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NBA-Finalserie: Miami besiegt Dallas:Nowitzkis Start im Schatten

Miami Heat gewinnt das spannende erste Spiel der NBA-Finalserie dank einer klugen Defensivstrategie mit 92:84 und inspiriert einen deutschen Fußballer auf der Tribüne zu einem ungelenken Tanz. Dirk Nowitzki bleibt eher unauffällig - und zieht sich auch noch eine Fingerverletzung zu.

Jürgen Schmieder

Gegen Ende der Partie gab es noch ein Ausrufezeichen von den prägenden Akteuren der Miami Heat. Dwyane Wade legte den Ball hoch auf LeBron James, der versenkte das Spielgerät mit einem krachenden Dunking im Korb. Das erste Spiel der NBA-Finalserie zwischen Miami Heat und den Dallas Mavericks war zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden, weil vor allem Wade und James sowohl in der Offensive als auch in der Defensive herausragend agierten. Miami gewann am Ende mit 92:84.

"Wir wollten gut verteidigen und wenige Punkte zulassen, das ist uns gelungen", sagte Wade nach dem Spiel. "Wir waren nicht frustriert, wenn unsere Würfe nicht immer in den Korb gefallen sind. So lange wir Dallas nicht viele Punkte erlauben, werden wir Spiele gewinnen."

Vor der ersten Partie in Miami war die Serie von den amerikanischen Medien hochstilisiert worden: Zum einen als Revanche für das Finale 2006, als die Mavericks nach 2:0-Führung noch mit 2:4 verloren hatten - obwohl mittlerweile nur noch insgesamt vier Spieler von damals (bei Miami Dwyane Wade und Udonis Haslem, bei Dallas Dirk Nowitzki und Jason Terry) dabei sind.

Zum anderen wurde ein persönliches Duell zwischen Dirk Nowitzki und LeBron James ausgerufen: der überragende und den Mavericks stets treue Forward gegen den ebenso überragenden Vereinswechsler James, der sich seinen Spitznamen "der Auserwählte" in aller Unbescheidenheit auf den Rücken hat tätowieren lassen. Dabei lobten beide einander vor dem Finale, Dirk Nowitzki etwa sagte: "Selbst als Profi macht es Spaß, James zuzusehen"" James urteilte über Nowitzki: "Nur der Sky Hook von Kareem-Abdul Jabbar war in der Geschichte der NBA härter zu verteidigen als Nowitzkis Würfe."

Beide Stilisierungen waren freilich übertrieben, richtig dagegen war die Ankündigung vieler Experten, dass diese Serie zu einem taktischen Leckerbissen werden würde - mit der Denksportaufgabe für Dallas-Trainer Rick Carlisle und seinen Kollegen Erik Spoelstra aus Miami, die jeweils prägenden Offensivspieler des Gegners abzuwehren. Miami probierte es zunächst ohne Doppelbewachung, der athletische Joel Anthony attackierte Nowitzki früh und hart.

Auch die Mavericks versuchten es mit Mann-gegen-Mann-Verteidigung, allerdings mit interessanten Duellen. Shawn Marion kümmerte sich um Dwyane Wade, Tyson Chandler um Chris Bosh - und DeShawn Stevenson agierte gegen LeBron James. Diese taktischen Überraschungen in Kombination mit der üblichen Nervosität zu Beginn einer Finalserie führte dazu, dass beiden Mannschaften in der Offensive zahlreiche Fehler unterliefen - es gab groteske Ballverluste, skurrile Fehlpässe und wackelige Würfe.

Die Mavericks trafen gerade einmal 29 Prozent der Würfe aus dem Feld, leisteten sich fünf Ballverluste und erlaubten Miami acht Offensiv-Rebounds. Am Ende des ersten Viertels stand es gerade einmal 17:16 für Dallas, weil auch Miami im unteren 30-Prozent-Bereich warf und den Ball fünf Mal an den Gegner abgab. "Defensiv bin ich sehr zufrieden, wir müssen mehr Rebounds bekommen und dürfen den Ball nicht mehr so oft verlieren", sagte Carlisle während der Viertelpause zu seinen Spielern.

Im zweiten Viertel dann hatte es Nowitzki mit dem nicht minder athletischen Udonis Haslem und teilweise mit einem weiteren Gegenspieler zu tun, die Mavericks stellten um auf Zonenverteidigung, um die Heat zu weiter vom Korb entfernten Würfen zu zwingen. Es entwickelte sich nun eine rasante und spannende Partie, weil vor allem Miamis prägendes Trio James, Wade und Bosh seinen Rhythmus gefunden zu haben schien. Bis zur Halbzeit erzielten die drei Akteure 30 der 43 Punkte von Miami.

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