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Nach Sieg gegen Chile im WM-Viertelfinale:Der Pfosten wahrt Brasiliens Traum

Brazil v Chile: Round of 16 - 2014 FIFA World Cup Brazil

Jubel in Gelb: Brasilien steht im WM-Viertelfinale

(Foto: Getty Images)

Je länger das Spiel dauert, desto schüchterner spielt die Seleção. Erst in einem dramatischen Elfmeterschießen kann sich der Gastgeber gegen Chile durchsetzen und erreicht das WM-Viertelfinale. Das ganze Land und die Fifa atmen durch.

Neymar und Alexis Sánchez, Vereinskollegen beim FC Barcelona, tätschelten sich im Spielertunnel die Wangen, sie lachten, sie umarmten sich lange. Doch dann ging es hinaus auf den Platz. Das erste K.o.-Spiel der WM begann, und damit der grausamste Teil des Turniers. Brasiliens Neymar und Chiles Alexis Sánchez waren fortan Gegner - und sie rangelten kräftig.

Nach 90 Minuten stand es 1:1, in der Verlängerung traf keine der Mannschaften und so musste die Achtelfinalpartie im Elfmeterschießen entschieden werden. Neymar ließ sich die Oberschenkel massieren, Alexis Sánchez die Waden. Die Vereinskollegen wechselten nun kein Wort mehr, sie würdigten sich keines Blickes. Am Ende war es Neymar, der jubelte. Alexis Sánchez sank auf die Knie. Brasilien gewann mit 3:2 im Elfmeterschießen.

Die Bilanz hatte vor Spielbeginn weitaus deutlicher für Brasilien gesprochen: 48 von bisher 68 Duellen gewann die Seleção. Auch eine Entscheidung von Luiz Felipe Scolari hatte viele Brasilianer optimistisch gestimmt. Der Trainer gab dem Druck der Öffentlichkeit und der Offensichtlichkeit der Spielerstatistiken nach: Er ersetzte im Mittelfeld den schwächelnden Paulinho durch Fernandinho.

Die brasilianische Mannschaft begann die Partie, bei der so viel verloren gehen konnte, nervös. Auf den elf Spielern lastete schließlich der Druck des ganzen Landes und der Fifa, denn der Weltverband fürchtete, die Begeisterung der Brasilianer könnte nachlassen und dafür die Proteste wieder aufflammen, sollte der Gastgeber ausscheiden. Hulk erlaubte sich rasch einen gewaltigen Fehlpass, die Verteidiger um David Luiz und Dani Alves mussten mehrmals klären - und Fernandinho legte einen Gegner derart unnötig und grob, dass er froh sein konnte, von Schiedsrichter Howard Webb keine gelbe Karte gezeigt zu bekommen.

Die Chilenen konnten davon allerdings nicht profitieren. Von Alexis Sánchez, vor dem die Brasilianer die größte Angst hatten, war lange wenig zu sehen. Die Spieler von La Roja fielen anfangs eigentlich nur auf, wenn sie Neymar mal wieder durch ein rüdes Foul zum Stoppen brachten.

Es war die Seleção, die zunächst zu den besseren Chancen kam. Marcelo donnerte einen Distanzschuss knapp am Tor vorbei (6.), Hulk fiel - statt zu schießen - im Strafraum (13.). Nach einer Viertelstunde sprintete Neymar von der Mittellinie bis in den Strafraum, tänzelte um zwei Gegner herum, doch es konnte sich kein Mitspieler rechtzeitig in Schussposition bringen.

Elf Spieler zum Nachnominieren

Blümchen ins Tor, Ballack auf die Bank

Und dann trat Neymar in der 18. Minute zu einer Ecke an, es wurde laut im Stadion von Belo Horizonte - und wenige Sekunden später noch lauter. Hulk verlängerte die Ecke mit dem Kopf zum rechten Torpfosten. Dort standen David Luiz und der chilenische Verteidiger Gonzalo Jara. Wer von den beiden den Ball mit dem Oberschenkel über die Linie drückte, war auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Die Zeitlupe identifizierte später Jara als Torschützen. David Luiz war das egal, er ließ sich an den langen Locken ziehen und feiern. Auch die Fifa rechnete Luiz zumindest vorläufig den Treffer an.