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Nach Dopingsperre:Scharapowas Comeback in Stuttgart: "Sie hat die Strafe abgesessen"

Gibt nach 15-monatiger Dopingsperre ihr Comeback: Tennisspielerin Maria Scharapowa.

(Foto: AP)

Die Tennisspielerin startet nach ihrer Dopingsperre mit einer Wildcard in Stuttgart. Angelique Kerber kritisiert das - Turnierchef Markus Günthardt verteidigt die Entscheidung.

Mit deutlichen Worten hat Markus Günthardt, Turnierdirektor des Porsche Tennis Grand Prix, die Wildcard-Vergabe an Maria Scharapowa verteidigt. Die frühere Weltranglisten-Erste betritt nach einer 15-monatigen Dopingsperre Ende April in Stuttgart erstmals wieder die große Bühne. "Der Cas ( Intern. Sportgerichtshof, d. Red.) befand, sie habe einen Fehler gemacht. Sie ist in diesem Sinne ausdrücklich nicht als Betrügerin bezeichnet worden", sagte der 59-jährige Schweizer im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Darin erklärt er ausdrücklich, warum die Anfang 2016 mit einem unerlaubten Herzmittel (Meldonium) überführte Russin beim wichtigsten Frauenturnier Deutschlands Ende April willkommen ist. "Der zweite Punkt für uns war: Sie hatte ihre Schuld öffentlich sofort eingestanden und die Verantwortung dafür übernommen. Und: Sie hat die Strafe abgesessen. Diese Punkte sind Gründe genug, dass sie zurückkommen darf."

Ein Maulkorb für Angelique Kerber? "Auf keinen Fall"

Vor kurzem hatte sich die Weltranglisten-Erste Angelique Kerber zu Scharapowas Comeback geäußert und es als "seltsam" bezeichnet, dass die inzwischen 29-Jährige am 26. April, an einem Mittwoch, ins Turnier einsteige. Die Veranstaltung beginnt offiziell schon am 22. April. "Erstrundenspiele am Mittwoch sind bei uns üblich", sagte Günthardt dazu. "im letzten Jahr hatten wir am Mittwoch fünf Erstrundenspiele. Es wurde keine Regel für Maria verbogen. Es ist aber natürlich ein Zufall, dass ihre Sperre am 25. endet und am 26. ihr Wettkampf ansteht. Das ist nicht von uns so organisiert worden."

Pikant an Kerbers Bemerkung ist, dass sie wie Scharapowa Markenbotschafterin des Titelsponsors in Stuttgart ist. Einen Maulkorb wird die zweimalige Grand-Slam-Siegerin aber nun nicht erhalten. "Auf keinen Fall", versicherte Günthardt, der betont: "Jeder darf seine Meinung vertreten. Da werde ich absolut nichts unternehmen." Andererseits ergänzt er aber auch: "Es ist nur so, dass die Fakten manchmal nicht immer erkannt werden. Der Kernpunkt für uns ist, dass Maria nicht versucht hat zu betrügen. Wäre das anders gewesen und beurteilt worden, hätten wir vielleicht anders entschieden."

Im SZ-Interview spricht der Manager, Bruder des früheren Steffi-Graf-Trainers Heinz Günthardt, über mögliche Pfiffe, die Scharapowa zu erwarten habe, und darüber, wie sehr die fünfmalige Grand-Slam-Gewinnerin polarisiere als Persönlichkeit, trotz ihrer Erfolge. "Ich habe sie als jemand kennengelernt, der eine Schutzmauer um sich aufgebaut hat. Weil zu viele etwas von ihr wollen. Wenn man sie nicht kennt, kommt das schnell als arrogant und abgehoben rüber, was nicht der Fall ist", sagte Günthardt weiter. Auch über mögliche Lehren, die Verbände und Veranstalter auf der Frauentour ziehen könnten, spricht der Turnierdirektor.

Süddeutsche Zeitung Sport "Es wurde keine Regel für Maria verbogen"

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"Es wurde keine Regel für Maria verbogen"

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