Nachruf zum Tod Erhard Wunderlichs Deutschlands bester Handballer folgt dem Geld

Deutschlands bester Handballer folgt dabei nicht seinem Herzen, sondern dem Kopf. Er wolle nicht nach der aktiven Laufbahn vom Wohlwollen großzügiger Mäzene abhängig sein, sagt Wunderlich; Barcelona verspricht dank eines Vierjahresvertrags und eines Gehalts von 2,5 Millionen Mark die finanzielle Absicherung. Doch Wunderlich kehrt Spanien bereits nach einem Jahr wieder den Rücken - und folgt doch dem Ruf eines Mäzens. Ulrich Backeshoff, Münchner Unternehmer und Finanzier des damaligen Münchner Zweitligisten TSV Milbertshofen, unterbreitet Wunderlich ein ebenfalls lukratives Angebot. Sechs Jahre - von 1984 bis 1989 - spielt der Rückraumspieler für den TSV; allein die großen sportlichen Erfolge bleiben aus.

Nicht so im Trikot der Nationalmannschaft. So tief der Frust bei Wunderlich und seinen Nationalmannschaftskollegen über den Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau sitzt, so groß ist die Vorfreude auf die Spiele in Los Angeles vier Jahr später - sechs Jahre nach dem WM-Gewinn. Noch einmal prägt Wunderlich das Spiel der deutschen Auswahl, führt sie bis ins Finale des olympischen Wettbewerbs und, nach der Niederlage gegen Jugoslawien, zu Silber.

Doch werden große Sportler auch große Trainer oder Funktionäre? Erhard Wunderlich wagt nach seinem Karriereende als aktiver Spieler den Einstieg in das Management des TSV Milbertshofen. In diese Zeit fällt der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger - der letzte große Triumph des Münchner Traditionsvereins.

Von deutlich weniger Erfolg geprägt ist Wunderlichs anschließende Zeit als Manager und Trainer beim VfL Bad Schwartau; nach nur einem Jahr wird er entmachtet - und zieht sich in der Folge immer mehr aus dem Handballsport zurück. Ganz loslassen aber kann auch Erhard Wunderlich nicht und nimmt - meist bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft - die Position des Kritikers aus dem Hintergrund ein. Seine wenig zurückhaltende Art der Meinungsäußerung führt dazu, dass der Vorstand der deutschen Handball-Bundesliga 2005 eine erst kurz zuvor begonnene Zusammenarbeit mit Wunderlich kurzerhand wieder beendet.

"So einer wird nur alle 100 Jahre geboren"

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Den Blick auf seine aktive Zeit aber können diese Differenzen bis heute nicht trüben. Erhard Wunderlich ist Deutschlands Handballer des Jahrhunderts - ein "Jahrhundertereignis", wie die Süddeutsche Zeitung 1999 titelt. Der Sepp hinterlässt seine Frau Pia und zwei Kinder, Pia hatte zwei weitere Kinder in die Ehe gebracht. Er wird unvergessen bleiben - als Sportler und Persönlichkeit.