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Nationalspieler Lukas Podolski:Die Karriere wankt und wackelt

Germany v Gibraltar - EURO 2016 Qualifier

Lukas Podolski

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Nach dem Länderspiel gegen Gibraltar beschwert sich Lukas Podolski, dass er bei seinem Klub FC Arsenal keine Spielzeit erhält.
  • Bundestrainer Löw legt ihm indirekt einen Vereinswechsel nahe.
  • Zuletzt konnte Podolski in der Nationalmannschaft wenig überzeugen.

Für den 1. FC Köln war dieser Freitag ein kleiner Freudentag. Jonas Hector wurde zum 43. Nationalspieler der Klubhistorie und gibt dem Wiederkehrer der Fußball-Bundesliga weitere Hoffnung, er könne irgendwann wieder zu den Großen gehören im Land. Für die Mitgliederversammlung am kommenden Samstag sollte die brisanteste Frage sein, ob das Präsidium für seine Arbeit einen Lohn erhalten soll. Was sich im Rückblick auf die Geschichte dieses turbulenten Klubs ausnimmt, als würde man der Bundes-FDP androhen, ab 15 Prozent bei der nächsten Bundestagswahl müsste die Partei ihrem Präsidium einen Bonus bezahlen.

In diesem wundersamen Verein ist derzeit so vieles in Ordnung, dass man Zeit hat, sich um sein Maskottchen zu sorgen. Nein, Hennes VIII. geht es gut, zumindest ist von dem Geißbock keine akute Blessur überliefert. Um Lukas Podolski allerdings, den heimlichen Fußballgott der Stadt, steht es schlecht. Es steht so schlecht um den 29-Jährigen, dass er die Reise zur Nationalmannschaft wahrnahm, um seinen Frust abzulassen.

Nach dem in Einseitigkeit und Spannungslosigkeit einzigartigen 4:0 gegen Gibraltar ging Podolski zum Duschen, zog sich an und steuerte direkt jedes Mikrofon an, das er finden konnte. Er hatte etwas zu sagen. Er kommt bei seinem Klub FC Arsenal in England einfach nicht in die Stammelf und das passt ihm nicht. Das hatte er zwar schon häufiger geäußert, doch die Schärfe seiner Worte war diesmal bemerkenswert.

Er würde ja gerne zeigen in London, was er kann. "Aber diese Chance wird mir nicht gegeben", sagte er. Er stelle sich nun nicht hierhin und sage, er habe eine Krise oder er spiele schlecht. "Sondern ich sage: Mir wird die Chance genommen, zu zeigen, was ich kann."

Wer ihm diese Chance nimmt, war unschwer herauszufinden: sein Trainer Arsène Wenger. Selten hat ein Spieler eines europäischen Topklubs in den vergangenen Jahren so deutlich einen Stammplatz eingefordert und gegen seinen Trainer gewettert wie derzeit Lukas Podolski. Das zeigt einerseits, dass es um sein Selbstbewusstsein immer noch gut bestellt ist. Andererseits zeigt es, dass er auch im fortgeschrittenen Kickeralter das Herz auf der Zunge trägt, sich mit Wenger offenbar tief zerstritten hat und mit allen Mitteln einen baldigen Wechsel provozieren will.

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Joachim Löw gibt ihm in der Öffentlichkeit mindestens indirekt Hinweise darauf, genau Letzteres zu tun. Der Bundestrainer wies in Nürnberg zunächst grimmig auf den Missstand hin, dass er "von dem ein oder anderen mehr Zug zum Tor, mehr Torgefahr, mehr Torabschlüsse" erwartet habe. Von denjenigen aus der zweiten Reihe, die eine Chance bekommen haben, "hätte ich mir mehr erwartet. Da muss mehr kommen." Dass unter diesen auch Podolski war, blieb niemandem verborgen. Auf seinen einstigen Lieblingsschüler angesprochen, erklärte Löw: Podolski sei ein Spieler, der die Praxis und die Wettkämpfe brauche, um seine Qualität entwickeln zu können. Weil er dies derzeit im Verein nicht erhalte, kommt Löw zu dem Schluss: "Letztendlich müssen wir überlegen und er sich auch, was das nächste Jahr für ihn bringt." Das klang mehr nach Drohung als nach fröhlicher Aussicht.