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Nach den Ausschreitungen in Frankfurt:"Die Fans sind gefordert"

Wie kann man Fan-Ausschreitungen wie in Frankfurt verhindern? DFB-Vizepräsident Rainer Koch nimmt die friedlichen Anhänger in die Pflicht und will bestimmte Transparente im Stadion nicht mehr sehen.

J. Aumüller

"Die Fans sind gefordert. Die friedlichen Fans sind die deutliche Mehrheit, aber wir erwarten auch Zivilcourage. Wenn jemand seine Feuerwerkskörper auspackt, erwarten wir, dass der Nachbar aufsteht und sagt: 'Lass den Unsinn sein!'", sagte Koch zu sueddeutsche.de.

Welche Folgen haben die Fan-Ausschreitungen beim Spiel zwischen Frankfurt und Nürnberg?

(Foto: Foto: dpa)

Der DFB setzt insgesamt auf einen Mix aus sportpolitischen, repressiven und präventiven Maßnahmen. Doch die Fan-Kultur liegt Koch ganz besonders am Herzen. "Ich wünsche mir, dass manche Transparente und Gesänge aus den Stadien verschwinden. Transparente wie 'Ausgesperrte immer bei uns' kann ich nicht verstehen, zumal wir in den vergangenen Monaten sehr auf die Fans zugegangen sind und uns deren Wünschen gegenüber geöffnet haben", sagte er. So lockerte der DFB beispielsweise nach dem Fan-Kongress im Sommer 2007 die Stadionverbotsrichtlinien im Einvernehmen mit den Fan-Gruppierungen.

Nach den Vorfällen von Frankfurt ist die Debatte um Stadionverbote aber neu entfacht. Joachim Thomas, der Vorsitzende der Vereinigung deutscher Stadionbetreiber, befürwortet ein lebenslanges Stadionverbot für Zuschauer, die Leuchtraketen oder Böller auf das Spielfeld werfen. "Diese Chaoten haben in unseren Stadien nichts zu suchen. Wir müssen abschreckende Maßnahmen treffen", sagte er.

Die DFB-Verantwortlichen schlossen sich dieser Meinung nicht an. Sie wollen zwar konsequent vorgehen, zweifeln aber daran, ob lebenslange Sperren in allen Fällen die richtige Variante wäre. "Ob eine lebenslange Sperre bei einem 18-Jährigen, der vielleicht auch noch unter Alkoholeinfluss steht, eine angemessene Strafe ist, muss man sich genau überlegen.", sagte DFB-Chef Theo Zwanziger in der Tageszeitung Die Welt. Auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) sprach sich gegen Änderungen bei der Stadionverbotsregel aus. "Ich denke, es wäre völlig falsch, die lang und intensiv geführte Diskussion wieder zu beginnen", sagte DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus.

Entscheidung am Dienstag oder Mittwoch

Welche Folgen die Ausschreitungen vom Samstag für die beteiligten Mannschaften haben, entscheidet sich voraussichtlich am Dienstag oder Mittwoch. Derzeit befindet sich der DFB-Kontrollausschuss noch in der Beweisaufnahme. Für die Zukunft ist DFB-Vizepräsident Koch optimistisch: "Im Moment überwiegt bei mir die Zuversicht, dass solche Vorfälle eine Ausnahme bleiben und wir keine italienischen Verhältnisse bekommen. Unsere Fan-Arbeit hat einen international hohen Standard, aber Garantien, dass alles friedlich abläuft, kann niemand geben."

© sueddeutsche.de/tbc
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