Nach Humor-Einlage zu Ronaldo:Portugal empört sich über Blatter

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Nach Humor-Einlage zu Ronaldo: Sepp Blatter macht Späße auf Kosten von Cristiano Ronaldo.

Sepp Blatter macht Späße auf Kosten von Cristiano Ronaldo.

(Foto: AFP)

Nun schaltet sich sogar die Regierung ein. Die Slapstick-Einlage von Fifa-Chef Sepp Blatter zu Cristiano Ronaldo bei einem Auftritt in Oxford erregt die Portugiesen. Ein Minister sagt: "Ich empfinde ein Gefühl des Entsetzens."

Der "Friseur-Ulk", den FIFA-Boss Joseph Blatter mit dem portugiesischen Fußballer Cristiano Ronaldo getrieben hat, ist zum Politikum geworden. Die Regierung in Lissabon wies die von vielen Seiten als abfällig gewerteten Äußerungen Blatters über Ronaldo am Mittwoch "total zurück" und sprach von einer "traurigen Vorstellung" und "einer Pantomime" des Schweizers.

Portugal läuft Sturm. Die Sportzeitung A Bola rüffelte Blatter groß auf Seite eins: "Warum hältst du nicht die Klappe?" Nachdem er sich über die Spielweise und die Friseurbesuche Ronaldos lustig gemacht hat, darf der Weltverbandsboss wohl für längere Zeit keinen Portugal-Urlaub einplanen - auch wenn er sich inzwischen entschuldigt hat.

"Ich empfinde ein Gefühl des Entsetzens, das ich mit allen Portugiesen teile", sagte der Sprecher des Ministerrates und Minister für parlamentarische Angelegenheiten, Luis Marques Guedes und warf Blatter vor, es handele sich um keine Sache, die man schnell sagen und dann einfach bereuen könne. Mit seiner erstmals enthüllten Vorliebe für den Rivalen Lionel Messi hatte Blatter zuvor bereits bei Ronaldo-Klub Real Madrid und beim portugiesischen Nationalverband FPF Empörung ausgelöst.

Real forderte vom FIFA-Boss in einem Brief eine Entschuldigung und einen Widerruf. Trainer Carlo Ancelotti sprach von einer Respektlosigkeit. In einer Mitteilung des FPF hieß es, Blatter habe es nicht nur gegenüber Ronaldo, sondern gegenüber ganz Portugal an Achtung fehlen lassen.

Der 28-jährige Stürmer reagierte unterdessen mit Ironie. Er wünsche Blatter "Gesundheit und ein langes Leben", meinte Ronaldo auf Twitter. Er postete auch ein Video mit den umstrittenen Aussagen Blatters und meinte: "Dieses Video zeigt den Respekt und die Achtung, die die FIFA mir, meinem Klub und meinem Land entgegenbringt. Nun wird einiges klarer." Er sei davon überzeugt, so Ronaldo, dass Blatter weiterhin die Erfolge seiner Lieblingsmannschaften und -spieler werde genießen können.

Empörung lösten aber nicht nur die Worte Blatters aus. Mit theatralischer Gestik hatte der Schweizer vor Studenten der Oxford Union Society bei einem Vergleich der beiden Stars des Weltfußballs in einer deutlichen Anspielung auf Ronaldo lächelnd gesagt, einer der beiden gebe viel mehr beim Friseur aus. Auf dem Feld trete der Portugiese "wie ein Kommandant" auf, fügte Blatter an, und stolzierte zur Untermalung seiner Worte über die Bühne.

Die Pantomime von Blatter sei ein "erbärmlicher Anblick" gewesen, so der portugiesische Politiker Marques Guedes, der sich "empört" zeigte und von einer "erniedrigenden Karikatur" sprach.

Messi lobte Blatter dagegen als "guten Jungen", den jeder Vater und jede Mutter gern bei sich zu Hause hätten. Der 26-jährige vierfache Weltfußballer aus Argentinien spiele sehr gut, "so als würde er tanzen", sei schnell, schieße Tore und sei zudem bescheiden. Daher bekomme er bei der Weltfußballer-Wahl stets sehr viele Stimmen. "Ich mag beide, ziehe aber Messi vor", lautete Blatters Fazit.

Der nicht erst seit der Vergabe der WM 2022 an Katar umstrittene Chef des Weltfußballs hatte schon am Dienstagabend einen Rückzieher gemacht. Auf Twitter ließ er den "lieben Ronaldo" wissen, dass er sich entschuldige, auf der privaten Veranstaltung habe er ihn keinesfalls beleidigen wollen. Die Atmosphäre konnte er dadurch nicht beruhigen. Die portugiesische Zeitung Record schrieb, man werde es verstehen können, wenn sich Ronaldo in Zukunft bei FIFA-Galas nicht blicken lasse. Die spanische Sportzeitung Marca sprach von einem "Weltskandal" und der frühere portugiesische Weltklassestürmer Paulo Futre meinte, es sei sehr einfach: Blatter hasse Ronaldo.

Linktipp: Hier Blatters Auftritt in Oxford

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