1860 München Wettmillionen aus Gibraltar

Ein Wettanbieter vom Mittelmeer will Hauptsponsor von 1860 München werden. Dem von der Pleite bedrohten Fußball-Zweitligisten käme das gerade recht - aber vorher hat die Politik noch einiges zu klären.

Von Andreas Burkert und Klaus Ott

Wer auf den TSV 1860 München setzt, der kann einiges verdienen. Für einen Sieg der Löwen am Sonntag in der zweiten Liga bei Alemannia Aachen gibt es bei der privaten Wettgesellschaft Bet 3000 für einen Euro immerhin 3,60 zurück. Sollte die Heim-Mannschaft gewinnen, dann fiele die Quote niedriger aus. Für einen Euro werden 2,20 ausgezahlt. Bei der internationalen Wettfirma Bet 3000, die ihr Geschäft von Gibraltar aus über das Internet betreibt, favorisiert man also die Alemannia.

Junger 1860-Fan in der Allianz-Arena: Ein Wettanbieter aus Gibraltar will auf der Brust des Münchner Zweitligisten werben.

(Foto: dpa)

Vom bevorstehenden Auswärtsspiel des TSV einmal abgesehen hält der Hauptaktionär und Betreiber von Bet 3000, der lange Zeit in München aktive und jetzt in Gibraltar ansässige Geschäftsmann Simon Springer, eine ganze Menge von den Löwen. Immerhin so viel, dass er bereit ist, mit seiner Sportwettgesellschaft in den nächsten drei Jahren mindestens 4,5 Millionen Euro für Trikot- und Bandenwerbung in den Klub zu investieren. Und eine für das Überleben der Löwen hilfreiche Finanzgarantie über 1,5 Millionen Euro zu stellen. "Wir sind ziemlich weit, was unser Engagement betrifft", sagte Springer Freitagmittag. Das sei "in der Not bei 1860 geboren worden".

Ein neuer, zahlungskräftiger Haupt-Sponsor, das wäre schon eine große Hilfe für die Löwen, bei denen derzeit alles fix gehen muss. Geschäftsführer Robert Schäfer und Präsident Dieter Schneider waren auf Springer zugegangen. Donnerstagabend hatte Bet 3000 den Entwurf für den Sponsorvertrag erhalten, Freitagfrüh das Papier für die Bankgarantie. Dann wartete man bei Bet 3000, ob die Rettung der Sechziger gelingen werde und war froh, als der TSV am späten Nachmittag eine vorläufige Lösung verkündete.

"Wunderbar", sagte die Justitiarin und Direktorin Claudia Otto, die im Münchner Büro des Wettanbieters sitzt. Sie hatte 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer um 16 Uhr noch eine Mail mit einigen Punkten geschickt, die zu klären seien. Es sei aber "nichts Unüberwindbares" dabei, sagte Otto. "Ich denke, dass das klappt", sagte Hauptaktionär Springer.

Bis der Name Bet 3000 auf der Brust der Löwen prangt, muss allerdings die Politik noch einiges klären. Private Sportwetten sind in Deutschland bislang verboten, weshalb der TSV wegen eines anderen Trikotsponsors aus dieser Branche vor einigen Jahren jede Menge Ärger hatte.

Bayerns damaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber rief mehrmals beim Münchner Oberbürgermeister und 1860-Aufsichtsrat Christian Ude an und beschwerte sich über den TSV-Partner Bwin. Und dem TSV ließ Stoiber von seiner Regierung einen Brief des Inhalts schicken, dass im Freistaat nur die staatliche Sportwette Oddset erlaubt sei. Die Partnerschaft zwischen 1860 und dem Wettanbieter Bwin war von kurzer Dauer.

Jetzt aber sollen in Deutschland private Tipp-Gesellschaften zugelassen werden. Fraglich ist noch, wie viele. Wenn sich Bet 3000 nun bei einem Klub engagiert, der um das Überleben kämpft, dann dürfte das bei der späteren Vergabe der Wett-Lizenzen kein Nachteil sein. Leisten kann sich Hauptaktionär Springer das Sponsoring der Löwen locker. Bet 3000 setzt mit Sportwetten und Online-Casinos jährlich 450 Millionen Euro um.

Seit 2004 ist der in Israel geborene Springer in Gibraltar am Mittelmeer ansässig, vorher war er mehrere Jahrzehnte in München erfolgreich als Buchmacher mit Pferdewetten zugange. Fan von 1860 ist der 62-jährige nicht, er setzt auf ein lohnendes Investment: "Wenn man eine Sportwettfirma hat, ist man nicht Anhänger, sondern Geschäftsmann."

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