bedeckt München 12°
vgwortpixel

Nach brutalem Foul im Viertelfinale:Neymar greift Kolumbiens Zúñiga an

Brazil Training Session and Press Conference - 2014 FIFA World Cup

Neymar bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Viertelfinale gegen Kolumbien.

(Foto: Getty Images)

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Verletzung kritisiert Neymar den Kolumbianer Zúñiga für sein Foul im Viertelfinale. Den Fußball seines brasilianischen Teams nennt er "gewöhnlich" - und erklärt, warum er im Finale für Argentinien ist.

Brasiliens Neymar kann dem Kolumbianer Juan Zúñiga dessen brutales Foul im WM-Viertelfinale nur schwer verzeihen. "Wenn er mich zwei Zentimeter weiter in der Mitte getroffen hätte, heute ...", sagte der Stürmer bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Teresópolis und fing an zu weinen: "Dann könnte ich heute im Rollstuhl sitzen."

Neymar hatte sich bei der Attacke Zúñigas, der ihm mit dem Knie in den Rücken gesprungen war, den Querfortsatz eines Lendenwirbels gebrochen. "Alle, die was von Fußball verstehen, wissen, dass so ein Foul nicht normal ist", sagte Neymar. Er habe sich immer gegen Fußtritte wehren können, "aber wenn ich jemandem den Rücken zuwende, habe ich keine Möglichkeit, mich zu schützen".

Neymar hatte nach dem Vorfall am vergangenen Freitag beim 2:1-Sieg in Fortaleza zunächst seine Beine nicht gespürt, wie Trainer Luiz Felipe Scolari später erzählte, und war in Panik geraten. Wenige Minuten nach seinem Gefühlsausbruch am Donnerstag in Teresóplis zeigte sich Neymar aber nachgiebiger. "Ja, ich würde ihm verzeihen. Ich fühle keine Wut, keinen Hass, nichts." Der Kolumbianer habe ihn am nächsten Tag angerufen und um Verzeihung gebeten. "Er sagte, er habe nicht die Absicht gehabt, mich zu verletzen. Ich wünsche ihm das Beste, dass er glücklich wird und Erfolg in seiner Karriere hat."

Nachdem der Stürmer am vergangenen Samstag auf einer Trage im Hubschrauber von Teresóplis nach Hause geflogen worden war, kehrte er am Donnerstag ins Trainingscamp "Granja Comary" zurück und konnte dabei auch gehen. Vor dem Training umarmte er seine Mitspieler. Bei der Pressekonferenz sprach Neymar dann von "einer der schlimmsten Wochen in meinem Leben. Es war schlimmer, als ich mir jemals hätte vorstellen können."

"Ich bin für Messi"

Damit sprach der Profi des FC Barcelona auch das 1:7-Debakel Brasiliens im Halbfinale gegen Deutschland an, das er zu Hause am Fernseher erlebte. "Das war etwas Unglaubliches, Unerklärliches." Im Spiel um Platz drei gegen die Niederlande in Brasília will Neymar die Mannschaft unterstützen. "Wir haben jetzt alles beweint, was es zu beweinen gab. Und jetzt versuchen wir, am Samstag zu spielen und die Partie zu gewinnen."

Gleichzeitig räumte der vierfache WM-Torschütze ein, dass Brasilien nicht seinen besten Fußball bei diesem Turnier gezeigt habe. "Es war ein gewöhnlicher Fußball, nicht der Fußball einer brasilianischen Auswahl, der besser ist und alle begeistert." Man müsse jetzt die Begegnung gegen die Niederlande angehen, "als ob es ein Endspiel wäre und diese WM lächelnd beenden". Neymar war im gelben Nationaltrikot mit Unterschriften seiner Mitspieler zu seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem WM-Aus erschienen. "Natürlich schmerzt es, es wird für sehr lange Zeit schmerzen, aber es wird auch vorübergehen", sagte der Angreifer. "Es werden bessere Tage kommen, und wir tun alles, um dem brasilianischen Volk die Freude zurückzubringen und vor allem zurück in unsere Gesichter."

Im Finale von Rio drückt Neymar den Argentiniern die Daumen. "Das kommt euch vielleicht komisch vor, dass ein Brasilianer für Argentinien ist, aber ich bin nicht für Argentinien. Ich bin für Messi", sagte er. "Wenn ihr so wollt, bin ich Fan des Messi-Fußball-Klubs." Neymar und Messi spielen zusammen beim FC Barcelona. "Argentinien und Deutschland haben sich dieses Finale verdient." Er habe mit Messi und Javier Mascherano zwei Klubkollegen im argentinischen Team. "Ich wünsche meinen Freunden Glück und hoffe, dass sie gewinnen", ergänzte er. "Messi ist eine Person, die früher mein Idol war, und die ich heute noch mehr bewundere, je mehr ich ihn jeden Tag erlebe."