Murray-Abschied Humpelmann

Fünfmal in Melbourne im Finale, nie gewonnen: Andy Murray.

(Foto: Saeed Khan/AFP)

Andy Murray liefert einen letzten großen Kampf bei den Australian Open, verliert diesen jedoch in fünf Sätzen.

Von Barbara Klimke, Melbourne

Wenn dies das letzte Match war, das er je bestritt, dann hat er noch einmal alles gegeben: Entschlossenheit. Mut. Kampf um den Ball bis zur Selbstaufgabe. Schonungslosigkeit gegen den eigenen Körper. Die Faust, das Gebrüll und schließlich die aufrichtigen, leisen Dankesworte. Andy Murray, 31, hat dem Spanier Roberto Bautista Agut einen Fight geliefert, wie er einem Grand-Slam-Turnier im Tennis gebührt, und sich erst nach fünf Sätzen 4:6, 4:6, 7:6 (5), 7:6 (4), 2:6 geschlagen gegeben. Wie viel Schmerzen ihn das kostete, wusste er allein. Immerhin gab er zu, dass er zwei Paracetamol geschluckt hatte, bevor er am Montag die Melbourne Arena betrat.

Murray, der zweimalige Wimbledonsieger aus Dunblane in Schottland, ist in der ersten Runde der Australian Open gescheitert, wie es abzusehen war nach seiner Pressekonferenz am Freitag, in der er über seine chronische Hüftverletzung und den baldigen Rücktritt gesprochen hatte. Er muss nun eine Entscheidung treffen, von der womöglich dauerhaft seine Gesundheit abhängt. Entweder befolgt er in den folgenden vier Monaten ein striktes Sportverbot, um sich eine letzte, vage Chance auf eine letzte Teilnahme am Wimbledonturnier zu erhalten, wo er sich in Würde von seinen Landsleuten und seinem Leben zwischen den Linien verabschieden könnte. "Ich kann wohl noch ein Spiel spielen", sagte er, "aber ich könnte trotzdem nicht ordentlich gehen." Oder er lässt sich noch einmal operieren. Es gibt keine Garantie, dass er danach je wieder zum Schläger greifen könnte, aber es würde seine Lebensqualität erhöhen, er könnte sich wieder Socken anziehen, die Hunde ausführen, vielleicht ein bisschen Fußball spielen im Park. Nur das Leben als Spitzenathlet wäre vorüber.

Es sind noch einmal Tränen geflossen am Montag bei seiner Mutter Judy, die seine erste Trainerin war, bei seinem Bruder Jamie, einem Weltklasse-Doppelspieler, bei den Zuschauern und einigen der Kollegen, die ihn mit einer Videobotschaft verabschiedeten. "Du hast immer dein Herz auf dem Platz gelassen", sagte sein langjähriger Rivale Novak Djokovic.

Wimbledon will ihm nun ein Denkmal setzen, wie am Montag bekannt wurde. Der All England Club hat bisher nur Fred Perry mit einer Statue gewürdigt, der das Turnier 1934 bis 1936 gewann; es dauerte 77 Jahre, bis dort in Murray wieder ein Brite gesiegt hatte. Wenn er die Wahl hätte, würde er wohl der Bronzeplastik eine heile Hüfte vorziehen. Er humpelte stark, als er die Anlage nach Mitternacht verließ.