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Nach Attacke gegen Fenerbahce:Tiefe Verstrickungen in die Vergangenheit

Den Angriff auf den Fenerbahce-Bus nehmen nun viele zum Anlass, einen Schlussstrich unter die seltsame, bereits fast vier Jahre dauernde Aufarbeitung jenes Manipulationsskandals zu fordern. Vor ein paar Tagen hatte der erst jüngst in den Ruhestand gegangene, langjährige Uefa-Vizepräsident Senes Erzik angedeutet, von Uefa-Seite gelte der Manipulationsskandal in der Türkei als abgeschlossen. Trabzonspor hofft daher auf eine Einmischung der Fifa. Am Sonntag erklärte ein Jurist des Klubs: "Wir werden den Kampf um unsere Rechte wie bisher auf legaler Ebene kontinuierlich fortsetzen. Niemand darf uns davon abhalten."

Fußball Türkischer Verband setzt Süper-Lig-Spieltag aus
Angriff auf Fenerbahce-Teambus

Türkischer Verband setzt Süper-Lig-Spieltag aus

Nach den Schüssen auf den Mannschaftsbus von Fenerbahce Istanbul debattiert die Türkei über die Auswüchse der Gewalt im Fußball. Der Ligabetrieb wird unterbrochen.

Auf Seiten der Trabzonspor-Fans machen Verschwörungstheorien die Runde, nach denen Fenerbahce selbst den Bus-Angriff inszeniert habe, um sich als Opfer zu stilisieren. Die Verwerfungen im Fußball führen zudem zu Grabenkämpfen der türkischen Innenpolitik. Das Verfahren gegen Fener-Boss Yildirim könnte nach etlichen juristischen Winkelzügen neu aufgerollt werden.

Das beschloss ein Gericht im Januar. Yidlirim profitiert von Gesetzes- änderungen aus dem vergangenen Jahr im Zuge einer drohenden Korruptionsklage gegen mehrere Minister der Regierung des ehemaligen Ministerpräsidenten und aktuellen Staatspräsidenten Erdogan. Die Ermittlungen gegen die Minister wurden nach einem umstrittenen Parlaments- beschluss endgültig eingestellt.

Wie die damalige Regierung Erdogan inszeniert sich auch Fener-Chef Yildirim als Opfer eines Komplotts - beide vermuten hinter den jeweiligen Vorwürfen die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen. Der, einst Weggefährte von Erdogan, lebt in den USA und ist längst mit dem Staatschef verfeindet. Angeblich sollen Gülen-Anhänger den Justizapparat unterwandert haben.

In den vergangenen Monaten wurden Tausende Staatsanwälte und Richter versetzt oder entlassen, unter anderem auch jener Staatsanwalt, der den Manipulationsprozess im Fußball geführt hat. Es gibt nun sogar Stimmen, die Gülen hinter dem Bus-Beschuss vermuten. Die Idee, hinter ihm könnte bloß ein wirrer Einzeltäter stecken, ist dagegen nicht sehr weit verbreitet.