Süddeutsche Zeitung

Neues IOC-Mitglied:Der perfekte Lobbyist

Smart, freundlich, berechnend - und persönlich ausgewählt vom Präsidenten Thomas Bach: Der Kölner Sportvermarkter Michael Mronz ist nun deutsches Mitglied im IOC. Erwartungen an ihn haben viele.

Von Gabriele Pochhammer

Der gebürtige Kölner Michael Mronz, 56, zählt zu den acht Personen, die am Dienstag als "unabhängige Individuen" neu ins Internationale Olympische Komitee (IOC) gewählt wurden. Sie sollen "der Arbeit des IOC aufgrund ihrer Erfahrung und ihrer Expertise in verschiedenen Lebensbereichen zusätzlichen Wert" bringen, sagte IOC-Präsident Thomas Bach zur Begründung.

Allen gemeinsam sei ihre Liebe zum Sport und ihr starker Glaube in die olympischen Werte. Die Wahl war nicht mehr überraschend, in der Regel folgt die IOC-Session den Empfehlungen der Auswahlkommission. "Ich bin stolz über die Berufung", sagte Mronz zur SZ, "ich bin mir der großen Verantwortung bewusst." Er verweist auf die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft: Investitionen in den Sport seien ebenso wichtig wie in die Kultur. Schwerpunkte will Mronz im Event-Marketing setzen, in der Digitalisierung und bei der Nutzung und Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz.

Weniger als aktiver Sportler denn als Sportmanager hat sich Michael Mronz hervorgetan, schon als Student organisierte er Tennisturniere und andere Veranstaltungen. Im Jahr 1997 übernahm er die Geschäftsführung der Aachener Reitturnier GmbH (ART), die zuständig ist für die Vermarktung des CHIO Aachen. Durch diese Position war Mronz auch Chef des Organisationskomitees der Weltreiterspiele 2006, der einzigen dieser vom Weltreiterverband FEI vergebenen Mammutveranstaltung, die nicht in einem finanziellen Desaster endete, sondern mit einer schwarzen Null. Die Spiele 2018 in Tryon (USA) waren die letzten ihrer Art, seitdem werden die Weltmeisterschaften wieder nach Disziplinen einzeln vergeben. Für 2026 bewirbt sich Aachen um die WM in Springen, Dressur, Paradressur, Vielseitigkeit, Fahren und Voltigieren.

Das CHIO Aachen hat Mronz zur ersten Adresse des internationalen Pferdesports gemacht

Smart, freundlich, berechnend und mit geschliffenem Auftreten erfüllt Michael Mronz das gängige Image des erfolgreichen Sportvermarkters. Das CHIO Aachen hat er zur ersten Adresse des internationalen Pferdesports gemacht. Er schnitt alte Zöpfe ab, gewann hochkarätige Sponsoren und konnte dadurch das Preisgeld massiv erhöhen. In der Soers entspringen immer wieder neue Pläne für Zukunftsprojekte, die sich an die junge Generation wenden, wie der CHIO Campus, ein Bildungs- und Trainingsangebot für junge Elitereiter. Von September 2010 bis zu dessen Tod 2016 war Mronz mit dem FDP-Politiker und Bundesaußenminister Guido Westerwelle verheiratet. Diese Zeit öffnete ihm Türen auch über den Sport hinaus.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ist natürlich begeistert, dass nun ein Fachmann aus dem Pferdesport ins IOC in Lausanne einzieht - und dort hoffentlich Lobbyarbeit für das immer wieder vom Olympia-Rausschmiss bedrohte Reiten betreibt. "Eine Top-Persönlichkeit des internationalen Sports", sagt FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach, "und ein glänzender Netzwerker." Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wiederum erhofft sich Unterstützung für eine erneute deutsche Olympiabewerbung. Man habe Mronz' Kandidatur unterstützt, "damit das deutsche Netzwerk im internationalen Sport eine weitere Aufwertung erfährt und die Olympische Bewegung auf einen zusätzlichen Botschafter in Deutschland bauen kann", sagt DOSB-Präsident Thomas Weikert.

Doch Mronz hält sich in diesem Punkt betont zurück. "Ich bin Vertreter des IOC in Deutschland, nicht umgekehrt", sagt er. Für eine eventuelle neue deutsche Olympiabewerbung sei der DOSB zuständig. Dort sitzt er jetzt allerdings - zusammen mit Britta Heidemann, Mitglied der IOC-Athletenkommission - via IOC-Amt mit im Vorstand.

Die Zuneigung zwischen Mronz und dem DOSB ist jüngeren Datums. Er wurde nicht vom deutschen Spitzenverband, sondern von Bach persönlich als IOC-Mitglied vorgeschlagen, der DOSB gab sich überrascht. Dass die von ihm mit betriebene Olympiabewerbung Rhein-Ruhr 2032 im heftigen Streit mit dem IOC endete, hat man am Ende nicht Mronz, sondern dem damaligen DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann angekreidet. Hörmann ist inzwischen DOSB-Geschichte, auf Mronz warten neue Aufgaben.

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