragen beantwortet, und er dürfte höchst erfreut sein über beide Auskünfte: Ja, er stand beim Saisonauftakt gegen Ortsrivale Clippers zu Beginn auf dem Parkett. Das Prädikat Stamm-Spielmacher jedoch, das ist die zweite Botschaft, die den deutschen NBA-Profi fröhlich stimmen dürfte, ist sportlich völlig irrelevant, weil das, was sich die Lakers von ihrem Zugang erhoffen und was Schröder von seinem neuen Verein haben will, nicht nur in den ersten Minuten einer Partie passiert.

Die Lakers haben, das war deutlich zu sehen, zwei völlig unterschiedliche Spieler verpflichtet, die allerdings beide Schröder heißen und eine blonde Strähne im Haar tragen: Der eine, der von Beginn an agiert, überlässt weitgehend LeBron James die Gestaltung der Spielzüge, er wartet in der Ecke auf Zuspiele des Superstars und präsentiert dann seine Fähigkeiten im schnellen Werfen ohne Dribbling ("Catch & Shoot"), die er in den vergangenen Jahren extrem verbessert hat. So gelang ihm im ersten Spiel der neuen NBA-Saison der erste Dreier seiner Mannschaft.

Zum Spielmacher und damit zu einem komplett anderen Akteur wird Schröder dann, wenn sich James eine Pause gönnt wie etwa im zweiten Viertel. Schröder sorgt mit aggressiven Dribblings zum Korb für Chaos in der gegnerischen Defensive, weil er mittlerweile je nach Situation selbst abschließen oder an frei gewordene Mitspieler verteilen kann. Innerhalb von zwei Minuten gab es fünf Sequenzen, die jeweils mit Korbdrang von Schröder begannen und dann unterschiedlich endeten: Korbleger Schröder, Foul an ihm, eigener Wurf aus der Distanz, Pass zum Mitspieler jenseits der Drei-Punkte-Linie, kurzes Zuspiel auf Anthony Davis unter dem Korb.

Das bedeutet: Schröder ist offiziell Stammspieler, das wollte er unbedingt sein, wie er immer wieder betont hatte: "Ich habe das mit dem von der Ersatzbank kommen nun lange genug gemacht." Er darf allerdings über eine Partie hinweg sein komplettes spielerisches Potenzial ausschöpfen, und es schadet nicht, dass Schröder ein gewissenhafter Verteidiger ist und ein gutes Gespür für die Richtung abprallender Fehlwürfe hat. Am Dienstag schaffte er 14 Punkte, zehn Rebounds und sechs Zuspiele. "Ich könnte nicht zufriedener sein mit ihm", sagte Trainer Frank Vogel trotz der 109:116-Niederlage.

Klar, es ist nur eine von 72 Partien der regulären Saison, bis zum Beginn der Playoffs Ende Mai dürfte noch viel experimentiert und womöglich auch transferiert werden, und doch war dieser Abend in vielerlei Hinsicht bedeutsam: Vor der Partie bekamen die Lakers-Akteure ihre Ringe für den Titel überreicht, das Stadtzentrum von Los Angeles war mit Lichtersäulen in den Lakers-Vereinsfarben Lila und Gold erhellt. Ohne Pandemie wäre die Hölle los gewesen, zumal The Battle of LA als Vorschau auf eine mögliche Halbfinalserie gilt - das viele wiederum für die vorgezogene Endspielserie halten, weil Lakers und Clippers als die stärksten Teams der nordamerikanischen Basketballliga gelten.

Die Rolle von Schröder ist also klar definiert dahingehend, dass es keine feste Rolle für ihn gibt, und das macht ihn in einer Liga, die gerade abkehrt von starren Positionen und Spielzügen, nur noch wertvoller. Schröders Vertrag läuft bloß für diese Spielzeit, er wird 15,5 Millionen Dollar verdienen, beim Transfer aus Oklahoma City hatte er kein Mitspracherecht. In der kommenden Sommerpause aber kann er zu jedem Verein wechseln, der ihm ein Angebot macht, und deshalb ist eben auch von Bedeutung, was Schröder von den Lakers will in dieser Saison außer freilich der Aussicht, den ersten NBA-Titel seiner Karriere zu gewinnen.

Eine Symbiose, die sich für beide Seiten lohnen dürfte

"Am Ende des Tages kriegt James den Ball, wenn er auf dem Feld ist", hatte Schröder vor der Partie gesagt und damit aus einem möglichen Debatten-Ballon bereits vor Saisonbeginn die Luft gelassen. Wer Schröder ein bisschen kennt, der weiß natürlich, dass er nicht deshalb von Beginn an auf dem Parkett sein will, um den besten Stehplatz beim Bewundern der Aktionen von Kollegen zu haben oder der erste Gratulant bei erfolgreichen Würfen zu sein. Er ist selbstbewusst genug, sich selbst für einen der besten Aufbauspieler zu halten, und wenn er das in dieser Saison bei den Lakers unter Beweis stellen darf, dann dürfte es an Angeboten mit einem Jahresgehalt von mehr als 20 Millionen Dollar nicht mangeln. So sehr Basketball ein Teamsport ist: Es geht dann schon auch um die eigene Zukunft.

Die Lakers und Schröder haben, das deutete zumindest diese Auftaktpartie an, eine Symbiose kreiert, die sich für beide Seiten lohnen dürfte: Die Lakers haben jemanden, der den beiden Superstars James und Davis zuarbeitet (Schröder: "Ich muss dafür sorgen, dass sie möglichst viele freie Würfe kriegen"), dafür darf er seine kreativen Fähigkeiten in deren Pausen ausleben - was wiederum den Lakers hilft, weil sie wissen, dass es einen gibt, der mit seiner Spielweise permanent für Unruhe sorgen kann.

Die einzig negativen Botschaften für Schröder neben der Niederlage: Er traf nur fünf seiner 15 Versuche aus dem Feld, und das Zusammenspiel mit Davis und James war noch wackelig. Das allerdings ist angesichts der kurzen Vorbereitung nicht ungewöhnlich, und es war ja auch nur die erste von 72 Partien. Die nächste: am Weihnachtstag gegen die Dallas Mavericks. Auch da dürften wieder beide Versionen von Dennis Schröder zu bestaunen sein.

© SZ
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