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NBA:Jubel vor den Playoffs

Los Angeles Lakers v Dallas Mavericks

Potenzieller Franchise-Player im Trade-Karussell: Isiah Thomas kam im Sommer von Boston nach Cleveland, machte nur 15 Spiele und ist jetzt fürs Erste ein Laker.

(Foto: Ron Jenkins/AFP)

Die Los Angeles Lakers und die Los Angeles Clippers trennen sich von prägenden Spielern und wollen so für Titel sorgen.

Es ist Zeit für einen Blick in die Geschichtsbücher, weil in dieser Spielzeit tatsächlich passieren könnte, was sich in der Historie der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA erst dreimal ereignet hat, in den Jahren 1958, 1994 und 2005: Es ist möglich, dass in dieser Saison kein Team aus Los Angeles die Ausscheidungsrunde erreichen wird. Die Lakers, immerhin 16-maliger Meister, dümpeln derzeit mit einer Bilanz von 23:31 Siegen auf Platz elf der Western Conference, die noch titellosen Clippers (28:25) liegen beinahe gleichauf mit den Denver Nuggets, den New Orleans Pelicans und Utah Jazz - und von diesen vier Klubs können nur zwei in die Playoffs kommen.

Die Stimmung ist dennoch prächtig bei den Basketballfans in der Stadt, und das hat nichts mit den Titelchancen beider Teams zu tun, die jeweils bei ein paar Hundertstelpunkten über null Prozent liegen. Es liegt an den Transaktionen der vergangenen Tage. Denn bald werden in Los Angeles wieder Akteure spielen, die das Prädikat "Star" nicht nur zu Marketingzwecken verliehen bekommen, sondern eine Mannschaft tatsächlich zur Meisterschaft führen können.

Das Regelwerk der amerikanischen Sportligen unterscheidet sich gewaltig von dem im europäischen Fußball, was einen Transfer wie etwa den des brasilianischen Dribblers Neymar für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain ausschließt. Es gibt Gehaltsobergrenzen, Vorschriften bei Tauschgeschäften und Transfers sowie Begrenzungen bei der Verpflichtung vertragsloser Spieler. Das führt dazu, dass ein Klubmanager nicht einfach mit ganz viel Geld eine Meistermannschaft basteln kann, sondern strategisch vorgehen muss.

Die Clippers wollen angeblich in den nächsten Jahren Love und Westbrook holen

Deshalb, in aller Kürze, die bedeutsamen Transfers vor Ablauf der Wechselfrist am vergangenen Donnerstag: Die Lakers haben Jordan Clarkson und Larry Nance Jr. zu den Cleveland Cavaliers geschickt und dafür Isaiah Thomas und Channing Frye bekommen, deren Verträge zum Saisonende auslaufen. Kurzer Einschub: Die Cavaliers haben quasi alle Spieler abgegeben, die nicht verwandt oder verschwägert mit LeBron James sind, außer Thomas auch Dwyane Wade (einst Titelträger mit Miami Heat), Derrick Rose (Utah Jazz) und Joe Johnson (Sacramento Kings); und sie haben durch das drastische Ausmisten sowie Zugänge wie Clarkson, Nance, George Hill und Rodney Hood tatsächlich einen Titelkandidaten geschaffen.

Zurück nach Los Angeles, wo die Clippers ihren Starspieler Blake Griffin, Willie Reed und Brice Johnson zu den Detroit Pistons geschickt und dafür Tobias Harris, Avery Bradley und Boban Marjanovic sowie zwei künftige Nachwuchsspieler bekommen haben. Die Clippers versuchten gar, ihren Center DeAndre Jordan nach Cleveland zu verhökern, der nach dieser Spielzeit wieder mal den Markt der Vertragslosen testen und auf eine Gehaltserhöhung hoffen könnte.

Warum freuen sich die Leute in Los Angeles, wo doch nun beide Mannschaften keine realistische Chance auf den Titel in dieser Saison haben?

Nun, die Lakers-Manager Rob Pelinka und Magic Johnson haben den Klub gar wunderbar auf die Sommerpause vorbereitet. Sie dürften, sollten sie auch noch Julius Randle loswerden und Luol Deng entlassen, mehr als 70 Millionen Dollar an Gehalt für neue Spieler übrig haben. Sie könnten also sowohl LeBron James als auch Paul George (derzeit Oklahoma City Thunder) verpflichten - und noch Spielraum für brauchbare Ersatzspieler haben. Sollte dieser Plan nicht klappen, kommen in der Sommerpause 2019 Akteure wie Kevin Durant, Klay Thompson (beide Golden State Warriors), Kawhi Leonard (San Antonio Spurs) und Jimmy Butler (Minnesota Timberwolves) auf den Markt. Auch keine schlechte Auswahl.

Ähnlich sehen das auch die Clippers, die bereits vor der Saison Spielmacher Chris Paul an die Houston Rockets abgegeben haben. Nun sind sie den teuren und verletzungsanfälligen Griffin (Durchschnittsgehalt bis 2012: 35 Millionen Dollar pro Saison) losgeworden und haben Jordan kein Angebot für eine Vertragsverlängerung gemacht. Der sagt mittlerweile: "Mein Name wird seit Jahren immer genannt, wenn es um Wechselgerüchte geht. Ich würde meine Karriere gerne dort beenden, wo ich gewollt und geschätzt bin." Es heißt nun, dass sich die Clippers auf die Sommerpausen 2019 und 2020 konzentrieren und dann womöglich die in Los Angeles geborenen Kevin Love und Russell Westbrook in die Stadt locken wollen.

Gewiss, all die Gerüchte um künftige Sommerpausen sind ungefähr so haltbar wie der Vertrag eines wechselwilligen Fußballspielers in Europa - und doch sorgen sie dafür, dass die Fans in einer Stadt, deren Mannschaften null Chance auf eine Meisterschaft in dieser Saison haben, dennoch jubeln, als hätten sie eben diesen Titel gerade gewonnen.