Nations League Die Niederländer rufen: "Tot ziens, Deutschland"

Bald in Liga zwei: Bundestrainer Joachim Löw (l.) und Assistenztrainer Oliver Sorg.

(Foto: dpa)
  • Die Niederlande schicken Deutschland in die B-Gruppe der Uefa Nations League.
  • Wenn man sich vor Augen führt, was Niederländer und Franzosen am Freitag in Rotterdam aufführten, gibt der deutsche Abstieg nur eine Realität wieder.
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Von Javier Cáceres, Rotterdam

Das Rotterdamer "De Kuip" hat am Freitagabend seinen Ruf als Synonym für den Sturz des deutschen Fußballs in die Zweitklassigkeit erneuert. Rund 18 Jahre nach der beschämenden Niederlage gegen die portugiesische B-Mannschaft in der Vorrunde der Europameisterschaft 2000 trennten sich die Niederlande und Frankreich in Rotterdam in der Nations League mit 2:0. Damit kann Deutschland die Degradierung in die zweite Klasse der "Nations League" nicht mehr verhindern. Das abschließende Vorrundenspiel zwischen Joachim Löws Team und den Niederländern, das am Montag in Gelsenkirchen ausgetragen werden soll (20.45 Uhr), wird damit für das DFB-Team etwas haben, was Nations-League-Spiele ausdrücklich nicht haben sollten: Testspiel-Charakter. Nicht so für die Niederländer, die sich noch den Gruppensieg sichern können.

Wenn man sich vor Augen führt, was Niederländer und Franzosen am Freitag aufführten, gibt der deutsche Abstieg nur eine Realität wieder. Denn zu begutachten war ein Duell zweier Mannschaften, die durchaus den Charakter von Schwergewichten verströmten, zu denen Deutschland zurzeit nicht gehört. Die Lücke mag nicht groß sein. Aber sie zu schließen, wird seine Zeit in Anspruch nehmen.

Zwei Teams und ein überaus ansehnlicher Schlagabtausch

Denn: So viel Zukunft war selten auf einem Rasen vereint wie am Freitagabend zu Rotterdam, in diesem klassischen Stadion, das immer noch ein wenig nach früher riecht. Wer, nur mal so zum Beispiel, noch nicht begriffen hatte, wieso der halbe Kontinent bereit ist, irrwitzige Summen auszugeben, um Innenverteidiger Matthijs de Ligt, 19, oder den 21-jährigen defensiven Mittelfeldspieler Frenkie de Jong (beide Ajax Amsterdam) zu verpflichten, der war in Rotterdam an der richtigen Adresse. Und von den Franzosen weiß man seit den Auftriten von Kylian Mbappé oder Benjamin Pavard bei der siegreich bestrittenen WM in Russland, dass sie gekommen sind, um auf Jahre hinaus Protagonistenrollen für sich zu beanspruchen.

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Das Spiel startete in einem Rhythmus, der jeden Gedanken daran zerstäubte, Niederländer und Franzosen könnten sich auf das Remis einigen. In den Medien war das schon thematisiert worden - ein Punkt würde beiden auf Kosten der Deutschen nutzen. Aber obschon die Niederländer mit großer Natürlichkeit die Rolle annahmen, die ihnen die Franzosen zuwiesen, und also den Ball mit der Ruhe und Großzügigkeit zirkulieren ließen, mit der man sonst einen Joint kreisen lässt, entwickelte sich zwischen beiden Teams ein überaus ansehnlicher Schlagabtausch.

Kaum mehr als eine Minute war gespielt, als Georginio Wijnaldum hübsch von Memphis Depay freigespielt wurde und aus 13 Metern Frankreichs Torwart Hugo Lloris anschoss. Frankreich antwortete mit einem Kopfballaufsetzer von Weltfußballer-Kandidat Antoine Griezmann, den Hollands Torwart Jasper Cillesen mit Mühen entschärfte. Nach 13 Minuten kam Memphis zu einer Gelegenheit, im Anschluss an einen Kopfball jagte Pavard den Ball aus 20 Metern nur knapp über das niederländische Tor. Kurz vor der Pause dann die legitime Führung der Gastgeber: der wundervolle Frenkie de Jong flankte in den Strafraum, die französische Defensivkraft Steven Nzonzi verlängerte unglücklich zu Ryan Babel, dessen Schuss von Lloris noch mit einem Reflex abgewehrt wurde. Doch Wijnaldum staubte zum 1:0 ab.

Die Niederlande erleben eine Renaissance

Nach der Pause zeigten sich die Niederländer willens, zu beweisen, dass sie wieder da sind. Oder, anders gesagt, dass es unter dem seit Februar amtierenden Coach Ronaldo Koeman tatsächlich eine Renaissance erleben, die Nichtteilnahmen an der EM 2016 und WM 2018 Unfälle waren, von denen sie sich erholt haben. Ein Schuss von Babel (51.) wurde abgefälscht, Kapitän Virgil Van Dijk setzte einen Kopfball nach einer Ecke knapp übers Tor (60.), dann trugen die Niederländer eine Augenweide von Angriff vor, der ein Tor verdient gehabt hätte: Memphis legte per Hacke auf Linksverteidiger Blind ab, der von der Grundlinie auf Rechtsverteidiger Denzel Dumfries flankte. Dessen Kopfball wehrte Lloris ebenso ab wie seinen Nachschuss (63.).

Weltmeistertrainer Didier Deschamps wechselte Ousmane Dembelé und Moussa Sissoko ein (65.). Das deblockierte die Franzosen, die mit einem Mal in der niederländischen Hälfte auftauchten. Doch trotz einer Chance für Griezmann (71.) blieb Frankreichs Torwart Lloris gefordert - erst bei einem direkten Freistoß sowie einem Flachschuss von Memphis (73./75.). Vor allem aber blieben die Niederländer standhaft, solidarisch und bereit, die aufrückenden Franzosen durch schnelle Konter die Schamesröte ins Gesicht zu treiben. Sie waren dem zweiten Treffer stets näher als Frankreich dem Ausgleich. Vor allem aber spielten sie, als kümmerte es sie nicht, den Weltmeister von 2014, Deutschland, in die Zweitklassigkeit zu schicken. Ihm "Tot ziens" zuzurufen. Ein Foul von Sissoko an de Jong führte in der Nachspielzeit zu einem Foulelfmeter, den Memphis im Stile Panenkas verwandelte - ein würdiger Schlussakt für einen brillanten Vortrag.

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