Nach dem 0:3 gegen Hertha BSC "Der Trainer bleibt definitiv"

Ein HSV-Anhänger trug eine Verletzung am Kopf davon, die Polizei musste die rivalisierenden Fangruppen trennen und nahm zwei Randalierer vorläufig fest. Das Chaos vor dem Stadion hatte sich da längst auch ins Innenleben des Klubs verlagert. Hauptthema der Debatten zwischen Vorstand und Aufsichtsrat ist Trainer van Marwijk, dessen Verbleib Sportdirektor Oliver Kreuzer nach dem Schlusspfiff demonstrativ unterstrich: "Wir haben kein Trainerproblem, sondern ein Verteidigerproblem. Der Trainer bleibt definitiv." Ähnlich äußerte sich auch Torwart Adler, der betonte, der Coach habe absolute Rückendeckung im Team. "Ihn brauchen wir als führungsstarke Persönlichkeit", sagte der Keeper.

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Der Holländer selbst war in den vergangenen zwei Wochen in die Kritik geraten, nachdem er der Mannschaft erst zu viele freie Tage gewährt hatte und sie dann laut Berichten des Boulevards mit den Worten verhöhnte: "Ihr steigt ab - und ich nicht!" Am Samstag klang der Coach resigniert bis erschüttert. "Schlechter kann es fast nicht kommen", sagte van Marwijk, der sich aber den Problemen stellen will.

"Ich laufe nicht weg. Ich fühle mich voll verantwortlich für diese Situation." Ob er dafür überhaupt noch die Chance bekommt, ist fraglich. Wie die Bild-Zeitung am Sonntag berichtet, sollen Teile des Aufsichtsrates gewillt sein, den Vorstand zu einer Entlassung des 61-Jährigen zu zwingen. Jarchow bekräftigte indessen, dass der Trainer bleiben soll. "Wir wollen weiter mit Bert van Marwijk zusammenarbeiten. Ein Trainerwechsel greift zu kurz", sagte Klub-Chef am Sonntag. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass der Niederländer die Mannschaft weiter erreiche und einen klaren Plan verfolge, den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern.

Sollte van Marwijk doch fliegen, wäre es der zweite Trainer-Rauswurf der laufenden Saison, nachdem zu Beginn der Hinrunde schon Thorsten Fink gehen musste. Damals lag der Hamburger SV auf Platz 15 - mittlerweile ist die Lage noch schlimmer. So schlimm, dass sich auch die Helden von früher alarmiert zeigen. Am Samstagabend erklärte der frühere HSV-Manager Günter Netzer, dass ein Abstieg "selbstverständlich möglich" sei.

"Wenn die Spieler nicht endlich wach werden, ihr Potenzial ausschöpfen und sich ihrer Verantwortung dem Verein gegenüber bewusst werden, kurzum, wenn sie denken, dass es nicht passieren kann, dass sie absteigen, landen sie in der 2. Liga", sagte Netzer.

Und noch ein Name geistert plötzlich wieder durch die Hansestadt: Felix Magath. Der einstige HSV-Profi und spätere Trainer scheint nicht abgeneigt, seinem alten Klub zu helfen. "Wenn mir jemand eine Aufgabe anbieten würde, könnte ich mir Gedanken darüber machen. Bis jetzt ist es nicht passiert", sagte der 60-Jährige dem Radiosender WDR 2. Der Aufsichtsrat soll sich nach Informationen des Hamburger Abendblatt bereits am vergangenen Donnerstag mit Magath getroffen haben. Dabei soll der Coach seine Bereitschaft bekundet haben, kurzzeitig in Doppelfunktion für den Verein arbeiten zu wollen.

Einen möglichen Begleiter in Liga zwei treffen die Hamburger übrigens am kommenden Spieltag: Da geht es zum Tabellenletzten Eintracht Braunschweig. Wenn es dort erneut schief geht, wird aus dem Bundesliga-Dino wohl bald ein Zweitliga-Plüschtier.

(Mit Material von dpa)