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Nachruf:Der ideale Schwung

Mickey Wright

Hochgelobt von den Besten ihrer Branche: Die amerikanische Golferin Mickey Wright verstarb in dieser Woche im Alter von 85 Jahre

(Foto: AP)

Mit ihrer Art, den Ball zu schlagen, hat Mickey Wright selbst die besten Golfer beeindruckt und wurde so zum Star - eine Rolle, die ihr nicht behagte. Nun ist die US-Amerikanerin im Alter von 85 Jahren gestorben.

Ben Hogan war ein amerikanischer Golfer, der einen derart schönen Schwung hatte, dass er noch zu Lebzeiten zum "größten Golfer aller Zeiten" gekürt wurde. Er schrieb ein legendäres Buch, "Ben Hogan's Five Lessons: The Modern Fundamentals of Golf". Darin beschreibt er, wie man idealerweise den Ball schlägt. Es gab nur eine Person, die diesem Idealbild nahe kam - Hogan selbst. Wobei er es anders sah. Für den Texaner mit der Schiebermütze, der zwischen 1946 und 1953 neun Major-Turniere gewann, hatte Mickey Wright den besten Schwung, den er je sah.

Die Amerikanerin erlag Anfang der Woche einem Herzinfarkt, sie wurde 85 Jahre alt. Ihr Stellenwert und ihre Verdienste lassen sich daran ermessen, wie groß die Anteilnahme ist.

"Sie war eine tolle Botschafterin unseres Sports", kondolierte Jack Nicklaus, 80, mit 18 Major-Titeln der erfolgreichste Spieler. Diverse weitere Champions drückten ihr Beileid aus, auch die US-Frauentour LPGA. Kathy Whitworth, die 88 Turniere gewann und damit so viele wie keine andere, sagte: "Ich hatte das Privileg, mit Sam Snead, Jack Nicklaus, Arnold Palmer und allen anderen zu spielen - sie war die Beste, die ich sah, ob Mann oder Frau." Whitworth, nun 80, ist sicher, Wright hätte mehr als 13 Major-Titel und 82 Turniersiege errungen und sie damit übertroffen. "Ich bleibe dabei", sagte sie dem Internetportal Nationalclubgolfer.com: "Sie hätte 100 Mal gewonnen, hätte sie nicht früh aufgehört."

Die San Diego stammende Wright war eine Naturbegabung, wenngleich sie die Erhabenheit ihres Schwungs dem Unterricht ihres Golflehrers Harry Pressler zuschrieb, einem Anhänger von Hogans Lehre. Mit der ihr eigenen Feinsinnigkeit sagte Wright einmal: "Das zweitbeste Gefühl in der Welt ist, mit einem hoch geschlagenen Eisen 2 ein gut verstecktes Grün anzuspielen". Ihr Ansatz war stets: "Der Schlüssel ist der Schwung." Wright schaffte das, was Amateure wie Profis erstreben: so den Ball zu schlagen, dass sich die Bewegung fließend anfühlt wie eine warme Welle, die einen umspült. Dabei war ihre Technik nicht nur optisch beispiellos, sie war auch effizient. Anfang der Sechzigerjahre hielt Wright vier Major-Titel auf einmal, vier Majors in Serie zu gewinnen, das schaffte bei den Männern nur Tiger Woods (2000/2001).

Wright wurde, auch ohne Internet, zum Star - eine Rolle, die ihr nicht behagte. "Ich bin nicht so gut darin, dass ich vor vielen Leuten spielen will, um mich darin zu sonnen und es zu lieben", wird sie auf der Homepage der Hall of Fame des Golfs zitiert: "Um das alles zu lieben, musst du diese Art Druck aushalten. Ich konnte das nicht mehr." 1969, mit 34, hörte sie auf. Sie zog sich nach Port St. Lucie in Florida zurück, bestritt zwar 1973 noch ein Turnier, das sie gewann, doch vom Wettkampfsport hatte sie sich gelöst. Nicht aber vom Arbeiten am perfekten Schwung. Im Interview mit Golf-Digest 2017 sagte sie: "Einen Schläger zu schwingen, liebe ich immer noch mehr als alles andere." Die eigene Endlichkeit betrachtend, sagte Wright: "Es muss Golf im Himmel geben. Ich hoffe, wenn ich dort hinkomme, dass nur ich und das Eisen 2 da sind. Und höchstens einige Engel zuschauen." Sollten sie es tun, dann mit Freude.

© SZ vom 20.02.2020/schm

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