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Nationalelf: Joachim Löw:Die Sonne strahlt seltener

Von Bundestrainer Löw geht derzeit ein gewisses Leuchten aus: Seine zufriedene Lässigkeit vor dem Kasachstan-Spiel steht in Kontrast zur wilden Hektik der Bundesliga.

Joachim Löw kam gegen halb eins von der Feldarbeit mit seiner Nationalmannschaft zurück, er betrat das Teamhotel aber nicht im Zeichen der Mühsal, sondern mit der genießerischen Gelassenheit eines Mannes, für den das Leben vorwiegend eine Annehmlichkeit ist. Sein Gang hatte das Schlendertempo des Flaneurs, und seine Grüße an die Umstehenden entrichtete er mit einem an Erhabenheit grenzenden Selbstbewusstsein, das aber keineswegs mit Arroganz zu verwechseln ist. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass vom deutschen Bundestrainer dieser Tage ein gewisses Leuchten ausgeht, das mit dem Sonnenschein über dem DFB-Hotel am Mainzer Rheinufer konkurrieren kann. Die Sonne, das ist ihr Wettbewerbsnachteil, geht abends unter, und dann erfreut sich Löw immer noch seines gelungenen Daseins.

Training Nationalmannschaft

Wirkt mit seiner Arbeit momentan rundum zufrieden: Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: dpa)

Die zufriedene Lässigkeit des Bundestrainers steht in Kontrast zu den Zuständen in der sonstigen Fußballwelt. Während Löw nach dem Vormittagstraining durch das Hotel spazierte, sammelte eine Viertelstunde Autofahrt entfernt der Kollege Christoph Daum die Massen und die Mikrofone um sich, um seinen Notarzteinsatz bei Eintracht Frankfurt zu erläutern.

Von der wilden Hektik der Bundesliga ist die bedeutendste deutsche Fußballmannschaft so weit entfernt, dass man meinen könnte, es handele sich um zweierlei Sportarten. Dabei stehen am Samstag auch für Löw und seine Leute Punkte auf dem Spiel, und selbst wenn der Gegner den nur mäßig furchteinflößenden Namen Kasachstan trägt, so ist die Partie in Kaiserslautern eine ernste Sache. Es geht um die Zulassung zur EM 2012, wo die Deutschen nicht fehlen dürfen. So verlangt es das Grundgesetz.

Löw hört es deswegen auch nicht gern, wenn behauptet wird, die vom DFB so wohlbehütete Nationalmannschaft bilde eine Oase fern der rauen Wirklichkeit. "Auch wir sind dem Erfolgsdenken unterworfen", hat er in Mainz entsprechende Verdächtigungen dementiert und darauf verwiesen, dass es ja auch um seine Abteilung "in den vergangenen Jahren Konflikte gab". Derzeit ist das allerdings tatsächlich nicht mehr als ein historischer Verweis. So geordnet wie heute waren die inneren und äußeren Verhältnisse rund um das DFB-Eliteteam seit langem nicht.