Nachruf:Exzellenter Experte

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Robert Hartmann gehörte zu den Pionieren der Anti-Doping-Bewegung im deutschen Sportjournalismus, er warnte bereits in den 1970er-Jahren vor dem heraufziehenden Ungemach. Eine besondere Faszination hegte er für Kenia, das er mehr als 50 Mal bereiste.

Von Michael Gernandt

Anfang der 1970er-Jahre waren die meisten Stadien in Europa für die lauffreudigen Bewohner der Höhenzüge oberhalb von Nairobi noch unbekanntes Terrain; so fremd wie ihre Namen für die internationale Leichtathletik. Manager, ohne die heutzutage kaum ein Vertragsathlet aus der afrikanischen Ausdauerbranche die Kunststoffbahn betreten würde, hatten sich damals zum olympischen Kernsport noch nicht vorgewagt. Und die Inbesitznahme der langen Kanten der Leichtathletik wäre womöglich verzögert worden, hätte der erste kenianische Olympiasieger Kipchoge Keino nicht den deutschen Sportjournalisten Robert Hartmann kennengelernt.

Aus dem ersten Treffen wurde Freundschaft: ein Segen für die Talente aus Keinos Heimat, die diese bis dahin nie verlassen hatten. Man schickte sie mit kleinem Gepäck nach Europa, obenauf in der Reisetasche: Hartmanns Adresse in Dörnigheim bei Hanau. Der Kenia-Freund hatte das Dachgeschoss seines Hauses eigens für seine Gäste ausgebaut - oft die erste Station der Hochbegabten aus Übersee auf ihrem Weg hinein in die Starterlisten der europäischen Veranstalter und in die Rekordlisten des Weltverbands.

Die Faszination des Journalisten für Kenia, das er mehr als 50 Mal bereiste, und seine Läufer währte lange - erste Dopingfälle auch bei den Wunderläufern freilich erschütterten ihn. Hartmann wollte stets schwören, dass die Seuche seine afrikanischen Freunde nicht erreichen werde.

Gleichwohl geriet das Doping- Thema schnell zum Arbeitsschwerpunkt des exzellenten Leichtathletikexperten. Robert Hartmann gehörte zu den Pionieren der Anti-Doping-Bewegung im deutschen Sportjournalismus, er warnte bereits in den 1970er-Jahren vor dem heraufziehenden Ungemach, anfangs bei der FAZ, danach bis zur Jahrtausendwende vor allem in der Süddeutschen Zeitung. Robert Hartmann ist vergangenen Samstag im Alter von 82 Jahren gestorben.

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