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Nationalelf gegen DFB:Schuhstreit beendet

Gerade noch rechtzeitig vor dem Start in die EM- Qualifikation ist der Schuhstreit der deutschen Nationalspieler mit dem DFB mit einem Kompromiss beendet worden.

Gerade noch rechtzeitig vor dem Start in die EM- Qualifikation ist der Schuhstreit der deutschen Nationalspieler mit dem DFB mit einem Kompromiss beendet worden. Die Vorreiter Jens Lehmann und Miroslav Klose haben das seit Jahrzehnten geltende Monopol des DFB-Ausrüsters adidas zu Fall gebracht und dürfen schon am Samstag gegen Irland in den Schuhen ihrer Wahl auflaufen.

Der DFB dokumentierte zugleich seine auch zukünftig enge Verbundenheit mit dem Herzogenauracher Sportartikelhersteller mit der Ankündigung, den ohnehin langfristigen Vertrag vorzeitig um weitere vier Jahre bis zur übernächsten Weltmeisterschaft 2014 in Südamerika zu verlängern.

DFB-Präsident Theo Zwanziger war es in der finalen Verhandlungsrunde mit dem von Kapitän Michael Ballack angeführten Mannschaftsrat besonders darum gegangen, dass adidas durch den Streit nicht belastet wird. Nach dem Treffen am Donnerstag in Stuttgart verkündete der Verband, dass die Spieler der A-Mannschaft sowie der U21- und der Frauen-Nationalmannschaft mit sofortiger Wirkung freie Schuh- und Torwart-Handschuhwahl hätten. Für Lehmann, Klose und andere Spieler, die für Konkurrenzprodukte des DFB-Partners werben, ergeben sich durch die Einigung neue Vermarktungsmöglichkeiten und deutlich höhere Erlöse aus ihren Privat-Verträgen.

Einzelheiten über den Kompromiss teilten beide Seiten nicht mit. Statt die gefundene Lösung bei einer gemeinsamen Pressekonferenz vorzustellen, beschränkte sich der DFB auf eine schriftliche Erklärung. Welche Zugeständnisse die Spieler für die freie Schuhwahl machen mussten, blieb in den Details unklar. Es hieß lediglich allgemein, dass der Spielerrat der A-Nationalmannschaft zugestimmt habe, "bei der Vermarktung der Persönlichkeitsrechte der Nationalspieler eng mit dem DFB und seinen Partnern zu kooperieren". Im Falle adidas heißt das unter anderem, dass sie sich an einer gemeinsamen Grundschul-Initiative beteiligen werden.

Die Profis werden sich darüber hinaus in Zukunft wohl vermehrt für Werbeaktivitäten der DFB-Sponsoren zur Verfügung stellen müssen, um die Erlöse des Verbandes nicht zu schmälern. "Der DFB wird bei einer Lösung des Schuhproblems nicht der wirtschaftliche Verlierer sein", hatte Zwanziger vor den entscheidenden Gesprächen mit den Nationalspielern versichert.

Neben Kapitän Ballack hatten Klose, Lehmann und Bernd Schneider beim Schuh Gipfel die Interessen der Spieler vertreten. Für den DFB verhandelten neben Zwanziger noch dessen Präsidenten-Kollege Gerhard Mayer-Vorfelder und Generalsekretär Horst R. Schmidt. Deutschland war neben Österreich das letzte Land, bei dem Nationalspieler bisher zum Tragen einer Schuhmarke verpflichtet gewesen waren. Den Konflikt gab es seit Jahrzehnten. Schon Günter Netzer wollte in den 70er Jahren in Schuhen seines Partners Puma für die Nationalelf spielen.

Der Konflikt drohte nach der Weltmeisterschaft zu eskalieren. Vor dem letzten Länderspiel gegen Schweden hatten die Spieler sogar einen Boykott nicht mehr ausgeschlossen. In der Vorbereitung auf die Partie gegen Irland war Torhüter Lehmann vorgeprescht und hatte im Training Schuhe und Handschuhe seines Ausrüsters getragen.