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Ilkay Gündogan beim DFB:"Wissen beide, dass wir damals keinen tollen Tag hatten"

Nationalmannschaft: Ilkay Gündogan beim Spiel gegen Lettland

Ilkay Gündogan ist voller Vorfreude auf die EM.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)

Kroos und Gündogan gegen Frankreich in der Zentrale? Das weckt keine guten Erinnerungen. Doch der Mittelfeldmann von ManCity fühlt sich bereit, das 0:6 gegen Spanien vergessen zu machen.

Einen Fußballabend mit Bier wird sich Ilkay Gündogan nicht gönnen. "Mit Sicherheit nicht", antwortete der Nationalspieler lächelnd auf eine entsprechende Frage im deutschen Turnier-Quartier in Herzogenaurach. Doch die Vorfreude auf die EM ist für Gündogan nach der bitteren Niederlage im Champions-League-Finale groß. "Es kommt Stimmung auf, wenn jeden Tag zwei, drei Spiele sind und man ständig Fußball schauen kann", sagte der 30-Jährige.

Das hört auch Bundestrainer Joachim Löw gerne. Denn Gündogan benötigte schon "ein paar Tage Auszeit", um die Pleite mit Manchester City gegen den FC Chelsea (0:1) abzuschütteln. "Da habe ich persönlich acht Jahre drauf hingearbeitet. Die Enttäuschung war extrem groß", sagte Gündogan. Die Erinnerung sei zwar auch nach den ersten Tagen im Kreise der Nationalmannschaft immer "noch aktiv, aber es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich auf die nächsten Aufgaben zu konzentrieren und die nächsten Spiele nicht zu verlieren."

Schon beim Hammerauftakt gegen Weltmeister Frankreich am Dienstag in München soll Gündogan dafür einen entscheidenden Beitrag leisten. Nach der Verschiebung von Joshua Kimmich auf die rechte Außenbahn bei der EM-Generalprobe gegen Lettland (7:1) sind Gündogan und Toni Kroos in der Schaltzentrale vor der Dreierkette gesetzt.

Dies gilt vor allem, da der zuletzt am Oberschenkel verletzte Leon Goretzka zwar wieder mittrainiert, aber noch nicht einsatzbereit ist. "Er ist so weit, dass er mit Ball und der Mannschaft trainieren kann", sagte Oliver Bierhoff. Der Fitnesszustand des Münchners werde weiter genau beobachtet. Für das Auftaktspiel komme Goretzka aber noch nicht infrage.

Blieben also wohl Kroos und Gündogan. Vor dem Lettland-Spiel hatte das Duo zuletzt beim 0:6-Debakel in Spanien im November zusammen vor der Abwehr gespielt. Die Erinnerungen an die Schmach von Sevilla lassen bei einigen Experten Zweifel aufkommen, ob Gündogan und Kroos nicht zu offensiv eingestellt sind. "Toni und ich wissen beide, dass wir damals keinen tollen Tag hatten", sagte Gündogan.

Im Trainingslager in Seefeld habe er sich daher mit Kroos darüber unterhalten, "wie wir in Verbindung mit unserer Defensive Dinge besser machen können". Das Spiel gegen die Letten sei "ein guter Anfang" gewesen: "Jetzt wollen wir diesen Schwung mitnehmen."

Um von den Franzosen nicht "überrannt" zu werden, wie es Ex-Bundestrainer Berti Vogts bei einem Gespann Gündogan/Kroos befürchtet, ist viel Disziplin gefragt. "Jeder", betonte Gündogan, "muss sich bewusst machen, welche Rolle er einnimmt." Ihm ist im Zusammenspiel mit Kroos der offensivere Part zugedacht.

In Manchester setzte ihn Teammanager Pep Guardiola ohnehin variabel ein. "Ich habe in den letzten zwei Jahren alle Positionen im Mittelfeld gespielt. Jede bringt unterschiedliche Aufgaben mit sich. Da muss man seine Rolle anpassen und interpretieren", sagte Gündogan. Ihn im Königsklassen-Finale allerdings alleine auf der Sechs spielen zu lassen, war nicht Guardiolas beste Idee. Dabei hätte Gündogan den Titel so gerne gewonnen.

Trotz eines verwandelten Elfmeters ging er schon nach seinem ersten Champions-League-Endspiel 2013 mit Borussia Dortmund gegen Bayern München (1:2) als Verlierer vom Platz. "Ein Champions-League-Sieg gibt Selbstvertrauen, gibt eine breite Brust", sagte Gündogan. Davon kann er sich täglich bei Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Timo Werner überzeugen.

"Ich gönne den Jungs den Sieg. Auch wenn ich verloren habe, dann weiß ich, dass der Sieg nicht an die verkehrtesten Jungs gegangen ist", sagte er. Gündogan geht von einem "Schub" für das Trio aus. Von diesem soll die gesamte DFB-Auswahl profitieren. Und dann könnte eventuell am 11. Juli in London gemeinsam gefeiert werden - auch mit Bier.

© SZ/sid/bek
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