Nach dem 3:0 in Freiburg Trainervernichtung gestoppt

Doppelt wertvoll: Wolfsburgs Trainer Valérien Ismaël dankt Mario Gomez für dessen Tore zum Sieg in Freiburg - und die eigene Festanstellung.

(Foto: Baumann/imago)

Der VfL Wolfsburg erfüllt den Wunsch der Mannschaft: Valérien Ismaël wird Cheftrainer.

Von Christoph Ruf, Freiburg

Der Arbeitstag des Mario Gomez umfasste am Samstag gleich drei Glücksmomente. Zum einen den Kopfballtreffer zum Wolfsburger 1:0, zum zweiten sein Tor zum 2:0, das er mit einem humorlosen Linksschuss besorgte. Und zum dritten jenen Moment seiner ehrenhaften Auswechslung kurz vor Schluss. Gut 300 Gästefans applaudierten, gut 300 Heimfans pfiffen. Und der Nationalstürmer wusste, dass er endgültig wieder angekommen war in der Bundesliga.

Vordergründig hatten die Pfiffe einen möglicherweise unabsichtlichen Ellbogencheck am Freiburger Verteidiger Söyüncü zum Anlass. Doch Gomez ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass man nur dann in die Ehre solcher Missfallenskundgebungen kommt, wenn man insgeheim als ziemlich guter Fußballer geachtet wird. Und da sie beim taumelnden VfL derzeit ziemlich gute Fußballer ziemlich gut gebrauchen können, nutzte der Nationalstürmer die Gunst der Stunde, um ein paar Lanzen für Valérien Ismaël zu brechen. "Wir haben schon einen Trainer auf dem Gewissen", sagte er in eine Kamera, "und wollen keine Trainervernichtungsmaschine sein."

Dass er sich für den richtigen Mann am richtigen Ort hält, hatte Ismaël, der in gemeinsamen Tagen bei Werder Bremen auch schon Spieler unter dem Manager Klaus Allofs war, in Freiburg durchblicken lassen. Sowohl er als auch die Profis hätten in den vergangenen Wochen gemerkt, "dass etwas zusammenwächst".

"Er hat immer die Prügel abgekriegt für unsere Leistung", sagt Daniel Didavi

Dass der in Straßburg geborene Ismaël am Tag danach tatsächlich zum Chefcoach befördert wurde, dürfte allerdings auch daran gelegen haben, dass Gomez nicht der Einzige war, der sich im Freiburger Dauerregen für den Franzosen ausgesprochen hatte. Nach dem Abpfiff stürmte die komplette Mannschaft auf den verdutzten Coach zu und wollte das als Signal interpretiert haben. "Er hat uns auch in den Spielen, in denen wir nicht gewinnen konnten, optimal eingestellt", sagte Daniel Didavi, der den Elfmeter zum 3:0-Endstand durch Ricardo Rodriguez herausgeholt hatte. "Er hat immer die Prügel abgekriegt für unsere Leistung." Auch Kollege Maximilian Arnold, der aus den beiden Gomez-Treffern keine große Geschichte machen wollte - "dafür wir haben ihn ja auch gekauft" - signalisierte Unterstützung für jenen Mann, der 2014 beim 1. FC Nürnberg keinen guten Start als Proficoach hatte und kurz darauf zurück zum Wolfsburger Nachwuchs ging. Nun wird der ohnehin bis 2018 gültige Vertrag des U23-Coaches auf die neue Herausforderung umgeschrieben.

Ismaël selbst schien bereits nach dem Schlusspfiff zu ahnen, dass seine Beförderung anstand. Schließlich stimmte diesmal nicht nur das Ergebnis, das gegen eine zumindest im ersten Durchgang konkurrenzfähige Freiburger Mannschaft ein wenig zu hoch ausfiel. Erstmals in dieser Spielzeit hatten die Niedersachsen eine Führung ausgebaut, anstatt sie zu verdaddeln. Erstmals hatten sie über 90 Minuten und nicht nur phasenweise einen konzentrierten, lauf- und kampfstarken Auftritt hingelegt. Spielerisch blieb der VfL zwar vieles schuldig, doch das lag nicht nur an Ismaëls Vorgabe ("kein Champagnerfußball"), sondern auch am tiefen Boden, der jedes Kurzpassspiel verhinderte. Und dennoch hatten Spieler wie Maximilian Arnold recht, die "eine klare Aufwärtsentwicklung" gesehen hatten.

Folglich ließ VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs alsbald verlauten, dass die Nachfolge des im Oktober entlassenen Dieter Hecking geregelt sei. "Wir haben die Gesamtsituation gemeinsam analysiert und sind zu dem Entschluss gekommen, dass Ismaël der richtige Cheftrainer für den VfL Wolfsburg ist." Bruno Labbadia, der beim missglückten Saisonstart noch den Hamburger SV trainierte, hatte damit den Kürzeren gezogen. Möglicherweise auch, weil die VfL-Bosse dessen kolportiertem Wunsch nach einem langfristigen Vertrag nicht nachkommen wollten.

Nebenbei: In all dem Getöse über Wolfsburgs Trainersuche ging fast unbemerkt eine saisonübergreifende Serie von zehn Freiburger Heimsiegen nacheinander zu Ende. Am 14. Februar 2016 war der SC zuletzt nicht als Sieger vom Platz gegangen. Damals wurde in der zweiten Liga mit 1:2 gegen Düsseldorf verloren.