Tennisprofi Alexander ZverevMit schlauem Plan nach Paris

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Abschied im Halbfinale: Alexander Zverev in München.
Abschied im Halbfinale: Alexander Zverev in München. Sven Hoppe/dpa

Alexander Zverev erkennt, dass er mit seiner Energie haushalten muss  – und will sich bei der Turnierplanung die Branchenbesten Jannik Sinner und Carlos Alcaraz zum Vorbild nehmen.

Von Gerald Kleffmann, München

Der Tag, an dem Alexander Zverev mal pünktlich zu einem Pressetermin kommt, muss noch gefunden werden, den zweifelhaften Ruf des ewigen Zuspätkommenden hat er sich in 13 Jahren als Tennisprofi verlässlich erarbeitet. Auch an diesem Samstagnachmittag in München taucht er zunächst nicht wie angekündigt auf. Da es dauerte und dauerte, war zu befürchten, seine Laune könnte gleich nicht die Beste sein, aber als er aus dem Klubhaus des MTTC Iphitos trat und auf der Terrasse erschien, ging es eigentlich. Zverev strahlte zwar nicht, aber gereift ist er ja schon. Interviews nach verlorenen Matches bewerkstelligt er in der Regel gut, und so gab er, wenn auch in sachlichem Ton, Einblick in sein Befinden. Sein Tank sei leer, gab er schnell zu verstehen.

„Ich muss sagen, meine Beine waren nicht mehr da“, sagte Zverev und führte als Grund für sein Scheitern im Halbfinale der BMW Open an, dass er eben in den vergangenen Monaten viel gespielt habe. Was im Umkehrschluss natürlich auch bedeutete: Er spielte erfolgreich. Daher ging er milde mit sich ins Gericht. „Wenn du zehn, 20 Prozent langsamer bist und er dann so ein Match spielt, wird es schwierig“, sagte Zverev gelassen und resümierte: „Er hat ein sehr, sehr gutes Match gespielt, ich bin nicht ganz frisch, dann läuft es halt so, wie es läuft.“ Derart kompakt ließ sich tatsächlich die 3:6, 3:6-Niederlage, die ihm der Italiener Flavio Cobolli, 23, beigefügt hatte, zusammenfassen. Das Finale am Sonntag gewann der amerikanische Weltranglistensechste Ben Shelton, der 23-Jährige besiegte Cobolli 6:2, 7:5.  Im Doppel holten zwei Deutsche den Titel, Jakob Schaitter, 30, aus Wasserburg am Inn und Mark Wallner, 26, aus München bezwangen im Endspiel die Franzosen Theo Arribage und Albano Olivetti 6:4, 6:7 (4), 12:10.

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Zverev verpasste somit seinen vierten Titel am Aumeisterweg, er wäre mit einem Triumph zum Rekordchampion aufgestiegen, so bleibt er bei drei Trophäen wie der frühere Profi Philipp Kohlschreiber. Ein Drama ist sein Scheitern nicht, und mit seiner Teilnahme fast bis zum Finalsonntag hat Zverev dem Turnier, das seit dem vergangenen Jahr zur 500-er Kategorie (der Sieger erhält 500 Weltranglistenpunkte) der ATP Tour aufgewertet wurde, auch einen stattlichen Werbeeffekt verschafft.  Gut ist trotzdem auch nicht alles, denn im großen Bild hat sich gezeigt, dass er mehr als früher das Thema Belastungssteuerung ernst nehmen muss. Einfach überall anzutreten, wo entweder viele Weltranglistenpunkte oder eine schöne Antrittsgage warten, bringt ihn sportlich nicht weiter. Das hat Zverev erkannt.

Carlos und Jannik machen es schon schlau, dass sie nicht jede Woche spielen.
Alexander Zverev

„Carlos und Jannik machen es schon schlau, dass sie nicht jede Woche spielen“, sagte er. Der gebürtige Hamburger sprach von den Branchenbesten Carlos Alcaraz und Jannik Sinner, die seit zwei Jahren die großen Titel unter sich aufteilen. Der 22-jährige Spanier und der 24-jährige Italiener verzichten immer wieder mal auf Turniere, um sich zu schonen oder um leichte Verletzungen auszukurieren. Sinner, der zuletzt drei Masters-Titel in Serie gewann und Alcaraz auf dem ersten Weltranglistenplatz ablöste, pausierte vernünftigerweise in der zurückliegenden Woche. Alcaraz zog angeschlagen aus dem Turnier in Barcelona und versucht auch nicht auf Biegen und Brechen, in dieser Woche beim Masters in Madrid aufzuschlagen: Er stornierte unter Bedauern seine Teilnahme; es ist ja die wichtigste Veranstaltung für ihn in der Heimat. Dass auch Vielspieler Zverev auf seinen Energiehaushalt – zumal als Diabetiker – achten muss, verdeutlichte er nun mit einem Verzicht.

An diesem Montag wird er – wie ist nur die Zeit gerast! – 29 Jahre alt. „Die Party lasse ich jetzt mal ausfallen, ich muss mich mal wirklich regenerieren“, betonte Zverev. Er ist sich sicher, dass er sich aber bald erholen wird. „Ein paar Tage frei wären hilfreich, die habe ich jetzt. Ich habe sechs Tage bis zu meinem nächsten Match. Das ist mehr, als ich in den letzten paar Monaten gehabt habe.“ In diesem Kontext ließe sich freilich anmerken, dass Zverev nicht regelmäßig mit Marcelo Melo, 42, in der Doppelkonkurrenz antreten müsste, aber offensichtlich fühlt er sich seinem loyalen Freund gegenüber verpflichtet, ihn auch mal zu unterstützen. Der brasilianische Doppelspezialist, vor elf Jahren die Nummer eins der Weltrangliste, sitzt fast immer in der Box, wenn Zverev im Einzel spielt. In München traten die beiden wieder gemeinsam an. Auch die FC-Bayern-Fußballer Joshua Kimmich und Serge Gnabry unter den Zuschauern sahen die Erstrundenniederlage von Zverev und Melo.

Ob er nun nach Madrid auch noch in Rom und Hamburg spiele, wurde Zverev schließlich gefragt. „Das werden wir sehen“, sagte er. Auch er wolle jetzt seinen Kalender „schlau gestalten“, versicherte er, denn „das Hauptziel ist, in Paris das beste Tennis zu zeigen“. Er macht seine weiteren Planungen zunächst davon abhängig, wie erfolgreich er in Spanien und Italien ist. In München allerdings will er auch 2027 wieder partizipieren. „Wenn man mich einlädt“, sagte er mit einem Grinsen.

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