Nations League:Frankreich gewinnt die Nations League

Nations League: Karim Benzema im Finale Spanien gegen Frankreich

Der Schuss zur Wende: Karim Benzema erzielt gegen César Azpilicueta (re.) den Ausgleich für Frankreich.

(Foto: Alberto Lingria/Reuters)

Karim Benzema und Kylian Mbappé schießen das Team von Didier Deschamps zum Titel. Beim 2:1 im Finale gegen Spanien ist das Siegtor aber umstritten.

Von Javier Cáceres, Mailand

Die Nations League ist ein junger Wettbewerb, und als solcher braucht sie noch ihre Mythen und Legenden. Seine Aufreger. Am Sonntagabend wurde einiges dafür getan, dass die Nations League Emotionen weckt. Denn: Ein umstrittenes, weil auf den ersten Blick nach Abseits riechendes Tor von Kylian Mbappé (84.) bescherte der Équipe de France im Finale gegen Spanien einen 2:1-Sieg - und den Titel. Offenbar hatte Spaniens Verteidiger Eric García den Ball noch berührt und das Abseits damit aufgehoben. Weltmeister Frankreich beerbt damit Portugal, das die erste Ausgabe der Nations League der europäischen Fußballunion Uefa vor zwei Jahren gewonnen hatte.

Spaniens Nationaltrainer Luis Enrique war mit einem Zweifel in die Partie gegangen. Stürmer Ferran Torres (Manchester City), der beim 2:1-Sieg im Halbfinale gegen Italien die beiden spanischen Tore erzielt hatte, war angeschlagen. Yéremi (FC Villarreal) machte daher das Aufwärmprogramm der Startelf mit. Am Ende gab Ferran Torres Entwarnung, so dass sich die Änderungen gegenüber dem Spiel gegen Italien auf zwei Namen beschränkten: Innenverteidiger Eric García spielte für Pau Torres, Mittelfeldspieler Rodri für Koke. Auf der anderen Seite ersetzte Frankreichs Nationalcoach Didier Deschamps den Bayern-Profi Lucas Hernández durch Presnel Kimpembe - und den coronainfizierten Adrien Rabiot durch Aurélien Tchouaméni. Nach rund 40 Minuten meldete sich dann Raphaël Varane verletzt ab. Für ihn sprang Dayot Upamecano (FC Bayern) aufs Feld.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die jungen, spielfreudigen Spanier - nach einer guten, aber kurzen Anfangsphase der Franzosen - längst das Monopol über den Ball an sich gerissen. Kapitän Sergio Busquets bildete das Zentrum eines Radialsystems an endlosen Passfolgen. Die abenteuerlustigen Ferran, 21, und Gavi, 17, machten sich auf der rechten Seite einen Jux daraus, Frankreichs Linksverteidiger Theo Hernández zu foppen, doch bei ihnen war das gleiche zu beobachten wie bei allen anderen: Der letzte Pass geriet immer um Haaresbreite zu unpräzise, so dass das Spiel lange einer Schachpartie glich, bei der sich die Eröffnung elend lang hinzieht.

Frankreich wartete auf ein Tor mit dem Vorschlaghammer, dann aber wählte Benzema die Delikatessenabteilung

Aber: Es war immer noch mehr als das, was die Franzosen boten. Sie verließen sich darauf, dass ein Konter sitzen würde, dass Mbappé und Benzema mit dem Vorschlaghammer erfolgreich sein würden. Irgendwann. Doch es geschah nicht - auch weil die Spanier augenscheinlich die Order hatten, jeden Ballverlust notfalls durch taktische Fouls zu kompensieren.

Dann aber kam die 64. Minute, die Minute des Spiels. Nachdem sich nach der Pause schon die "Uuuis" von den Rängen gehäuft hatten, weil es auf beiden Seiten Annäherungen ans gegnerische Tor gab, jagte Theo Hernández den Ball an die Unterkante der Querlatte. Im Gegenzug traf dann aber Mikel Oyarzabal von der Real Sociedad San Sebastián - mithilfe zweier Bayern-Verteidiger. Pavard hob die mögliche Abseitsstellung auf; Upamecano eskortierte Oyarzabal mehr, als dass er ihn störte, so dass der Baske mit links zur Führung einschießen konnte. Dann aber antwortete Karim Benzema - von wegen Vorschlaghammer - mit einer Delikatesse. Er betrat am linken Strafraumeck den Sechzehner und schlenzte den Ball in den rechten oberen Winkel zum 1:1. Torwart Unai Simón kam nur mit den Fingerkuppen an den Ball.

"Wir haben versucht, lange Ballbesitzphasen zu haben. Über lange Strecken ist es uns gelungen", sagte Sergio Busquets hinterher, aber: "Als wir am besten drauf waren, haben sie das Spiel sehr schnell gedreht."

Spain v France âÄ" UEFA Nations League 2021 Final

Kylian Mbappé erzielt den umstrittenen Siegtreffer.

(Foto: Marco Bertorello/Getty Images)

Denn bald nach dem Ausgleich kam die Szene mit Mbappé, der nach einem Pass in die Tiefe von Theo Hernández einschoss. Die Spanier protestierten vehement. Und ohne Erfolg. "Der Schiedsrichter hat uns gesagt, dass Eric García den Ball berührt habe und die Abseitsstellung deshalb annulliert worden sei", sagte Busquets, "uns wird aber erklärt, dass man die Absicht haben muss, den Ball zu spielen. Das war hier nicht der Fall. Er hat versucht, den Pass zu unterbrechen, aber er hatte nie die Kontrolle über den Ball." Noch lange nach dem Abpfiff haderten die Spanier mit dem Schiedsrichterteam um den Engländer Anthony Taylor.

Die Schlussphase geriet dann turbulent: Oyarzabal hatte wenige Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit noch eine gute Chance, ebenso der eingewechselte Yéremi in der Nachspielzeit. Doch es blieb beim Sieg der Franzosen.

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