DFB-Elf gegen Mexiko Ist die deutsche Elf schon über den Zenit?

Dem Passspiel fehlte die gewohnte Sicherheit, räumte Löw ein: "Wir konnten uns nicht von hinten raus entfalten. Unsere Kombinationen nach vorn sind nicht mit diesem Risiko, mit dieser Entschlossenheit gemacht worden." Auch Kroos sah mit Sorge, wie "konteranfällig" sich das Team präsentierte: "Wir sind unter Druck jetzt", sagte er, "keine Frage."

Ein Detail am Rande: Jene Mannschaft, die am Sonntag auf dem Platz stand, war mit fast 28 Jahren im Schnitt die älteste deutsche WM-Elf seit dem Finale 2002. Auch deshalb drängt sich der Eindruck auf: 2014 haben diese Männer den Gipfel erklommen, jetzt scheinen sie beim Abstieg zu sein. Darauf angesprochen, behauptete Löw später in der Pressekonferenz: "Wir haben eigentlich eine junge Mannschaft."

Chancenlos waren die Deutschen natürlich nicht: Khedira verpasste eine Hereingabe von Joshua Kimmich (5.); Timo Werner versuchte es mit einem Drehschuss (20.), hätte aber wohl besser zum freien Julian Draxler abgelegt; Toni Kroos traf mit einem Freistoß die Latte (39.). Aber um mehr Gelegenheiten herauszuspielen, leistete sich die Elf viel zu viele Ballverluste im Aufbauspiel. Szenen wie diese in der 28. Minute bestimmten das Bild: Özil will einen Flügelwechsel initiieren, schlägt den Ball aber schlampig ins Zentrum - und schaut gleich dem nächsten Gegenstoß hinterher. Am Ende ist es Mats Hummels, der rettend dazwischengrätscht. Ebenfalls gefährlich, wenige Minuten später: Khedira legt den Ball im eigenen Strafraum zum Gegner. In der 60. Minute wechselte Joachim Löw das erste Mal: Der offensive Marco Reus kam für Khedira. Das war einerseits schlüssig, es galt ja, noch einen Treffer zu erzielen. Es war aber auch nicht so schlüssig. Wer sollte denn jetzt das Zentrum verdichten? Mesut Özil und Toni Kroos rückten nach hinten, die Mexikaner hatten weitere Kontergelegenheiten.

Die Deutschen versuchten es nun aber ihrerseits deutlich zwingender - weiterhin vergeblich. Während links hinten der kurzfristig für den erkrankten Jonas Hector ins Team gerückte Marvin Plattenhart nicht weiter auffiel, war es auf der rechten Seite der junge Kimmich, der zum Antreiber wurde. Mit bisweilen rasendem Einsatz: In der 65. Minute setzte er sogar einen Fallrückzieher knapp über die Latte. Dafür fehlte er allerdings immer wieder hinten; Löw ließ ihn gewähren. Der eingewechselte Julian Brandt traf aus der Ferne noch den Außenpfosten (89.), das war's. Der Bundestrainer hat jetzt viel zu analysieren.

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