Süddeutsche Zeitung

Nachruf:Der Vielseitige

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Athlet, Trainer, Funktionär, WM- und EM-Organisator: Die deutschen Leichtathleten trauern um Frank Hensel, der die Geschicke des Verbandes jahrelang unaufgeregt geprägt hat. Sich in den Vordergrund zu drängen, gehörte allerdings nicht zu seinen Talenten.

Von Joachim Mölter

Wer Frank Hensel erst nach seiner aktiven Karriere kennengelernt hat, hätte nicht gedacht, dass er mal Mehrkämpfer gewesen ist, kein überragender zwar, aber ein überdurchschnittlicher. Deutscher Jugendmeister 1968 im Fünfkampf, Zehnkampf-Bestleistung bei den Männern 7441 Punkte, Platz zwei bei den deutschen Meisterschaften 1977 mit der Mannschaft des USC Mainz, an der Seite des späteren Weltrekordlers Guido Kratschmer - das waren die herausragenden Ergebnisse des großgewachsenen, fast hageren Mannes, der eher als Langstreckenläufer durchgegangen wäre.

Die antrainierte Vielseitigkeit ist Hensel später zugutegekommen: Er war Teamleiter und Bundestrainer für die Hürdenstrecken im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und von 1994 an dessen Leistungssportchef; zwischen 1998 und 2016 prägte er den Verband zunächst als Generalsekretär, dann als Generaldirektor. Es ist keine leichte Aufgabe, 46 Disziplinen zu überblicken, es allen Athleten und Trainern, Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen recht zu machen. Hensel bewerkstelligte es auf eine ruhige, zurückhaltende, ausgleichende Art. Sich in den Vordergrund zu drängen, gehörte jedenfalls nicht zu seinen Talenten.

Unaufgeregt, aber an entscheidenden Stellen half er mit, in Berlin die WM 2009 und die EM 2018 zu organisieren. Nachdem er beim DLV in Rente gegangen war, brachte er sein Wissen beim europäischen Verband EAA ein, als Vizepräsident und Vorstandsmitglied. Am Sonntag ist Frank Hensel nach längerer Krankheit im Alter von 70 Jahren gestorben. "Die deutsche und weltweite Leichtathletik-Familie verliert einen großen Visionär", schrieb Idriss Gonschinska, Hensels Nachfolger als DLV-Generaldirektor.

"Die Leichtathletik ist um eine große Persönlichkeit ärmer", würdigte DLV-Ehrenpräsident Clemens Prokop seinen langjährigen Mitstreiter.

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SZ vom 01.12.2020
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