Nationalmannschaft Gelegentlich verhedderte er sich

Das fachkundige Sezieren von Fußballspielen wurde mit Podolski zu einem nationalen Vergnügen. Einmal hatte er gegen Südafrika drei Tore geschossen. "Ja klar", resümierte er anschließend auf dem DFB-Podium, "wir haben 4:2 gewonnen, ich hab drei Tore gemacht, da bin ich zufrieden." Normalerweise erzeugt so eine Antwort Verdruss und Gähnen, bei ihm wurde es als eine Form von Folklore verstanden, die Belustigung und Dankbarkeit hervorrief. Medienhistoriker könnten heutzutage auf die Idee kommen, dass Podolski mit seinen Antworten auf die immer gleichen Fragen vorsätzlich das Affentheater karikierte, das der Fußball durch die permanente Medienbelagerung zu bieten hat.

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Gelegentlich verhedderte er sich aber auch selbst in den Sprechblasen des Metiers. Am Dienstag wurde Podolski nach Beispielen für besondere Augenblicke im Nationalteam befragt. Seine köstliche Antwort lautete: "Ich will keinen Moment herauspicken - das wäre unfair gegenüber den anderen Momenten."

Niemand aus dem Stab des Nationalteams vergisst den Hinweis, dass es der größte Fehler wäre, Podolski zu unterschätzen, und dass es ebenfalls eine riesengroße Ungerechtigkeit wäre, ihn auf die Rolle des Kaspers und Unterhaltungskünstlers zu reduzieren. Auch die klassischen Eigenarten eines Kölners erfüllt Podolski nur partiell. Entgegen der kölschen Eigenart, Termin-Verabredungen mit großzügigen Spielräumen zu eigenen Gunsten auszustatten, ist Podolski nicht nur für seine Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit bekannt, beim DFB wird ihm sogar Überpünktlichkeit nachgesagt. Die mediterrane Lebensart der Kölner entspricht nicht seiner zielbewussten Natur.

Zwei andere Prinzipien des Kölner-Seins erfüllt er ebenso wenig: weder spricht er Kölsch noch trinkt er Kölsch. Trotzdem ist an seiner Liebe zur Quasi-Heimatstadt (geboren wurde er in Polen, aufgewachsen ist er im Kölner Umland) selbstredend nicht zu zweifeln. Über sein Engagement in Japan bei Vissel Kobe wollte er am Dienstag nicht reden, "aus Respekt vor meinem Klub", Galatasaray Istanbul, aber über das wichtigste Gepäckstück hat er bereits gesprochen. Eine große Köln-Fahne werde er auf jeden Fall dabeihaben, hat er versichert. Die Familie kommt übrigens auch mit nach Fernost.

Mancher Kölner wird ihm zuliebe auch zum DFB-Abschied nach Dortmund kommen. Ohnehin hatte die Poldi-Begeisterung bereits in frühen Jahren die Grenzen seines rheinischen Sprengels verlassen, schon beim Confed-Cup 2005 jubelte man ihm in Nürnberg oder Leipzig wie einem Befreier zu. Beim nächsten Confed-Cup im Sommer 2017 wird Jogi Löw ihn dringend vermissen.

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