Nachwuchshoffnung Marc Stendera:Frankfurt macht es anders als der Rest

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Mit Stendera steht nun der nächste Junioren-Nationalspieler bereit, der es in die erste Elf schaffen könnte. In der U19 des DFB ist ihm das schon gelungen, dort wirbelt er in diesen Tagen reihenweise europäische Nachwuchsbeine durcheinander. Zuletzt lernten die jungen Ukrainer und Österreicher bei der EM in Ungarn den gebürtigen Kasseler kennen. Stendera spielte kluge Pässe, zeigte gehobene technische Fertigkeiten und erzielte im Halbfinale sogar ein wuchtiges Tor von der Strafraumgrenze.

"Seine Stärke ist sicher seine Spielintelligenz. Aber er schlägt auch gute Standards und ahnt Situationen voraus", sagt Hübner, der nur einen Kritikpunkt hat: "Manchmal möchte er es zu perfekt machen, aber das wird er in der Bundesliga schnell abstellen." Viele dieser Attribute klingen nach Mario Götze - ein Vergleich, der immer wieder fällt. Stendera ist mit 1,71 Meter Körpergröße noch ein gutes Stück kleiner als der bekannteste Export aus den deutschen Jungendteams der vergangenen Jahre, aber der Bewegungsablauf offenbart durchaus Parallelen: die kurzen Wackler, die gestreichelten Bälle, der "Touch" - so wie Götze können das nur wenige.

Dass die deutsche U19 am Donnerstag im EM-Finale gegen Portugal (19 Uhr, SZ-Liveticker) um den Titel spielt, dürfte die Popularität des Mini-Götzes aus Frankfurt nur noch erhöhen - denn spätestens jetzt schauen auch die Scouts von Klubs mit den stattlichen Festgeldkonten genau hin. Die sportliche Leitung der Eintracht sieht darin aber genauso wenig ein Problem wie in der körperlichen Belastung durch den Wettkampfstress. Solange Stendera spielt und Fortschritte macht, ist alles bestens.

Anders als in Schalke oder Stuttgart, wo sie Spieler wie Max Meyer, Leon Goretzka oder Timo Werner bewusst von den DFB-Strapazen fernhielten, bauen die Frankfurter auf den Lerneffekt durch Nachwuchsländerspiele. "Uns war wichtig, dass er Spielpraxis und Selbstvertrauen bekommt. Hierfür hat sich die U19-Europameisterschaft angeboten und diese Plattform hat er für sich genutzt. Selbstverständlich stellen wir einen Jungen wie ihn für die EM ab, da kann er sich weiter entwickeln, der Zeitpunkt war genial", erklärt Sportchef Hübner. Stählerne Muskeln und eine Portion stolze Siegergene kann sich einer wie Stendera beim Nationalteam zu Genüge holen, so der Plan, der bisher aufzugehen scheint.

Sollten die deutschen Junioren auch noch Europameister werden, käme die neue Zukunftshoffnung der Eintracht ohnehin prächtig eingestellt zurück an den Main. Im Mittelfeld würde sich neben Stefan Aigner, Martin Lanig, Hasebe, Marco Russ und dem Neuen Piazon sicher ein Plätzchen finden. Und vorne könnte Nelson Valdez auf hübsche Zuspiele warten.

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