Deutsche Nationalmannschaft:Schweinsteiger als grimmiger General

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Uli Hoeneß, oberster Fußballmahner des Landes, hat sich zumindest bei den Nicht-Bayern im DFB-Tross unbeliebt gemacht, gerade mit seiner Kritik an Löw-Zögling Miroslav Klose, dieser würde die Mehrzahl seiner Tore ohnehin nur gegen Liechtenstein und Co. erzielen. Der erklärte nach der Partie in Dublin: "Die Kritik lasse ich jetzt unkommentiert. Es ist viel geschrieben worden. Es ist das Beste, wenn ich den Mund halte und mich auf den Fußball konzentriere."

Dennoch dürfte der Bayern-Präsident mit der Entwicklung in der Nationalmannschaft zufrieden sein. Denn von Wohlfühl-Oase war während der Irland-Reise wenig zu spüren. Stattdessen kehrte Bastian Schweinsteiger als grimmiger General zurück und Torwart Manuel Neuer reagierte auf das Gegentor in der Nachspielzeit mit einem kleinen Tobsuchtsanfall. Die Mannschaft hatte zwar bisweilen Spaßfußball gegen die bedauernswerten Iren geboten, aber mit dem atmosphärischen Spaß der vergangenen zwei Jahre ist es offenbar vorbei. Jetzt geht es um Erfolg. Den der Mannschaft und jedes einzelnen.

"Konkurrenzkampf ist immer gut, das sieht man bei den Bayern und bei uns", befand Team-Manager Oliver Bierhoff. Kapitän Schweinsteiger hielt sich gar nicht mit den Iren auf: "Wir müssen den einen Schritt mehr noch gehen, um Titel zu gewinnen und in den entscheidenden Spielen noch besser zu sein. Da muss jeder in seinem Rahmen perfekt sein, damit wir die Großen wie Spanien schlagen."

"Wir dürfen jetzt nicht in Euphorie verfallen"

Die Leichtigkeit und Verspieltheit, mit der die Deutschen bei der WM 2010 und danach bisweilen den Weltfußball aufmischten, sind dahin. Jetzt soll es darum gehen, den ersehnten Titel zu holen und dieses Ziel mit aller Entschlossenheit zu verfolgen. Da kann auf die Befindlichkeiten Einzelner nicht mehr Rücksicht genommen werden. Der Verdrängungskampf und all seine Nebengeräusche macht aus dem jungen DFB-Team nun eine normale Spitzenmannschaft auf der Suche nach Erfolg. Das haben nun die Iren zu spüren bekommen, die erbarmungslos überrollt wurden.

Doch Gratulationen für die schöne Aufführung und das 6:1 (der höchsten Niederlage einer irischen Nationalmannschaft auf heimischen Boden) wollte danach niemand entgegen nehmen. "Zu viel gelobt zu werden bringt eh nichts, das hat viele Tücken", erklärte Per Mertesacker. Bierhoff assistierte: "Wir dürfen jetzt nicht in Euphorie verfallen. Es ist ja nicht alles gut, nur weil wir einmal gewonnen haben."

Joachim Löw und sein Trainerteam werden intensiver darauf achten müssen, dass sich die Unzufriedenheiten und die Unruhe im Team als Energie auf dem Platz entladen und nicht im Mannschaftshotel. Diese Art der Moderation musste er noch nicht vorführen in den Jahren der Aufbauarbeit seit 2004.

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