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Müller-Wohlfahrt beim FC Bayern:Ein letzter Sprint

18.09.2019, Champions League, FC Bayern vs Roter Stern Belgrad, Muenchen, Fussball, im Bild: Dr Muller-Wohlfahrt rennt z; Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt

Hört Ende Juni beim FC Bayern auf: Klubarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (l.).

(Foto: Philippe Ruiz/imago images)

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hört nach mehr als 40 Jahren beim FC Bayern als Klubarzt auf - diesmal wohl unwiderruflich. Und versöhnlich.

Von Benedikt Warmbrunn

Sie nennen ihn Winnetou. Weil keiner so über einen Fußballplatz rennen konnte wie er, mit federnden Schritten, in einer Hand das Arztköfferchen, die langen Haare, die erst spät vorsichtig ergrauten, wehten im Sprintwind. Angekommen am Ort des Unglücks hat er mit dem Daumen in die schmerzende Körperstelle des Spielers gedrückt, schon war der Schmerz weg. So ungefähr ist es bestimmt immer gewesen. Nun hört Winnetou auf zu rennen, und er wird keinen Schmerz mehr mit seinem Daumen vertreiben, zumindest nicht beim FC Bayern.

Am Freitagnachmittag verschickte der Klub eine Mitteilung, dass Klubarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zum Monatsende seine Karriere beim FC Bayern "beendet", und diese Wortwahl ist wichtig. Denn es ist nicht das erste Ende dieser Karriere, doch dieses Mal ist es wohl unwiderruflich. Und versöhnlich.

1977 war der Orthopäde und Sportmediziner Müller-Wohlfahrt, den sie gerne auch Mull rufen, zu den Bayern gekommen, erst als Teamarzt, in den 1990er Jahren leitete er dann die medizinische Abteilung. Nebenbei betreute er die Nationalmannschaft, zudem leitete er eine Praxis in der Münchener Altstadt; zu seinen Patienten dort zählte unter anderem der 100-Meter-Sprinter Usain Bolt. Um Müller-Wohlfahrt entstand im Laufe der Jahre ein Mythos, auch, weil er angeblich manchmal nur mit den Fingern drücken musste, um den Schmerz zu erkennen. Beim FC Bayern waren sie stolz auf ihren Mull, auch von der Kritik aus der Fachwelt an seinen unorthodoxen Methoden sowie seinem Einsatz von umstrittenen Medikamenten ließen sie sich nicht beirren. 2008 aber, unter dem Trainer Jürgen Klinsmann, ließ er sich vorübergehend freistellen. Und 2015 wieder, dieses Mal mit einem riesigen Knall.

"Frag den Doktor!", sagte Guardiola spitz

Die Mannschaft wurde damals trainiert vom eitlen Katalanen Pep Guardiola, der nicht immer verstand, auf welche Weise der nicht minder eitle Arzt die Spieler therapierte; die beiden arbeiteten in kaum verdecktem Misstrauen. "Frag den Doktor!", sagte Guardiola spitz, sobald er auf einen verletzten Spieler angesprochen wurde. Als nach einer Niederlage in Porto Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der Kabine Müller-Wohlfahrt kritisierte, hörte dieser auf. Der Doktor vermisste die Wertschätzung. 2017 holte ihn Sportdirektor Hasan Salihamidzic zurück, empfangen wurde Müller-Wohlfahrt wieder mit der Art von Wertschätzung, wie er sie sich wünscht. Diese erweisen ihm sie nun beim FC Bayern beinahe schon überschwänglich.

Der Verein bedauere die Entscheidung, steht in der Mitteilung, in der auch erwähnt wird, dass Rummenigge dies Müller-Wohlfahrt in einem persönlichen Gespräch sowie in einem Brief genau so ausgedrückt habe. "Alle unsere Erfolge in den vergangenen 40 Jahren tragen selbstverständlich auch den Namen Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt", wird Rummenigge zitiert. Salihamidzic lässt ausrichten: "Die Türen für Mull stehen beim FC Bayern immer offen."

Seit seiner Rückkehr vor drei Jahren war Müller-Wohlfahrt nicht mehr bei jedem Spiel des FC Bayern dabei gewesen, bevorzugt war Winnetou noch durch Champions-League-Nächte gesprintet. In Zukunft, teilt der Klub mit, soll die Mannschaft betreut werden von zwei Ärzten aus dem bisherigen Team, vermutlich von Peter Ueblacker und Jochen Hahne.

© SZ vom 13.06.2020/chge
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