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Nationalelf: Lukas Podolski:Auf der Suche

Vor seinem 81. Länderspiel sucht Lukas Podolski die verlorene Form. Die Konkurrenz drängt, der Bundestrainer stichelt. Wie wird Podolski reagieren?

Lukas Podolski hatte eine gute und eine schlechte Nachricht für Köln, und weil die Stadt ihm am Herzen liegt wie eine unergründliche Geliebte, überbrachte er beide Nachrichten persönlich. Aus dem Dunkeln des Treppenhauses kletterte er auf die erleuchtete DFB-Bühne im Gürzenich und berichtete sinngemäß, dass er offenbar seine Form verloren habe. Wobei er nicht genau wisse, wo das Malheur passiert sei. Letzten Freitag, beim Auftakt in die EM-Qualifikation in Brüssel ("für mich nicht optimal gelaufen"), war sie jedenfalls schon weg, die Form, aber eine Woche vorher in Bremen ("hab' ich ein Tor gemacht") hatte er sie noch, da ist er ganz sicher. Jetzt ist sie erst mal verschwunden, soweit die schlechte Nachricht.

Lukas Podolski, Toby Alderweireid

Den Ball im Blick - doch gegen Belgien gelang Lukas Podolski nicht viel.

(Foto: AP)

Die gute Nachricht ist, dass sich der Instinktstürmer Lukas Podolski, 25, schon auf die Suche gemacht hat, und dass er fest daran glaubt, "meine normale Form wiederzufinden". Sobald es soweit ist, "wird es sehr schwer, an mir vorbeizukommen", kündigt er schon mal an, wobei kein Geheimnis ist, wen er nicht an sich vorbei lassen will: Toni Kroos von Bayern München und Marko Marin von Werder Bremen. Die kommen in der Nationalelf ebenfalls gern über die linke Seite. Aber in Köln wird natürlich wieder der Kölner Podolski von Beginn an auflaufen, beim EM-Qualifikationsspiel an diesem Dienstag gegen Aserbaidschan, daran besteht kein Zweifel. Seiner Stadt dann zu zeigen, dass er seine Form wieder hat, ist ihm aus gegebenem Anlass eine Herzensangelegenheit: "Damit die Kölner auch mal wieder was zu freuen haben im Fußball."

"Nicht zu halten"

Vergangenen Freitag zählte Lukas Podolski zu den wenigen Akteuren im DFB-Dress, die beim 1:0 gegen Belgien nicht einfach so taten, als sei Brüssel die Hauptstadt einer südafrikanischen Provinz und EM-Qualifikation in Wahrheit ein anderes Wort für Fußball-Weltmeisterschaft. Während Joachim Löw, der Bundestrainer, seinen Männern im ersten Pflichtspiel seit der Südafrika-Reise "ein gewisses Eingespielt-Sein" sowie "einen gut verwirklichten Spielaufbau" bescheinigte, nahm er Podolski von diesem Lob explizit aus: "In der zweiten Halbzeit ist er abgefallen", monierte Löw, "da war er nicht mehr so im Spiel." Nur wenn Podolski "auch ohne Ball weite Wege" gehe, sei er "für den Gegner fast nicht zu halten". Das sei in Brüssel indes "nicht so gelungen".

Aber Lukas Podolski wäre nicht Lukas Podolski, wenn ihn diese Kritik jetzt über das Normalmaß hinaus ins Grübeln brächte. Er scheint die kommenden Aufgaben vielmehr so anzugehen wie jemand, dem sein Portemonnaie irgendwo in der Wohnung aus der Gesäßtasche gefallen ist, und der jetzt ohne große Panik durch seine Sachen kramt. Irgendwo muss es ja sein!