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Spielort des DFB-Teams:Baden gehen in der Kasanka

Die Kasanka, ein Nebenfluss der Wolga, bietet eine hübsche Kulisse für den nächsten Spielort der deutschen Nationalmannschaft.

(Foto: AFP)
  • Die DFB-Elf trifft am Mittwoch in Kasan auf Südkorea - und lernt dabei einen Spielort mit besonderer Kultur kennen.
  • Die Hauptstadt der Tataren lädt zum Spazierengehen ein - die Frage ist, ob Bundestrainer Löw auch hier wieder morgens an der Flusspromenade joggen geht?

Von Benedikt Warmbrunn, Kasan

Am Wochenende haben die Menschen in Kasan das gemacht, was Menschen eben so machen, wenn die Sonne morgens um 2.30 Uhr anfängt, erbarmungslos zu scheinen und wenn sie damit erst nach 18 Stunden wieder aufhört: Sie sind baden gegangen. Sie haben sich ihre Sonnenschirme genommen, ihre Handtücher und ihre Badehosen, und dann sind sie zum Beispiel in den Kyrlai-Park gefahren. Und da haben sie dann den ganzen Tag verbracht, sie haben ein bisschen in der Sonne gelegen, dann sind sie mal kurz in die Kasanka gehüpft, einen Nebenfluss der Wolga, und dann alles wieder von vorne, so lange, bis irgendwann auch in Kasan die Sonne untergegangen ist.

Vielleicht haben sie diese Bilder von den glücklichen Menschen an der Kasanka auch beim DFB gesehen. Und vielleicht haben sie sich dann gedacht, dass das ja auch ganz okay aussieht in Kasan. Vielleicht haben sie aber auch weiterhin wehmütig daran denken müssen, dass selbst Kasan nicht Sotschi ist.

Vielleicht besucht die DFB-Auswahl Kasan erneut

An diesem Dienstag wird die deutsche Nationalmannschaft nach Kasan reisen, sie wird dort am Mittwochnachmittag ein Spiel gegen Südkorea bestreiten, und wenn alles so läuft wie sie sich das beim DFB erhoffen, dann werden sie schon auf dem Rückflug am Mittwochabend nach Moskau wissen, dass sie Kasan nicht wiedersehen werden bei dieser WM. Dann hätte sich die Mannschaft als Gruppenerster für das Achtelfinale qualifiziert. Sollte Deutschland Gruppenzweiter werden, müsste die Mannschaft zum Viertelfinale noch einmal nach Kasan reisen. Vorausgesetzt, sie gewinnt im Achtelfinale.

Es wird in Kasan also keine Zeit bleiben für Bilder wie in der vergangenen Woche in Sotschi. Es wird keine Bilder geben von einem Bundestrainer, der den Strand entlang joggt. Wahrscheinlich wird es auch keine Bilder geben von Nationalspielern, die durch die Stadt schlendern. Was wirklich schade ist. Schließlich ist Kasan eine ausgezeichnete Spaziergängerstadt.

Der passionierte Spaziergänger fängt seine Runde am besten im Kyrlai Park an der Kasanka an. Von dort bietet sich ihm dann der Blick auf das Wahrzeichen der Stadt, auf den Kreml von Kasan. Errichten lassen hatte diesen Iwan IV. (der, den sie den Schrecklichen nennen), nachdem er 1552 nach mehreren Jahrzehnten Krieg zwischen Moskau und Kasan mit seinen Truppen die verfeindete Stadt eingenommen hatte. Errichtet wurde er auf den Ruinen der Residenz des Khans von Kasan, und aus diesen Ruinen ist ein Wahrzeichen entstanden, das auch noch ein knappes halbes Jahrtausend später dafür steht, wie die Menschen in der Hauptstadt Tatarstans nebeneinander und miteinander leben.

In der Zitadelle kann der Spaziergänger die Kul-Scharif-Moschee besichtigen, die zweitgrößte Moschee in Europa außerhalb Istanbuls. Wenige Meter weiter erreicht er die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale, und wer so wenige Schritte von einer Moschee zu einer Kirche benötigt, dem fällt auf, dass die beiden für ein friedliches Zusammenleben der Religionen stehen. Kasan gilt als multireligiös und als multikulturell, nicht ganz die Hälfte der 1,1 Millionen Einwohner sind Russen, nicht ganz die Hälfte der Einwohner sind Tataren.

Zwischen prachtvollen Straßen und hippen Craft-Beer-Kneipen

Sobald der Spaziergänger den Kreml verlassen hat, biegt er ein auf das Zentrum Kasans bei dieser WM, die Baumannstraße, wo die Anhänger der Mannschaften aus aller Welt in den zahlreichen westlich orientierten Restaurants morgens bis abends friedlich ihre Biere trinken, wahrscheinlich auch, weil ihnen noch niemand von dem Strand am Fluss erzählt hat.

Falls sich der Spaziergänger von dieser bunten Menschenmenge nicht aufhalten lässt, kann er noch weitere prachtvolle Straßen begehen, immer wieder steht er dabei auf einmal vor einer Moschee oder vor einem pompösen Theater. Vielleicht schafft er es sogar bis ins Tatarenviertel mit seinen bunten Häuschen und den Restaurants, in denen sich noch die tatarische Küche behauptet, zum Beispiel mit ihren berühmten Pferdesalamis.

Natürlich gibt es auch in Kasan ein Fanfest, organisiert vom Fußball-Weltverband Fifa, und dort sind sie ganz stolz darauf, dass die Menschen sich so begeistern für diese Weltmeisterschaft, dass sie friedlich miteinander feiern, obwohl ja selbst bei dieser WM nicht alle gewinnen können. Wer ein Fußballspiel aber lieber in einer der hippen Kasaner Craft-Beer-Kneipen anschauen will, dem kann schon auch einmal passieren, dass er fünf Minuten nach dem Anpfiff in das Gesicht eines verstörten Kellners blickt, der soeben aus seinem Mittagsschlaf auf dem Kneipensofa emporgeschreckt ist.

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© SZ vom 26.06.2018/dsz/cat

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